Maßnahmen zur Unterstützung pflegender Angehöriger in Oberösterreich
Anlässlich des Tags der pflegenden Angehörigen präsentierten Soziallandesrat Christian Dörfel und Vertreter der Caritas am Dienstag in Linz neue Programme zur Unterstützung der rund 40.000 Menschen über 65 Jahre, die in Oberösterreich zu Hause gepflegt werden.
Von den circa 58.000 Pflegegeldbeziehern in dieser Altersgruppe leben 40.000 in ihren eigenen vier Wänden. 20.000 erhalten Unterstützung durch mobile Dienste, 5.500 nutzen Förderungen für die 24-Stunden-Betreuung, und 2.000 Menschen nehmen Tagesbetreuungsangebote in Anspruch. Zudem beziehen rund 12.000 Personen ausschließlich Pflegegeld, vorwiegend in den niedrigeren Pflegegraden 1 oder 2.
Christian Dörfel betonte die wichtige Rolle der pflegenden Angehörigen: „Sie sind der größte Pflegedienst und eine tragende Säule des sozialen Oberösterreichs. Ihr Einsatz ermöglicht es vielen Menschen, selbstbestimmt und in vertrauter Umgebung zu leben.“ Diesen Personen sollte mehr Anerkennung zuteilwerden.
Aktion zur Sichtbarkeit der Pflegearbeit
Vom 8. bis 11. September wird im Landhausdurchgang in Linz eine Installation zu sehen sein, die auf die Situation pflegender Angehöriger aufmerksam macht. Sechs Staffeleien präsentieren Silhouetten mit persönlichen Aussagen Betroffener. Dörfel erklärte, dass „hinter jeder Pflegesituation eine eigene Biografie“ stehe, und dass es wichtig sei, den Menschen, die oft im Verborgenen arbeiten, ein Gesicht zu geben.
Strategische Maßnahmen und Unterstützung
Die Pflegestrategie 2040 des Landes verfolgt einen mehrgleisigen Ansatz: Mobile Dienste sollen gestärkt, Tagesbetreuungsangebote ausgebaut und lokale Unterstützungsstrukturen in Form von sorgenden Gemeinschaften entwickelt werden. Zudem wird die Beratung für Angehörige erleichtert. Derzeit erhalten 5.508 Menschen im Bereich der Behindertenhilfe Tagesstrukturen, während 938 in geschützten Arbeitsplätzen aktiv sind. Ein Ausbauprogramm sieht zudem 1.000 neue Wohnplätze vor.
Für die Kurzzeitpflege in Alten- und Pflegeheimen hat das Land für 2025 rund 850.000 Euro eingeplant, um pflegenden Angehörigen zeitlich begrenzte Erholungsphasen zu ermöglichen.
Wirksamkeit der psychosozialen Beratung
Seit über 25 Jahren bietet die Caritas-Servicestelle für pflegende Angehörige kostenlose psychosoziale Beratung an. Ein aktuelles Monitoring zeigt, dass 96,9 Prozent der Befragten sich nach der Beratung emotional gestärkt fühlten und 93,8 Prozent mehr Zuversicht im Alltag gewannen. Dennoch suchen viele Angehörige erst spät Hilfe, oft nach über zwei Jahren Pflegeverantwortung, was auf einen hohen Druck in dieser Rolle hinweist.
Umfang der Pflege in Österreich
In Österreich erbringen schätzungsweise 900.000 Menschen Pflege- und Betreuungsarbeit für Angehörige, wobei etwa drei Viertel davon Frauen sind und das Durchschnittsalter bei 62 Jahren liegt. Rund 70 bis 80 Prozent der Pflege älterer Menschen oder solcher mit Behinderungen erfolgt durch Angehörige in den eigenen vier Wänden.
Einordnung
Die vorgestellten Maßnahmen zielen darauf ab, die Sichtbarkeit und Unterstützung für pflegende Angehörige zu erhöhen. Dies ist besonders relevant angesichts der hohen Anzahl von Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, und soll langfristig die Belastungen der Angehörigen verringern sowie die Pflegequalität verbessern.


