Österreichs Inflationsprognose für 2026 steigt aufgrund des Konflikts im Nahen Osten signifikant. Der seit Ende Februar andauernde Konflikt hat die wirtschaftlichen Erwartungen des Landes drastisch verändert, und bereits erste Banken haben ihre Inflationsprognosen nach oben korrigiert. Ein MeinBezirk-Rundruf zeigt Einigkeit bei den Wirtschaftsanalysten: Schon bald werden sie ihre Inflationsprognosen nach oben revidieren müssen.
Zu Beginn des Jahres 2025 gab es Anzeichen für eine merkliche Entspannung der Inflationsrate in Österreich. Im Januar fiel die Teuerungsrate auf zwei Prozent, nachdem sie im Dezember 2025 noch bei 3,8 Prozent und im gesamten Vorjahr durchschnittlich bei 3,6 Prozent lag. Diese Entwicklung sorgte in der Regierung für vorsichtigen Optimismus, während Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) Anfang Februar von einer „echten Trendumkehr“ sprach.
Doch die Situation hat sich seitdem verschlechtert. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten stellt das ursprünglich gesetzte Ziel der Bundesregierung, die Inflation in diesem Jahr auf zwei Prozent zu drücken, zunehmend in Frage. Diese geopolitischen Spannungen führen zu einem Anstieg der Rohölpreise, was sich direkt auf die Teuerung auswirkt.
Inflationsprognose 2026 nach oben revidiert
Die Bank Austria hat als erstes Finanzinstitut ihre Inflationsprognose für Österreich für das Jahr 2026 von 1,9 auf 2,5 Prozent angehoben. Dies ist in erster Linie auf die zuletzt gestiegenen Energiepreise im Zuge des Konflikts zurückzuführen. Die Bank befürchtet, dass die höheren Ölpreise die Teuerung in den kommenden Monaten weiter ansteigen lassen und somit auch die wirtschaftliche Entwicklung belasten könnten.
„Wir haben unsere optimistische Inflationsprognose von 1,9 Prozent im Jahresdurchschnitt 2026 auf 2,5 angehoben, unter der Annahme eines überschaubaren Zeitrahmens des Konflikts und keiner weiteren Eskalationen, die sich negativ auf die Energiepreise auswirken würden“, erklärte Walter Pudschedl, Volkswirt der Bank Austria, in einer Aussendung.
Ausmaß abhängig von Kriegsdauer
Diverse Wirtschaftsforscher und Kreditinstitute, einschließlich des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), stimmen mit der Einschätzung der Bank Austria überein und rechnen ebenfalls mit einer Anhebung ihrer Inflationsprognose. WIFO-Ökonom Josef Baumgartner führte aus, dass die genaue Höhe der Anpassung von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten abhängt.
Derzeit ist nicht abzusehen, wie stark die Anpassung ausfallen wird. Sicher scheint jedoch, dass die Inflationsrate im März höher sein wird als die 2,2 Prozent, die im Februar vermerkt wurden. Erste Prognosen weisen auf einen Anstieg auf etwa drei Prozent hin, was hauptsächlich durch die stark gestiegenen Rohölpreise bedingt ist.
Das Institut für Höhere Studien (IHS) plant ebenfalls die Anpassung seiner Inflationsprognose für 2026. IHS-Ökonom Sebastian Koch erwartet, dass eine genauere Zahl mit der Veröffentlichung der Frühlingsprognose am 10. April 2026 bereitgestellt wird, und betont, dass die Inflationsrate im März voraussichtlich über dem Februar-Wert liegen wird.
Auch Erste Group rechnet mit höherer Inflation
Die Erste Group hat ebenfalls ihre Inflationsprognose angepasst. Zuvor rechnete man mit einer Rate von 2,1 Prozent für 2026, nun wird ein Wert von rund 2,5 Prozent erwartet, wobei der Preis für Brent-Öl im März durchschnittlich bei etwa 105 US-Dollar pro Barrel liegen soll.
Analyst Maximilian Möstl von der Erste Group merkte an, dass Energie in Österreichs Inflationskorb zwar eine geringere Rolle spiele als in vielen anderen Ländern, jedoch der Einfluss der Ölpreise nicht unterschätzt werden dürfe, da sie die Preise vieler Güter und Dienstleistungen beeinflussen könnten.
Nationalbank mit möglichen Szenarien
Die Österreichische Nationalbank (OeNB) verfolgt die Entwicklungen ebenfalls genau und wird ihre Inflationsprognose am 24. März 2026 aktualisieren. Aktuell prognostizierte sie eine Inflationsrate von 2,4 Prozent und ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, ohne die aktuellen Rückwirkungen des Konflikts zu berücksichtigen.
Die Nationalbank arbeitet mit verschiedenen Szenarien, um die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts abzubilden. Sollte der Konflikt nicht länger dauern, könnte das Wirtschaftswachstum 2026 um rund 0,25 Prozentpunkte niedriger ausfallen, während die Inflation um etwa 0,5 Prozentpunkte höher liegen könnte.
Das Wirtschaftsministerium (BMWET) hält die angepasste Inflationsprognose der Bank Austria für nachvollziehbar und erklärt, dass eine Erhöhung auf 2,5 Prozent plausibel sei, wenn man von einem kurzzeitigen Konflikt im Iran ausgeht. Letztlich hängt die weitere Entwicklung der Inflation maßgeblich von der Dauer der geopolitischen Krise ab.
Darüber berichtet Welt Stimme.


