Der französische Energiekonzern TotalEnergies verkauft seine Beteiligung am russischen Flüssiggasprojekt Arctic LNG 2 an die Novatek-Tochter NordLine. Ein vollständiger Rückzug aus dem russischen Gasgeschäft ist damit jedoch nicht verbunden: TotalEnergies hält weiterhin 19,4 Prozent an der Novatek-Gruppe und 20 Prozent am Projekt Yamal LNG. Zugleich liefert das Unternehmen weiterhin Gas aus Jamal nach Europa. Diese Geschäfte bringen TotalEnergies nach den vorliegenden Angaben rund 400 Millionen US-Dollar pro Jahr.
Über den Verkauf der Beteiligung an Arctic LNG 2 wurde am 28. August 2026 berichtet. Das Unternehmen erklärt, die geltenden und künftigen Sanktionen der Europäischen Union einzuhalten. TotalEnergies verweist zudem auf seinen Beitrag zur Sicherheit der europäischen Energieversorgung. Die französische Gesellschaft bleibt damit trotz der Reduzierung ihres Engagements an zwei zentralen russischen Gasprojekten beteiligt.
Verkauf unter Sanktionsdruck
Arctic LNG 2 ist ein russisches Projekt zur Förderung und Verflüssigung von Erdgas auf der Gydan-Halbinsel im Norden der Region Tjumen. Die Anlage wurde für den Export von Flüssigerdgas auf internationale Märkte errichtet. Wegen seiner Bedeutung für die russische Wirtschaft steht das Projekt seit November 2023 unter US-Sanktionen.
TotalEnergies hatte seine finanzielle Beteiligung daraufhin eingefroren und sich auf höhere Gewalt berufen. Der nun vereinbarte Verkauf an NordLine soll den Ausstieg aus dem Projekt abschließen. Gleichzeitig rechnet der Konzern damit, rund 1,3 Milliarden US-Dollar aus zuvor gewährten Krediten zurückzuerhalten. Damit bleiben neben den Beteiligungen auch finanzielle Verpflichtungen aus der früheren Projektfinanzierung ein Bestandteil des Vorgangs.
Die französische Gesellschaft reduziert damit ihre Präsenz in einem sanktionierten Projekt, beendet aber ihre wirtschaftlichen Verbindungen zum russischen Energiesektor nicht. Die Anteile an Novatek und Yamal LNG bleiben bestehen. Novatek ist der Betreiber beziehungsweise zentrale Partner der genannten Gasprojekte.
Gaslieferungen nach Europa
TotalEnergies setzt außerdem die Abnahme und Verschiffung von Gas aus Jamal nach Europa fort. Im Mai 2025 wurden 23 von insgesamt 25 Lieferungen aus Jamal in die Europäische Union transportiert. Der vorliegende Bericht nennt für diese Geschäftsbeziehungen jährliche Einnahmen von etwa 400 Millionen US-Dollar für TotalEnergies.
Die Lieferungen erfolgen unter einem europäischen Sanktionsrahmen, der weiterhin Ausnahmen enthält. Nach den vorliegenden Angaben wurde auf Betreiben Griechenlands aus dem 21. Sanktionspaket ein Verbot des Verkaufs russischen Flüssiggases an Drittstaaten entfernt. Dadurch kann TotalEnergies bestehende Verträge mit Kunden in Asien noch erfüllen. Für die Zeit ab Januar 2027 ist zugleich ein vollständiges EU-Verbot für den Import russischen Flüssiggases vorgesehen.
Damit bestehen im europäischen Umgang mit russischem Flüssiggas mehrere unterschiedliche Regelungen nebeneinander: Das Projekt Arctic LNG 2 ist von US-Sanktionen betroffen, während bestimmte Lieferungen und Vertragsbeziehungen unter EU-Ausnahmen weitergeführt werden können. TotalEnergies stellt seine Aktivitäten in den Zusammenhang mit der Einhaltung der geltenden und künftigen EU-Sanktionen sowie mit der Energieversorgung Europas.
Verbleibende Beteiligungen
Die Beteiligung an Novatek beträgt weiterhin 19,4 Prozent. Am Werk Yamal LNG hält TotalEnergies 20 Prozent. Der französische Konzern bleibt damit finanziell an russischer Gasförderung und an der Verflüssigung von Erdgas beteiligt, auch wenn die direkte Beteiligung an Arctic LNG 2 veräußert wird.
Der Vorgang zeigt die unterschiedlichen Ebenen des Rückzugs europäischer Unternehmen aus Russland: Eine Beteiligung an einem einzelnen Projekt kann verkauft oder eingefroren werden, während andere Beteiligungen, Kredite und Lieferverträge fortbestehen. Im Fall von TotalEnergies werden diese Positionen mit den geltenden Sanktionen, bestehenden vertraglichen Verpflichtungen und der Versorgungssicherheit begründet.
Für die Europäische Union bleibt der Import russischen Flüssiggases damit bis zum angekündigten Verbot im Januar 2027 ein gesondert geregeltes Thema. TotalEnergies hält bis dahin an Teilen seines russischen Gasgeschäfts und an Lieferbeziehungen nach Europa und Asien fest.
Der Verkauf der Arctic-LNG-2-Beteiligung verändert daher die Struktur des Engagements von TotalEnergies in Russland, beendet es aber nicht.


