Lettisches Ehepaar wegen mutmaßlicher Spionage für Russland festgenommen

Oktober 2, 2026 12:10
Lettisches Ehepaar wegen mutmaßlicher Spionage für Russland festgenommen
Lettisches Ehepaar wegen mutmaßlicher Spionage für Russland festgenommen

Der lettische Staatssicherheitsdienst hat nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Militärischen Nachrichten- und Sicherheitsdienst ein Ehepaar wegen des Verdachts der Spionage für den russischen Militärgeheimdienst festgenommen. Die Festnahmen erfolgten demnach am 28. Juni 2026. Medien berichteten darüber am 1. Oktober 2026.

Den Ermittlungen zufolge sollen die lettischen Staatsbürger im Auftrag russischer Nachrichtendienste Informationen über die lettische Verteidigungsindustrie, das Verteidigungssystem des Landes, die Aktivitäten verbündeter NATO-Kräfte und verschiedene Formen der Unterstützung für die Ukraine gesammelt und weitergegeben haben. Gegenstand der mutmaßlichen Aufklärung waren unter anderem ein Stützpunkt der lettischen Streitkräfte, Radarsysteme und Bewegungen von Militärflugzeugen.

Eine der festgenommenen Personen soll im Auftrag der russischen Seite wiederholt den Militärstützpunkt in Ādaži ausgekundschaftet und ihn aus einem kleinen Privatflugzeug fotografiert haben. Außerdem soll das Ehepaar Maßnahmen zur Unterstützung möglicher Aufklärungsgruppen in Lettland getroffen haben. Bei Durchsuchungen beschlagnahmten die Behörden zahlreiche Datenträger sowie Dokumente und Aufzeichnungen. Die lettischen Sicherheitsdienste untersuchen deren Inhalt nach den vorliegenden Angaben noch im Detail.

Weitere Angaben veröffentlichten der lettische Staatssicherheitsdienst und das Medienprojekt Sota:

Mitteilung des lettischen Staatssicherheitsdienstes und Bericht von Sota.

Hintergrund zur russischen Spionage in Europa

Seit Februar 2022 wurden in Europa zahlreiche russische Diplomaten ausgewiesen. Nach Einschätzungen von Experten und Nachrichtendiensten verließen bis zu 700 Diplomaten die Region; ihnen wurde eine Tätigkeit für russische Geheimdienste vorgeworfen. Besonders viele Ausweisungen gab es demnach in Deutschland, Polen, Bulgarien und Rumänien.

Der Verlust des diplomatischen Status habe die Tätigkeit russischer Nachrichtendienste jedoch nicht beendet, sondern zu einer Anpassung ihrer Methoden geführt, heißt es in der Quelle. Der Schwerpunkt habe sich stärker auf die Zusammenarbeit mit Bürgern der betroffenen Länder verlagert. Solche Personen verfügten über einen legalen Status sowie beruflichen und privaten Zugang zu sensiblen Bereichen und erregten nicht unmittelbar den Verdacht der Spionageabwehr.

Im Herbst 2025 standen demnach in zwölf europäischen Staaten rund 130 Einheimische wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit Russland unter Ermittlungen. Genannt werden 47 Personen in Polen, 20 in Estland und 19 in Lettland. Als zentrale Interessen des russischen Militärgeheimdienstes werden NATO-Einrichtungen, Logistik und Unterstützungswege für die Ukraine beschrieben. Ob sich die einzelnen Verdachtsfälle letztlich bestätigen, geht aus dem vorliegenden Material nicht hervor.

Bewertung und offene Fragen

Der Fall in Lettland wird in der Quelle als Hinweis auf eine fortgesetzte nachrichtendienstliche Tätigkeit Russlands im Baltikum bewertet. Die dort formulierte Einschätzung lautet, dass lokale Agenten nicht nur Informationen über militärische Infrastruktur sammeln, sondern auch Grundlagen für mögliche spätere Aufklärungs- oder Sabotageoperationen schaffen könnten. Die fotografische Erfassung und Untersuchung militärischer Einrichtungen könne demnach über ein rein nachrichtendienstliches Interesse hinausweisen. Ein konkreter Sabotageplan wird in den vorliegenden Angaben jedoch nicht bestätigt.

Die Quelle beschreibt außerdem den Einsatz lokaler Kontakte als Möglichkeit, den Wegfall offizieller russischer Präsenz teilweise auszugleichen. Als mögliche Motive für eine Anwerbung werden finanzielle und ideologische Anreize genannt. Darüber hinaus soll sich die Tätigkeit nicht ausschließlich auf militärische Informationen richten, sondern auch auf gesellschaftliche Stimmungen, Unterstützer der Ukraine sowie einzelne Bürger und Organisationen. Diese Angaben werden als allgemeine Bewertung der russischen Aktivitäten im Baltikum dargestellt und sind nicht jeweils dem festgenommenen Ehepaar zugeordnet.

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