Rohölpreise sinken, Tankstellenpreise bleiben hoch
Der Rückgang der Rohölpreise hat kaum Auswirkungen auf die Kraftstoffpreise an österreichischen Tankstellen. Eine Analyse der UniCredit Bank Austria zeigt eine zunehmende Entkopplung der Kraftstoffpreise von den Rohölpreisen.
Die hohen Spritpreise resultieren aus begrenzten Raffineriekapazitäten, die den Inflationsdruck im Energiesektor aufrechterhalten. Laut den Ökonomen der Bank hat sich der Versorgungsengpass mittlerweile auf die Raffineriekapazitäten verlagert. Die Crack-Spreads, ein Maß für die Rentabilität des Raffineriesektors, haben kürzlich den höchsten Stand seit der Energiekrise 2022 erreicht.
Der Rohölpreis ist seit seinem Höchststand Anfang Mai 2026 um mehr als 20 Prozent gefallen, von rund 95 auf über 70 Euro pro Barrel. Die Diesel- und Benzinpreise sind hingegen deutlich weniger gesunken. In der ersten Augusthälfte kostete Diesel im Durchschnitt 2,01 Euro pro Liter, Superbenzin 1,78 Euro pro Liter. Nach Abzug von Steuern betrugen die Nettopreise ca. 1,15 Euro für Diesel und 0,88 Euro für Benzin, was einem Rückgang von nur 5 Prozent entspricht.
Kraftstoffe bleiben ein entscheidender Faktor für die Inflation. Obwohl sie nur 8,2 Prozent des Warenkorbs ausmachen, sind sie seit Beginn des Iran-Konflikts für etwa ein Fünftel der Inflation verantwortlich. Die Inflationsrate fiel im Juli auf 2,7 Prozent, jedoch nur geringfügig aufgrund der Kraftstoffpreise. Laut Walter Pudschedl von Bank Austria hätten die Preise ohne die höheren Raffineriemargen um etwa 10 Cent pro Liter niedriger sein können.
Einordnung
Die Entwicklungen verdeutlichen, dass trotz sinkender Rohölpreise die Tankstellenpreise stabil hoch bleiben, was die Inflation weiterhin belastet. Dies könnte die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beeinflussen und eine mögliche Zinsanhebung im Septembersonderfall unterstützen.


