Nach einem massiven Myxomatose-Ausbruch im Sommer 2025 ist unklar, wie es um die Kaninchenpopulation am Wiener Handelskai steht. Ein Lokalaugenschein Anfang Oktober 2026 sah entlang des kontrollierten Abschnitts kein einziges Kaninchen; zugleich berichten Behörden und Tierservices von ausbleibenden Meldungen und fehlenden belastbaren Bestandszahlen.
Die Tiere gehen auf ausgesetzte Haustiere zurück, aus denen sich in den 1990er-Jahren am Donauufer eine Population entwickelte. Sie siedelte sich unter dem Bahndamm und auf den Grünflächen entlang des Treppelwegs an und kreuzte sich teilweise mit Wildkaninchen.
Für viele Spaziergänger und Radfahrer waren die Tiere über Jahre ein vertrauter Anblick. Bei einem Lokalaugenschein 2024 waren entlang des Treppelwegs noch zahlreiche Kaninchen zu sehen.
Schon zuvor hatte es Rückgänge gegeben. Im Sommer 2020 setzte die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) der Population zu; laut Stadt wurden damals rund 200 Kadaver eingesammelt.
Im Juni 2025 begann am Handelskai ein weiteres Massensterben. Laut Vetmeduni wurden zeitweise bis zu 20 Kadaver pro Tag entsorgt, innerhalb von fünf Wochen wurden im Bereich Handelskai und Brigittenauer Brücke mehr als 100 Todesfälle dokumentiert.
Als Ursache nennt der Bericht Myxomatose, ausgelöst durch die neue, an Feldhasen angepasste Variante ha-MYXV. Für 2025 gingen beim Wildtierservice insgesamt 32 Meldungen oder Anfragen zu Wildkaninchen am Handelskai ein; für 2026 liegt dort bislang keine entsprechende Meldung vor.
Die Stadt teilt mit, dass weder kranke noch verendete Tiere aufgefallen seien und auch an anderen Standorten in Wien derzeit keine erhöhte Sterblichkeit beobachtet werde. Belastbare Bestandszahlen oder aktuelle Zählungen für die Zeit vor und nach dem Ausbruch liegen laut Bericht nicht vor.
Auch die Kaninchen-Helpline kann die Lage nicht verlässlich einschätzen. Ehrenamtliche Federica Cappa sagte, man könne derzeit nicht beurteilen, wie viele Tiere noch am Handelskai leben; der Verein sei seit mehreren Monaten nicht mehr selbst vor Ort gewesen.
In Kommentaren im Netz zeigt sich vor allem Unsicherheit. Ein Nutzer, der regelmäßig mit dem Fahrrad am Handelskai unterwegs ist, schrieb: „Hab dieses Jahr auch noch kein einziges gesehen“.
Angelika Auer von der Vetmeduni, die die virologische Diagnostik verantwortet, sagte, es habe 2026 „deutlich weniger tote Feldhasen als 2025“ gegeben. Zugleich geht sie davon aus, dass das ha-MYXV in Österreich dauerhaft zirkulieren und weitere Erkrankungswellen verursachen wird.


