Das Symphonieorchester der US-Stadt Annapolis im Bundesstaat Maryland plant für den 6. und 7. November 2026 zwei Konzerte mit dem russischen Geiger Wadim Repin. Die unter dem Titel „Forces of Nature“ angekündigten Auftritte sollen in der Maryland Hall stattfinden. Repin steht seit Jahren in Verbindung mit kulturellen Projekten russischer staatlicher Stellen und hat öffentlich Veranstaltungen unterstützt, die im Zusammenhang mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine stehen.
Auf der Website des Orchesters wird das Konzert als gemeinsames Programm mit dem lokalen Ensemble und dem russischen Solisten angekündigt. Als Unterstützer werden dort der Maryland State Arts Council und der Arts Council of Anne Arundel County genannt. Die Ankündigung der Konzerte „Forces of Nature“ führt neben Repin auch das musikalische Programm und die Termine in der Maryland Hall an.
Ukrainische Botschaft fordert Überprüfung
Die geplanten Auftritte haben in der Ukraine Kritik ausgelöst. Die ukrainische Botschaft in den Vereinigten Staaten forderte das Orchester nach Angaben des ukrainischen Nachrichtenportals Ukrinform auf, die Zusammenarbeit mit Repin zu beenden und die Konzerte abzusagen. Die Aufforderung der ukrainischen Botschaft bezieht sich auf Repins öffentliche Nähe zu russischen staatlichen Kulturstrukturen und seine Beteiligung an Veranstaltungen mit Bezug zum Krieg.
Repin ist nicht nur als international auftretender Musiker tätig. Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine erhielt seine Stiftung für die Entwicklung der Künste Finanzierung vom russischen „Präsidentenfonds für kulturelle Initiativen“. Später trat der Geiger bei einem Konzert auf, das von einer kremlnahen Stiftung zur Würdigung russischer Teilnehmer am Krieg organisiert worden war. Die Veranstaltung stellte diese Teilnehmer als „große Verteidiger“ Russlands dar.
Damit ist die geplante Einladung in einen institutionellen Zusammenhang eingebettet, der über die künstlerische Zusammenarbeit mit einem Solisten hinausgeht. Repins Projekte wurden von staatlichen russischen Kulturstellen unterstützt. Zugleich nahm er an Veranstaltungen teil, die der öffentlichen Unterstützung für Russlands Kriegspolitik dienten. Eine strikte Trennung zwischen künstlerischer Tätigkeit und politischem Umfeld lässt sich in diesem Fall daher nicht allein mit dem Konzertformat begründen.
Frühere Absagen in Europa und den USA
Mehrere westliche Kulturinstitutionen haben bereits zuvor auf Repins Verbindungen zu russischen staatlichen Strukturen und seine Unterstützung für den Kreml reagiert. Der Philharmonische Orchester Mannheim in Deutschland, das Ungarische Nationale Philharmonische Orchester und das Palm Beach Symphony Orchestra im US-Bundesstaat Florida sagten Auftritte des russischen Geigers ab, die ursprünglich geplant gewesen waren.
Diese Entscheidungen betrafen jeweils die Zusammenarbeit mit Repin und nicht allgemein die Aufführung russischer Musik. Im Mittelpunkt standen seine konkreten Verbindungen zu staatlich unterstützten Kulturprojekten sowie seine Teilnahme an Veranstaltungen im Umfeld der russischen Kriegsunterstützung. Die Absagen zeigen zugleich, dass westliche Ensembles bei der Auswahl russischer Künstler unterschiedliche Maßstäbe anwenden.
Auch das Symphonieorchester von Annapolis hatte Repin bereits aus einem Programm genommen. Im Jahr 2022 ersetzte der Klangkörper seinen damals vorgesehenen Auftritt durch eine musikalische Würdigung der Ukraine. Der Schritt erfolgte nach Beginn der russischen Vollinvasion und wurde als Zeichen der Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung verstanden. Nun soll Repin erneut gemeinsam mit dem Orchester in der Maryland Hall auftreten.
Politische Verbindungen im familiären Umfeld
Auch Repins Ehefrau, die Balletttänzerin und Rektorin der Moskauer Akademie für Choreografie Swetlana Sacharowa, ist in die russische staatliche und politische Kulturstruktur eingebunden. Sie gehört seit 2007 der Regierungspartei Einiges Russland an. Im März 2014 unterzeichnete Sacharowa einen offenen Brief zur Unterstützung der Außenpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin und der russischen Militärintervention in der Ukraine.
Seit 2018 ist Sacharowa Mitglied des Rates beim Präsidenten der Russischen Föderation für Kultur und Kunst. Ihre politische und institutionelle Tätigkeit ergänzt damit das Bild eines Umfelds, in dem kulturelle Arbeit und staatliche Repräsentation eng miteinander verbunden sind. Die Angaben betreffen konkrete Funktionen, Mitgliedschaften und öffentliche Stellungnahmen.
Der Fall Annapolis berührt deshalb auch die Frage, wie US-amerikanische Kulturinstitutionen mit Künstlern umgehen, deren Projekte von russischen Staatsstellen finanziert wurden oder die bei Veranstaltungen zugunsten der russischen Kriegsführung aufgetreten sind. Der professionelle Rang eines Musikers beantwortet diese Frage nicht automatisch. Für die Veranstalter stehen neben der künstlerischen Planung auch die Auswahl ihrer Partner und die öffentliche Einordnung eines solchen Auftritts im Raum.
Maryland Hall und das Symphonieorchester von Annapolis haben die beiden Konzerte für den 6. und 7. November angekündigt. Eine Änderung des Programms oder eine Absage wurde in den vorliegenden Angaben nicht mitgeteilt.


