Das deutsche Militärische Abschirmdienst (MAD) stuft Deutschland als vorrangiges Ziel russischer Spionage ein. In seinem am 14. September 2026 veröffentlichten Jahresbericht warnt der militärische Nachrichtendienst vor einer anhaltenden Zunahme hybrider Gefahren. Dazu zählen Cyberangriffe, Drohnenaktivitäten, Sabotage und Spionage gegen militärische Einrichtungen sowie gegen Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur.
Über den Bericht wurde am 15. September berichtet. Der MAD führt die gewachsene Bedeutung Deutschlands für die russische Aufklärung unter anderem auf die Stärkung der Bundeswehr und die Stationierung neuer Waffensysteme zurück. Russland interessiere sich besonders für Informationen über deutsche Waffensysteme, die Stärke der Streitkräfte und die Standorte militärischer Anlagen.
Die Einschätzung des MAD ist in einem Bericht über Deutschland als vorrangiges Ziel russischer Spionage zusammengefasst worden. Der Dienst beschreibt dabei nicht nur klassische Aufklärungsaktivitäten. Genannt wird ein breiteres Spektrum hybrider Maßnahmen, die sich gegen staatliche Strukturen und kritische Infrastruktur richten können.
Aufklärung über Bundeswehr und Waffensysteme
Im Mittelpunkt der russischen Beschaffung von Informationen stehen dem Bericht zufolge Daten über die deutsche Verteidigungsfähigkeit. Dazu gehören Angaben zu Waffen, zur personellen Stärke der Bundeswehr und zu den Standorten militärischer Systeme. Der MAD ordnet diese Aktivitäten in eine Phase ein, in der Deutschland seine Streitkräfte stärkt und neue Waffensysteme einführt.
Die deutsche Infrastruktur wird zugleich als möglicher Bereich für Sabotage und andere Störaktionen genannt. Der Bericht verweist auf Transportverbindungen, Energieanlagen und Telekommunikationsnetze. Cyberangriffe und Drohnen werden ebenfalls als Bestandteile des beschriebenen Bedrohungsspektrums angeführt. Eine einzelne Maßnahme steht dabei nicht im Vordergrund. Der MAD beschreibt vielmehr mehrere Formen der Einflussnahme und Aufklärung.
In der politischen Einordnung des Berichts wird die Entwicklung mit Deutschlands Rolle in der NATO, seiner Unterstützung für die Ukraine sowie dem Kurs zur Stärkung und Neuordnung der Bundeswehr verbunden. Die gegen Deutschland gerichteten Maßnahmen werden dabei als Teil einer breiteren hybriden Konfrontation Russlands mit NATO-Staaten dargestellt. Nach dieser Einordnung ist mit einer längerfristigen Fortsetzung solcher Aktivitäten zu rechnen.
Risiken für Bundeswehrangehörige
Besondere Aufmerksamkeit widmet der MAD Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die familiäre Verbindungen nach Russland oder Belarus haben. Nach Angaben des Dienstes können Angehörige des Militärs bei Reisen in diese Länder zum Ziel örtlicher Sicherheitsdienste werden. Als mögliche Mittel werden Erpressung und Druck genannt.
Der Hinweis betrifft damit nicht nur die Weitergabe militärischer Informationen innerhalb Deutschlands. Auch persönliche Beziehungen und Aufenthalte im Ausland werden als mögliche Ansatzpunkte für Einflussnahme beschrieben. Der MAD hebt die familiären Verbindungen und Reisen nach Russland oder Belarus ausdrücklich als Risikofaktoren hervor.
Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation
Zu den genannten Instrumenten zählt neben Spionage und Sabotage auch Desinformation. In der vorliegenden Einordnung wird sie als traditionelles Werkzeug des Kremls bezeichnet. Genannt werden außerdem die Finanzierung destruktiver Aktivitäten sowie die Unterstützung rechts- und linksradikaler Parteien und Bewegungen. Diese Mittel werden neben Cyberangriffen, Sabotage und geheimdienstlicher Tätigkeit aufgeführt.
Als Ziele der hybriden Operationen werden eine Schwächung der deutschen Verteidigungsfähigkeiten, die Beeinträchtigung der gesellschaftlichen Unterstützung für die Ukraine und eine Schwächung des Berliner Kurses bei den Sanktionen gegen Russland genannt. Diese Ziele werden im Zusammenhang mit der politischen und militärischen Bedeutung Deutschlands für das westliche Bündnis beschrieben.
Der Bericht stellt damit den Schutz militärischer Informationen neben die Sicherheit kritischer Infrastruktur. Für den MAD umfasst die Beobachtung russischer Aktivitäten sowohl die Aufklärung über die Bundeswehr als auch mögliche Eingriffe in Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationsbereiche. Die Warnung bezieht sich auf eine Entwicklung, die der Dienst als anhaltend und zunehmend beschreibt.
Deutschland gilt in der Einschätzung des MAD damit als bevorzugtes Aufklärungsziel russischer Dienste. Im Zentrum stehen Informationen über die Bundeswehr, mögliche Angriffe auf Infrastruktur und der Einsatz von Druckmitteln gegen Angehörige der deutschen Streitkräfte.


