Russlands Kohleunternehmen Severny Kusbass schuldet 1.700 Bergleuten seit Monaten Löhne

September 1, 2026 14:55
Russlands Kohleunternehmen Severny Kusbass schuldet 1.700 Bergleuten seit Monaten Löhne
Russlands Kohleunternehmen Severny Kusbass schuldet 1.700 Bergleuten seit Monaten Löhne

Das russische Kohleunternehmen Severny Kusbass schuldet mehr als 1.700 Beschäftigten seit Oktober 2025 ihre Löhne. Die ausstehenden Zahlungen haben nach Angaben der Bergleute inzwischen 0,5 Milliarden Rubel überschritten. Die Arbeiter wandten sich in einer Videobotschaft an Kandidaten für die russische Staatsduma und forderten ein Eingreifen in den Konflikt.

Über die ausbleibenden Lohnzahlungen berichteten russische Medien am 31. August 2026. In der Videobotschaft der Beschäftigten von Severny Kusbass heißt es, Versprechen des Gouverneurs des Gebiets Kemerowo, Ilja Seredjuk, hätten keine Lösung gebracht. Auch die Strafverfahren, die wegen der nicht ausgezahlten Löhne eingeleitet wurden, hätten an der Situation nichts geändert.

Ausstehende Löhne seit Herbst 2025

Severny Kusbass fördert Kohle in den Bergwerken Perwomaiskaja und Berjosowskaja. Zum Unternehmen gehören außerdem eine Aufbereitungsanlage sowie Dienstleistungs- und Transportunternehmen. Die finanziellen Schwierigkeiten und die Probleme bei der Auszahlung der Löhne sind seit Herbst 2025 bekannt.

Im Mai 2026 teilte das russische Untersuchungskomitee mit, dass die Lohnschulden des Unternehmens mehr als 256 Millionen Rubel betrugen. Inzwischen nennen die Beschäftigten eine Summe von über 0,5 Milliarden Rubel. Die Zahl der betroffenen Arbeiter wird mit mehr als 1.700 angegeben. Die Bergleute erklärten, sie warteten seit Monaten auf ihr Einkommen und bäten die Kandidaten für die Staatsduma, die Angelegenheit aufzugreifen.

Die Beschäftigten verwiesen in ihrem Appell auf bereits abgegebene Zusagen der regionalen Behörden. Eine Lösung sei dennoch ausgeblieben. Die Berichte über die Lohnrückstände bei Severny Kusbass ordnen den Fall in die anhaltenden Schwierigkeiten der Kohlewirtschaft im Gebiet Kemerowo ein.

Kohlebranche in Kemerowo unter Druck

Nach offiziellen Angaben arbeiten 80 Prozent der Kohleunternehmen im Gebiet Kemerowo mit Verlust. Gouverneur Seredjuk sagte, die Krise dauere bereits seit vier Jahren an. „Zuerst haben wir gewartet und ausgehalten, jetzt wird es unerträglich“, erklärte er. Nach seinen Angaben wurden in der Region 18 Kohleunternehmen geschlossen. Sechs oder sieben davon seien „unwiderruflich verloren“.

Seredjuk erklärte im April außerdem, 33 Kohleunternehmen des Kusbass befänden sich in einer „roten Zone“. Zugleich sei die Kohleförderung auf das Niveau des Jahres 2011 gefallen. Als Gründe für die Entwicklung nannte der Gouverneur internationale Sanktionen, Absatzprobleme, steigende Kosten des Bergbaus und höhere Eisenbahntarife.

Die Probleme haben sich nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine verschärft. Die Kohlebranche verlor nach den vorliegenden Angaben wichtige Absatzmöglichkeiten. Sanktionen und veränderte Handelsströme belasteten die Unternehmen zusätzlich. Für die Betriebe im Kusbass kamen höhere Kosten für Förderung und Transport hinzu.

Transportkosten und Absatzmärkte

Eine zentrale Belastung sind die gestiegenen Tarife der Russischen Eisenbahnen. Hinzu kommt die begrenzte Kapazität wichtiger Bahnverbindungen in Richtung Osten, darunter der Baikal-Amur-Magistrale und der Transsibirischen Eisenbahn. Dadurch verteuert sich der Transport zu den asiatischen Märkten.

Russische Kohle verliert dort nach der in den vorliegenden Angaben beschriebenen Entwicklung an Wettbewerbsfähigkeit. Hohe Frachtkosten und notwendige Preisnachlässe schmälern die Einnahmen der Unternehmen. Lieferungen können dadurch nur noch geringe Margen erzielen oder wirtschaftlich unrentabel werden. Nach dem Verlust des europäischen Marktes bleibt den russischen Kohleproduzenten damit vor allem die östliche Transportrichtung, deren Kapazitäten und Kosten zugleich zu den Problemen zählen.

Die wirtschaftliche Lage der Branche zeigt sich nach Angaben aus der Region nicht nur in den Bilanzen der Unternehmen. Die Schließung von 18 Betrieben und die Einstufung von 33 weiteren Unternehmen in die „rote Zone“ betreffen auch die Beschäftigten in den Bergbaustädten des Kusbass. Für die Arbeiter von Severny Kusbass geht es dabei zunächst um die seit Oktober 2025 ausstehenden Löhne.

Behörden und Strafverfahren

Der Fall Severny Kusbass beschäftigt die regionalen Behörden bereits seit dem vergangenen Jahr. Die Einleitung von Strafverfahren wegen der Lohnrückstände wurde bekannt, ohne dass die Schulden dadurch beglichen wurden. Auch die vom Gouverneur genannten Zusagen führten nach Darstellung der Beschäftigten nicht zu einer Auszahlung.

Die Bergleute richteten ihren Appell deshalb an die Kandidaten für die Staatsduma. Sie verlangten, dass die Verantwortlichen auf die ausstehenden Zahlungen reagieren und eine Lösung für die betroffenen Beschäftigten herbeiführen. Eine weitere konkrete Maßnahme der Behörden wurde in den vorliegenden Berichten nicht genannt.

Die Zahlen aus dem Gebiet Kemerowo stehen damit nebeneinander: 80 Prozent der Kohleunternehmen arbeiten nach offiziellen Angaben mit Verlust, 18 Betriebe wurden geschlossen, bei 33 Unternehmen wird von einer „roten Zone“ gesprochen, und die Förderung ist auf den Stand von 2011 zurückgefallen. Bei Severny Kusbass warten mehr als 1.700 Beschäftigte auf Löhne, während die genannte Schuld inzwischen über 0,5 Milliarden Rubel liegt.

Die Beschäftigten haben in ihrer Videobotschaft keine neue Frist für die Auszahlung genannt. Die Lohnfrage bei Severny Kusbass bleibt damit offen.

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