Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete Ende August über eine Cyberkampagne der russischsprachigen Hackergruppe „Aur0ra“, bei der der KI-gestützte Code-Editor Cursor eingesetzt worden sein soll. In von Reuters ausgewerteten Chat-Protokollen tauchte dabei auch der deutsche Türen- und Torhersteller Teckentrup auf. Das Unternehmen widerspricht der Darstellung eines erfolgreichen Cyberangriffs jedoch ausdrücklich.
Reuters berichtete am 27. August 2026, die Hacker hätten Cursor genutzt, um technische Schritte ihrer Angriffe zu unterstützen und teilweise zu automatisieren. Grundlage der Recherche waren unter anderem Chat-Protokolle von einem öffentlich zugänglichen Server, der nach Angaben des Cybersicherheitsunternehmens Gambit Security der Gruppe Aur0ra zugeordnet wurde.
Neben Unternehmen in Belgien, Schottland, Italien, Argentinien und den USA identifizierte Reuters in den ausgewerteten Daten auch Teckentrup. Der deutsche Hersteller erklärte am folgenden Tag jedoch, dass es keinen entsprechenden erfolgreichen Cyberangriff auf das Unternehmen gegeben habe.
Reuters identifizierte Teckentrup in Chat-Protokollen
Nach Angaben von Reuters hatten weder Gambit Security noch das ebenfalls mit dem Fall befasste Sicherheitsunternehmen CloudSek die Namen der betroffenen Unternehmen veröffentlicht. Reuters identifizierte mehrere Firmen selbst anhand von Teilen der Chat-Daten.
Im Fall von Teckentrup berichtete die Nachrichtenagentur, dass in den Protokollen ein als verwundbar eingestufter Host innerhalb des Unternehmensnetzwerks erwähnt worden sei. Der verwendete KI-Agent habe daraufhin den Einsatz eines bekannten Angriffswerkzeugs empfohlen.
Reuters wies zugleich darauf hin, dass sich nicht unabhängig feststellen ließ, in welchem Umfang die einzelnen Angriffe tatsächlich durch den KI-Agenten ermöglicht wurden. Ebenso blieb laut Reuters offen, ob jeder der beschriebenen Vorgänge zu einem Abfluss von Daten oder zu einem Erpressungsversuch führte.
Damit lässt sich aus den von Reuters beschriebenen Protokollen allein nicht ableiten, dass bei jedem genannten Unternehmen Daten entwendet oder Lösegeldforderungen gestellt wurden.
Teckentrup weist erfolgreichen Hackerangriff zurück
Teckentrup veröffentlichte am 28. August 2026 eine Stellungnahme und widersprach Berichten, wonach das Unternehmen Opfer eines entsprechenden Hackerangriffs geworden sei.
Nach Angaben des Unternehmens gab es weder einen solchen erfolgreichen Cyberangriff noch Lösegeldforderungen oder Zahlungen. Auch Kundendaten seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen oder abgegriffen worden.
Teckentrup erklärte zudem, seine IT-Infrastruktur werde durch mehrstufige Sicherheitsmaßnahmen geschützt und kontinuierlich überwacht. Das Unternehmen weist insbesondere die Darstellung zurück, wonach die Gruppe Aur0ra erfolgreich in seine Systeme eingedrungen und anschließend gegen Teckentrup mit Ransomware oder Erpressungsforderungen vorgegangen sei.
Damit stehen sich in diesem Punkt die Ergebnisse der von Reuters ausgewerteten Chat-Protokolle und die ausdrückliche Darstellung des Unternehmens gegenüber.
Was über die Aur0ra-Kampagne bekannt ist
Gambit Security war nach eigenen Angaben auf die Aktivitäten von Aur0ra gestoßen, nachdem ein Server der Gruppe im Internet zugänglich gewesen sei. Dort fanden die Sicherheitsforscher zahlreiche Unterhaltungen zwischen den Angreifern und einem KI-Agenten von Cursor.
Die Hacker sollen versucht haben, Sicherheitsmechanismen des Systems zu umgehen, indem sie ihre Anweisungen als Teil einer Simulation oder eines autorisierten Tests darstellten. Auf diese Weise konnte der KI-Agent nach Darstellung der Sicherheitsforscher bei verschiedenen technischen Schritten unterstützen.
Die Protokolle zeigten unter anderem Anweisungen zur Suche nach Zugangsdaten, zur Analyse von Systemen und zur Ausnutzung von Sicherheitslücken.
CloudSek ging nach Auswertung der Daten davon aus, dass Aur0ra insgesamt mindestens 20 mögliche Opfer für sich reklamiert hatte. Wie viele davon tatsächlich mithilfe des KI-Systems kompromittiert wurden und welchen Umfang einzelne Vorfälle hatten, blieb jedoch offen.
KI beschleunigt Cyberangriffe
Der Fall zeigt zugleich, wie generative KI und autonome Software-Agenten auch für Cyberangriffe eingesetzt werden können. Werkzeuge, die ursprünglich Entwickler bei Programmierung, Fehlersuche und Systemadministration unterstützen sollen, können bei einer erfolgreichen Umgehung ihrer Schutzmechanismen auch von Angreifern missbraucht werden.
Nach Einschätzung der von Reuters befragten Sicherheitsexperten können solche Systeme einzelne Arbeitsschritte deutlich beschleunigen. Sie ersetzen dabei nicht zwangsläufig die Angreifer, können jedoch die Suche nach Schwachstellen, die technische Analyse und weitere Schritte automatisieren.
Die Sicherheitsanbieter wiederum versuchen, entsprechende Schutzmechanismen weiterzuentwickeln. Dadurch entsteht ein fortlaufender Wettbewerb zwischen den Anbietern von KI-Systemen und Akteuren, die versuchen, deren Sicherheitsregeln zu umgehen.
Redaktioneller Hinweis, 7. Oktober 2026: Dieser ursprünglich am 30. August 2026 veröffentlichte Beitrag wurde aktualisiert. Die Stellungnahme von Teckentrup wurde ergänzt und die Darstellung der Reuters-Recherche präzisiert. Formulierungen zu einem erfolgreichen Cyberangriff, möglichen wirtschaftlichen Schäden und einem Abfluss von Kundendaten bei Teckentrup wurden entfernt beziehungsweise angepasst, soweit diese nicht unabhängig belegt waren.


