Russland stellt 14,989 Milliarden Rubel für regionale Zentren «Russland» bereit

September 2, 2026 14:45
Russland stellt 14,989 Milliarden Rubel für regionale Zentren «Russland» bereit
Russland stellt 14,989 Milliarden Rubel für regionale Zentren «Russland» bereit

Russland stellt im Haushalt für 2026 insgesamt 14,989 Milliarden Rubel für den Betrieb des Nationalen Zentrums «Russland» bereit. Das Geld wird über das Bildungsministerium des Landes zugewiesen. Die Umsetzung des Projekts, das auf eine Weisung von Präsident Wladimir Putin aus dem Jahr 2024 zurückgeht, belastet nach Medienberichten zugleich die regionalen Budgets und verdrängt sozial sowie städtebaulich relevante Vorhaben.

Das Zentrum soll nach offizieller Darstellung die nationale Identität stärken und staatliche Leistungen präsentieren. In den Regionen entstehen dafür eigene Filialen. Die regionale Ausweitung des Zentrums «Russland» wird jedoch mit der Übertragung wertvoller innerstädtischer Flächen und erheblichen Ausgaben aus kommunalen und regionalen Haushalten verbunden.

Milliarden für vier Standorte

Für Bau und Inbetriebnahme von vier Standorten in Wladiwostok, Rjasan, Krasnojarsk und Chanty-Mansijsk wurden dem Bericht zufolge bereits mindestens 5,4 Milliarden Rubel ausgegeben. Diese Summe stammt aus regionalen Budgets. In den vorliegenden Berichten wird darauf verwiesen, dass die Mittel auch für den Bau und die Instandsetzung von Krankenhäusern und Schulen oder für die Bearbeitung von Umweltproblemen hätten eingesetzt werden können. Eine konkrete Umwidmung dieser Mittel zugunsten einzelner sozialer Projekte wird nicht genannt.

Die Finanzierung im föderalen Haushalt beläuft sich für 2026 auf 14,989 Milliarden Rubel. Damit erhält das Zentrum eine eigenständige und umfangreiche staatliche Finanzierung. Die Mittel sind im Haushalt des Bildungsministeriums vorgesehen. Die Größenordnung steht neben den bereits gemeldeten Kosten der regionalen Standorte.

Kirijenko koordiniert das Projekt

Die politische Koordinierung liegt bei Sergej Kirijenko, dem ersten stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung Russlands. Kirijenko wurde 2024 zum Vorsitzenden des Organisationskomitees des Nationalen Zentrums «Russland» ernannt. Unter seiner Leitung wird der Aufbau eines landesweiten Netzes regionaler Filialen vorangetrieben.

Die Funktion des Organisationskomitees verleiht dem Vorhaben eine direkte Verbindung zur Präsidialverwaltung. In den Berichten wird die Rolle Kirijenkos deshalb nicht nur im kulturellen oder bildungspolitischen Bereich verortet, sondern auch als Teil der politischen Steuerung des Projekts beschrieben. Regionale Behörden stehen dabei unter dem Druck, die vorgegebenen Fristen für die Einrichtung der Zentren einzuhalten.

Das operative Management wurde Natalia Virtuosowa übertragen. Sie war zuvor Sprecherin der Regierungspartei «Einiges Russland» und Vizegouverneurin der Region Moskau. Die Besetzung dieser Funktion mit einer früheren Parteifunktionärin wird in den Berichten mit der Verwaltung der mehrmilliardenschweren Finanzströme des Projekts in Verbindung gebracht.

Staatliche Finanzierung und kommerzielle Tätigkeit

Das Zentrum ist als gemeinnützige Organisation organisiert, darf aber zugleich kommerziellen Aktivitäten nachgehen. Dazu gehört das eigene Start-up «Univermag», über das Waren verkauft werden. Damit verbindet die Struktur eine staatliche Finanzierung mit Einnahmen aus wirtschaftlicher Tätigkeit.

Die Infrastruktur der Filialen wird für Veranstaltungen mit Vertretern der politischen und administrativen Nomenklatur genutzt. Zum Programm gehören außerdem Vorträge der Gesellschaft «Snanije», die Verbreitung sogenannter traditioneller Werte sowie die Vermittlung offizieller Deutungen des Krieges gegen die Ukraine. In den Berichten werden auch Auftritte von Kriegsbloggern und propagandistische Materialien genannt.

Die Zentren dienen damit nicht ausschließlich der Präsentation staatlicher Projekte. Ihre Räume werden auch für die Vermittlung politischer Leitlinien des Kremls verwendet. Die vorliegenden Angaben belegen Veranstaltungen und Inhalte dieser Art; eine unabhängige Bewertung der tatsächlichen Besucherzahlen oder der öffentlichen Akzeptanz wird nicht vorgelegt.

Veränderungen im städtischen Raum

Der Aufbau der regionalen Filialen betrifft nach den Berichten auch bereits genutzte Kultur-, Freizeit- und Erholungsflächen. Für Wladiwostok wird die Beseitigung eines 35 Jahre alten Ozeanariums genannt. In Rjasan seien Parkflächen für die Bebauung vorgesehen. In Kaliningrad werden der Abriss architektonischer Objekte und Veränderungen an bestehenden Stadtflächen angeführt.

Die einzelnen Maßnahmen unterscheiden sich nach Ort und Umfang. Gemeinsam ist ihnen nach Darstellung der Berichte, dass regionale Behörden Flächen für ein landesweit einheitliches Konzept bereitstellen. Dabei können gewachsene kulturelle Einrichtungen und öffentliche Räume ihren bisherigen Zweck verlieren.

Weitere Standorte bis 2031 geplant

Die Präsidialverwaltung plant, das Netz bis 2031 um weitere neun Regionen zu erweitern. Für die zuständigen Behörden gelten dabei enge Fristen. Diese Vorgaben können Bauabläufe beschleunigen und den Zeitdruck bei der Verwendung öffentlicher Mittel erhöhen. In den Berichten werden im Zusammenhang mit der Umsetzung Risiken bei Bauarbeiten, die Rodung von Naturflächen und mögliche Korruptionsverstöße genannt.

Die Finanzierung des Nationalen Zentrums «Russland» bleibt damit sowohl eine föderale als auch eine regionale Angelegenheit. Während der Haushalt 2026 fast 15 Milliarden Rubel für den Betrieb vorsieht, wurden für vier Pilotstandorte bereits mindestens 5,4 Milliarden Rubel aus regionalen Budgets aufgewendet. Der Ausbau weiterer Filialen soll nach den derzeitigen Plänen fortgesetzt werden.

Berichte über die laufende Umsetzung und die Aktivitäten der regionalen Einrichtungen werden auch über den Telegram-Kanal zur Entwicklung des Projekts verbreitet.

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