Die Zahl der Geschäftsauflösungen in der russischen Beauty-Branche ist in den ersten sieben Monaten 2026 deutlich gestiegen. Nach am 21. August veröffentlichten Angaben wurden von Jänner bis Juli 12.300 Unternehmen aus dem Bereich Friseur- und Kosmetikdienstleistungen geschlossen. Das waren 52,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig sank die Zahl der Neuanmeldungen um 16,1 Prozent auf rund 13.000.
Die Entwicklung wird mit der Änderung der Mehrwertsteuerregeln für kleinere Unternehmen in Verbindung gebracht. Viele Betriebe wechselten demnach aus dem Patentsystem in eine steuerliche Regelung mit höherem Abgaben- und Verwaltungsaufwand. Ein Teil der Beschäftigten arbeitet inzwischen als Selbstständige in Coworking-Räumen oder empfängt Kundinnen und Kunden zu Hause. Damit verlagert sich Geschäft aus klassischen Salons in kleinere, individuell organisierte Strukturen.
Die Zahlen zur Entwicklung der Branche wurden unter anderem in russischen Medienberichten zur Lage der Beauty-Dienstleister veröffentlicht. Die Angaben zur Zahl der Schließungen stammen aus Auswertungen des Analysedienstes „Kontur.Fokus“, der Unternehmens- und Risikodaten zusammenführt.
Weniger Neugründungen, mehr Geschäftsauflösungen
Für die ersten sieben Monate 2026 weist „Kontur.Fokus“ 13.000 neue Unternehmen in der Branche aus. Im Jahresvergleich entspricht das einem Rückgang von 16,1 Prozent. Den 12.300 Auflösungen steht damit nur eine geringfügig höhere Zahl an Neuanmeldungen gegenüber. Die Statistik erfasst dabei Unternehmen und nicht sämtliche Personen, die Dienstleistungen anbieten.
Die Verschiebung vom klassischen Salonmodell hin zu selbstständigen Tätigkeiten ist ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Entwicklung. Meisterinnen und Meister können ihre Kosten reduzieren, wenn sie keine eigenen Räume anmieten und kein Personal beschäftigen. In der Branche wird dieser Schritt auch als Reaktion auf die Mehrwertsteuerpflicht und die damit verbundenen zusätzlichen administrativen Anforderungen beschrieben.
Die Steuerregeln wurden Ende 2025 neu gefasst. Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete im November 2025 ein Gesetz, das den Mehrwertsteuersatz von 20 auf 22 Prozent anhob und zugleich die Umsatzgrenze für Unternehmen im vereinfachten Steuersystem absenkte. Bis dahin lag die Schwelle für die Mehrwertsteuerpflicht bei 60 Millionen Rubel.
Seit 2026 gilt eine Grenze von 20 Millionen Rubel. Ab 2027 soll sie auf 15 Millionen Rubel sinken, ab 2028 auf zehn Millionen Rubel. Unternehmen, deren Umsatz die jeweilige Schwelle erreicht, müssen Mehrwertsteuer abführen. Für kleine Salons kann dies die Kostenstruktur verändern, vor allem wenn die zusätzlichen Abgaben nicht vollständig über höhere Preise an die Kundschaft weitergegeben werden können.
Umsatz steigt, Zahl der Kassenzettel sinkt
Die verfügbaren Konsumdaten zeigen zugleich, dass ein höherer Branchenumsatz nicht mit einer stärkeren Nachfrage gleichzusetzen ist. Nach Angaben von Rosstat gaben die Menschen in Russland im Jänner und Juni 2026 insgesamt 179,6 Milliarden Rubel für Friseur- und Kosmetikdienstleistungen aus. Das waren 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Nach Berechnungen des Fiskaldatenbetreibers „Plattform OFD“ ging die Zahl der Belege in russischen Schönheitssalons von Jänner bis Juli jedoch um vier Prozent zurück. Der Medianwert eines Einkaufs stieg im selben Zeitraum um zehn Prozent auf 1.900 Rubel. Der Umsatz nahm somit zu, obwohl weniger Transaktionen registriert wurden. In der vorliegenden Auswertung wird der Anstieg vor allem mit höheren Preisen und nicht mit einer Ausweitung der Nachfrage erklärt.
Für die Betriebe bedeutet diese Entwicklung ein schwieriges Gleichgewicht. Einerseits steigen die Einnahmen pro Besuch, andererseits kommen Kundinnen und Kunden seltener oder verzichten auf teurere Anwendungen. Die Kosten für Materialien, Personal, Mieten und Abgaben bleiben dabei bestehen. Besonders kleinere Unternehmen verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, Preissteigerungen durch Produktivitätsgewinne oder größere Mengen auszugleichen.
Mieten und Materialkosten belasten Salons
Als weiterer Belastungsfaktor werden die Kosten für gewerblich genutzte Flächen genannt. Die straffe Geldpolitik der russischen Zentralbank verteuert die Finanzierung von Immobilien. Eigentümer von Geschäftslokalen versuchen, höhere Kredit- und Risikokosten teilweise über die Mieten an die Nutzer weiterzugeben. Schönheitssalons, die selbst keinen günstigen Zugang zu Finanzierung haben, sind davon unmittelbar betroffen.
Das gilt insbesondere für Betriebe in Einkaufszentren und stark frequentierten Geschäftslagen. Wenn ein Salon schließt, endet häufig auch der Mietvertrag. Die frei werdenden Flächen erhöhen den Druck auf den Einzelhandel und auf die Eigentümer der Immobilien. Gleichzeitig sind Vermieter nicht immer bereit, die Mietpreise im selben Ausmaß zu senken, in dem die Erträge der Mieter zurückgehen.
Die Branche steht zudem unter dem Einfluss der seit dem russischen Angriff auf die Ukraine geltenden Sanktionen und Handelsbeschränkungen. Direkte Lieferwege westlicher Kosmetikmarken sind nach den Angaben im vorliegenden Material eingeschränkt oder unterbrochen. Produkte von L’Oréal, Estée Lauder und Wella gelangen demnach vielfach über Drittstaaten und parallele Importkanäle auf den russischen Markt. Das erhöht die Beschaffungskosten und erschwert eine verlässliche Versorgung mit professionellen Produkten und Verbrauchsmaterialien.
Selbstständige Anbieter können leichter auf günstigere Produkte aus asiatischen Märkten ausweichen. Für etablierte Salons mit festgelegten Qualitäts- und Servicestandards ist eine solche Anpassung nicht in jedem Fall möglich. Die Preisunterschiede zwischen unabhängigen Meistern und stationären Betrieben können dadurch größer werden.
Strukturwandel im legalen Markt
Die Kombination aus weniger Neugründungen, mehr Auflösungen und einer Verlagerung in selbstständige Tätigkeiten verändert die Struktur des legalen Marktes. Ein Teil der Nachfrage bleibt bei einzelnen Meistern, während Unternehmen mit Räumlichkeiten und Beschäftigten höhere laufende Kosten tragen. Die vorliegenden Daten belegen jedoch nicht, in welchem Umfang Tätigkeiten in die informelle Wirtschaft abwandern oder wie sich die Steuereinnahmen konkret entwickeln.
Fest steht, dass die Zahl der registrierten Geschäftsauflösungen in der Beauty-Branche in den ersten sieben Monaten 2026 auf 12.300 gestiegen ist. Zugleich wurden 13.000 neue Unternehmen registriert, 16,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Umsatz- und Belegdaten zeigen parallel einen Markt mit höheren Preisen und weniger registrierten Besuchen. Die Entwicklung wird in Russland weiter anhand von Unternehmens-, Steuer- und Konsumdaten beobachtet.


