Leif-Erik Holm will die AfD bei der kommenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zur stärksten Kraft machen und eine alleinige Regierung der Partei ermöglichen. Der langjährige Landespolitiker strebt in diesem Fall das Amt des Ministerpräsidenten an. Im Mittelpunkt seiner politischen Positionen stehen eine Rückkehr zu wirtschaftlichen und energiepolitischen Beziehungen mit Russland, die Wiederaufnahme russischer Gasimporte und eine scharfe Ablehnung der Energiewende.
Holm ist das prägende Gesicht der AfD im Nordosten Deutschlands. Seine Forderungen nach einer Normalisierung der Beziehungen zu Moskau bringen ihn jedoch regelmäßig in die Kritik. Gegner werfen ihm und der gesamten Partei eine zu große Nähe zur autoritären Führung Russlands vor. Wiederholt musste sich Holm außerdem gegen den Vorwurf verteidigen, die AfD könne wegen ihrer Kontakte und ihrer politischen Ausrichtung ein Risiko für die deutsche Sicherheitsarchitektur und den Umgang mit vertraulichen Informationen darstellen.
Nord Stream und russisches Gas
Holm unterstützte über Jahre den Bau der Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2. Auch nach dem Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 rückte er nicht von der Forderung ab, russisches Pipelinegas wieder zu nutzen. Seine Argumentation passte er lediglich sprachlich an. Auf Fragen nach einer energiepolitischen Zusammenarbeit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verwies er sinngemäß darauf, es gehe nicht um einzelne Personen, sondern um nationale Interessen.
Damit trennte Holm die Beschaffung von Erdgas aus Russland von der Verantwortung Russlands für den Krieg gegen die Ukraine. In einer Erklärung des AfD-Landesverbands aus dem Jahr 2022 wurden die russischen Handlungen zwar als „nicht zu rechtfertigende Verletzung des Völkerrechts“ bezeichnet. Zugleich hieß es, die AfD habe sich „wie niemand sonst“ dafür eingesetzt, die „legitimen Sicherheitsinteressen Russlands“ ernst zu nehmen. Diese Formulierung entsprach jener Darstellung, wonach die NATO und westliche Staaten eine Bedrohung für Russland darstellten.
Im weiteren Verlauf kritisierte Holm nach Darstellung seiner politischen Gegner wiederholt die Sanktionspolitik der Europäischen Union gegen Russland und forderte eine Wiederaufnahme wirtschaftlicher und energiepolitischer Zusammenarbeit. Die Position ist in Mecklenburg-Vorpommern mit der grundsätzlichen Ablehnung der deutschen Energiewende verbunden.
Angriffe auf Windkraft und Energiewende
Im laufenden Wahlkampf konzentrieren sich Holm und die AfD im Land auf eine harte Kampagne gegen Windkraftanlagen. Sie sprechen von „Windmühlen der Schande“ und von „Windwahnsinn“. Die Partei verspricht, den weiteren Ausbau der Windenergie zu stoppen und die Energiewende in ihrer bisherigen Form zurückzunehmen.
In Mecklenburg-Vorpommern erzeugt die Windkraft bereits mehr als die Hälfte jener Strommenge, die im Bundesland verbraucht wird. Holm und andere AfD-Politiker präsentieren sich dennoch als Vertreter jener Bürger, die Windräder als Bedrohung der „schönen ländlichen Heimat“ oder als „Experiment auf dem Rücken der Bevölkerung“ betrachten.
Als Alternative nennt die AfD unter anderem die Rückkehr zu russischem Erdgas. Darüber hinaus verlangt sie, staatliche Unterstützung für Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien abzuschaffen. Auch Kohle und Atomkraft sollen nach den Forderungen der Partei wieder eine größere Rolle spielen.
Umgang mit rechtsextremen Parteikontakten
Holm wird außerdem regelmäßig gefragt, ob die AfD ausreichend klar mit Mitgliedern umgeht, die eine rechtsextreme Vergangenheit haben oder Verbindungen zu extremistischen Jugendorganisationen unterhalten. Journalisten warfen der Führung des Landesverbands in Mecklenburg-Vorpommern wiederholt vor, über solche Kontakte hinwegzusehen. Holm musste sich gegen diese Kritik mehrfach erklären.
Ein weiterer Konflikt betrifft den Vorwurf des Nepotismus innerhalb der AfD. Medienberichte und Recherchen von ZDF Frontal, Zeit, Stern und Deutschlandfunk aus den Jahren 2025 und 2026 dokumentierten demnach eine Praxis, bei der Parteimitglieder Angehörige gegenseitig auf gut bezahlte Stellen in Bundestag, Landtagen oder Parteistrukturen brachten.
Das deutsche Recht untersagt Abgeordneten, den eigenen Ehepartner, die eigenen Kinder oder nahe Angehörige direkt aus dem parlamentarischen Budget für Mitarbeiter einzustellen. Eine Anstellung durch einen Parteikollegen ist davon jedoch nicht in gleicher Weise erfasst. AfD-Abgeordnete konnten Angehörige daher formal im Rahmen der geltenden Regeln beschäftigen. Kritiker sehen darin dennoch eine Umgehung des Sinns der Vorschriften.
Die Debatte über diese Personalentscheidungen löste in der deutschen Zivilgesellschaft deutliche Reaktionen aus. Holm forderte nach den vorliegenden Angaben eine genaue Prüfung jedes Einzelfalls, um Transparenz zu gewährleisten. Gleichzeitig wird ihm als langjährigem Co-Vorsitzenden des AfD-Landesverbands in Mecklenburg-Vorpommern politische Verantwortung für jene innerparteiliche Atmosphäre zugeschrieben, in der gegenseitige Beschäftigungen von Angehörigen zur gängigen Praxis geworden sein sollen.
In den Berichten werden neben der AfD-Bundestagsfraktion auch Parteistrukturen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen und Baden-Württemberg genannt. Für die AfD ist der Streit besonders unangenehm, weil sie sich selbst als Gegenmodell zum politischen Establishment darstellt.
Migration als weiteres Wahlkampfthema
Holm tritt außerdem mit zugespitzten Positionen zu Migration und Identitätspolitik auf. Seine Gegner werfen ihm rechtspopulistische Forderungen nach geschlossenen Grenzen, einer eigenen Grenzpolizei und verstärkten Abschiebungen vor. Dazu kommen Forderungen nach einer restriktiveren Asylpolitik und nach dem Ende erleichterter Einbürgerungen.
Die Kritik lautet, Holm ziele damit vor allem auf jene Wählergruppe, die Migration grundsätzlich ablehnt, anstatt konkrete Verbesserungen in der deutschen Flüchtlingspolitik vorzuschlagen. Seine Befürworter stellen dagegen die Themen Energiepreise, Versorgungssicherheit, Migration und nationale Interessen in den Vordergrund des AfD-Wahlkampfs.
Holms politische Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern verbindet damit mehrere für die AfD zentrale Themen: die Rückkehr zu russischem Gas, die Ablehnung von Windkraft und erneuerbaren Energien, eine restriktive Migrationspolitik sowie die Abgrenzung vom etablierten Parteiensystem. Ob diese Positionen für einen Wahlerfolg und eine alleinige Regierungsbildung ausreichen, wird sich bei der kommenden Landtagswahl entscheiden.


