Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat die Sicherheitsrisiken russischer Verkehrskameras auf Straßen des Landes zurückgewiesen. Das geschah trotz einer detaillierten Prüfung durch das slowakische Nationale Sicherheitsamt NBÚ, die bei einem Modell erhebliche technische Schwachstellen und Hinweise auf einen nicht dokumentierten Fernzugriff festgestellt haben soll. Fico erklärte im Zusammenhang mit dem Streit, zwei Kameras zur Verkehrsüberwachung könnten die Sicherheit des Landes nicht gefährden. Die Untersuchung des NBÚ kommt laut den vorliegenden Angaben zu einem deutlich kritischeren Befund.
NBÚ findet nicht dokumentierte Mobilfunktechnik
Im Mittelpunkt steht die Kamera CORDON PRO.M. Bei der Überprüfung wurde demnach ein in den technischen Unterlagen nicht ausgewiesenes 3G/4G-Modul mit Steckplatz für eine SIM-Karte entdeckt. Zusätzlich fanden die Prüfer eine Liste mit zwölf vorinstallierten Telefonnummern. Die Nummern trugen russische Vorwahlen, die mit +7 beginnen.
Nach den Angaben zur Untersuchung konnte das Gerät SMS-Befehle empfangen. Dazu gehörten Befehle zum Neustart, zur Änderung des Betriebsmodus und zum Auslösen eines Anrufs. Außerdem sei ein Mechanismus für den Fernzugriff vorhanden gewesen. Die Kombination dieser Funktionen war nach Darstellung des NBÚ nicht vollständig aus der technischen Dokumentation ersichtlich.
Die technischen Feststellungen wurden im Zuge der Berichterstattung über den Streit um die russischen Verkehrskameras in der Slowakei bekannt. Der Bericht datiert vom 18. August 2026 und befasst sich auch mit den öffentlichen Äußerungen des slowakischen Regierungschefs.
Root-Zugang und einprogrammierte Passwörter
Das NBÚ stellte den Angaben zufolge weitere sicherheitsrelevante Merkmale fest. In der Software soll ein Root-Konto mit einem fest eingebauten Passwort vorhanden gewesen sein. Root bezeichnet in Computersystemen ein Konto mit weitreichenden Administratorrechten. Ein solcher Zugang kann die Kontrolle über zentrale Funktionen eines Geräts ermöglichen, sofern die Zugangsdaten bekannt sind oder ausgelesen werden können.
Darüber hinaus sei ein VPN bereits vorinstalliert gewesen. Für dieses virtuelle private Netzwerk habe die Untersuchung eingebettete Passwörter festgestellt. Die Prüfung habe außerdem 260 potenziell gefährliche Stellen im Programmcode identifiziert. Diese könnten nach der Darstellung des Sicherheitsamts die Ausführung beliebigen Codes mit Administratorrechten ermöglichen.
Aus den technischen Befunden folgt nach den vorliegenden Informationen nicht automatisch, dass Daten tatsächlich nach Russland übertragen wurden. Festgestellt wurden jedoch Funktionen und Konfigurationen, die einen entfernten Zugriff beziehungsweise eine Fernsteuerung ermöglichen könnten. Die russischen Telefonnummern, das Mobilfunkmodul, der SMS-Empfang und die Angaben zum Fernzugriff wurden dabei als Bestandteile desselben Prüfberichts angeführt.
Slowakisches Innenministerium ließ Geräte prüfen
Der Vorgang hatte mit einem Verdacht auf eine Verbindung zu dem russischen Unternehmen Simicon begonnen. Das slowakische Innenministerium wies einen solchen Zusammenhang zunächst zurück. Später wurden die Geräte beschlagnahmt beziehungsweise aus dem Einsatz genommen, und das Ministerium beauftragte das NBÚ mit einer Untersuchung.
Diese Prüfung bestätigte nach den vorliegenden Angaben sowohl die russische Herkunft der Hardware als auch jene der Software. Damit bezog sich der Befund nicht nur auf einzelne Bauteile oder eine technische Zulieferung, sondern auf die Herkunft von Gerätetechnik und Programmierung, wie sie in der Untersuchung beschrieben wurde.
Die Kameras waren für die Verkehrsüberwachung auf slowakischen Straßen vorgesehen. Welche Zahl von Geräten insgesamt betroffen ist, wird in den vorliegenden Angaben nicht genannt. Genannt werden lediglich zwei Kameras, auf die sich Ficos öffentliche Aussage bezog, sowie das Modell CORDON PRO.M, an dem die detaillierte technische Prüfung vorgenommen wurde.
Ficos Reaktion auf den Sicherheitsbefund
Fico stellte die mögliche Gefahr nach der Darstellung des Berichts in Abrede und machte sich über die Warnungen beziehungsweise die Berichterstattung dazu lustig. Seine Äußerungen stehen damit neben einem Prüfbericht des NBÚ, der mehrere nicht dokumentierte oder als gefährlich eingestufte Funktionen beschreibt.
Die vorliegenden Informationen belegen einen technischen Sicherheitsbefund und die politische Reaktion darauf. Sie belegen hingegen nicht, dass die Kameras bereits für Spionage eingesetzt wurden oder dass konkrete Verkehrsdaten an russische Stellen übermittelt worden sind. Auch über eine abschließende Entscheidung zum weiteren Umgang mit sämtlichen Geräten wird in dem Material nicht berichtet.
Fest steht nach dem beschriebenen Ablauf, dass das slowakische Innenministerium die Kameras zunächst verteidigte, sie anschließend aus dem Zugriff nahm und eine Prüfung durch das nationale Sicherheitsamt veranlasste. Der Streit über die Geräte und Ficos Einschätzung der festgestellten Risiken bleibt damit Gegenstand der slowakischen Sicherheits- und Innenpolitik.


