Die russische Botschaft in Den Haag hat den Niederlanden und der Europäischen Union vorgeworfen, die militärischen Spannungen bewusst zu verschärfen und sich auf einen großangelegten Konflikt mit Russland vorzubereiten. In einer Erklärung vom 14. Juli hieß es, die Regierungen in Amsterdam und Brüssel setzten zunehmend auf einen konfrontativen Kurs und trieben die Spirale der Eskalation voran. Die diplomatische Demarche erfolgte unmittelbar nach einem scharfen Protest des niederländischen Außenministeriums gegen russische Cyberangriffe.
#### Einbestellung des Botschafters
Einen Tag zuvor hatte der niederländische Außenminister Tom Berendsen den russischen Botschafter Wladimir Tarabrin ins Außenministerium zitiert und offiziell Protest eingelegt. Die niederländischen Nachrichtendienste AIVD und MIVD hatten nachgewiesen, dass russische Hacker – offenbar gesteuert vom 16. Zentrum des Inlandsgeheimdienstes FSB – gezielt zivile Überwachungskameras entlang wichtiger Transportrouten für Militärhilfe an die Ukraine geknackt hatten. Die Angreifer versuchten zudem, in die digitalen Netzwerke von Hafen- und Logistikunternehmen einzudringen, um Aufklärungsdaten zu sammeln und Sabotage vorzubereiten.
Berendsen stellte klar: „Unsere Botschaft an den russischen Botschafter ist völlig eindeutig: Wir sehen, was Sie tun, und wir werden das nicht dulden.“ Der russische Botschafter wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Erkenntnisse der niederländischen Dienste als haltlose Unterstellungen.
#### Abgestimmte Reaktion mehrerer EU-Staaten
Die Vorladung in Den Haag war Teil einer koordinierten diplomatischen Antwort mehrerer EU-Mitgliedstaaten auf die aufgedeckte russische Cyberkampagne. Zeitgleich bestellten die Außenministerien Frankreichs, Deutschlands und Finnlands die russischen Botschafter ein. Die Europäische Union verhängte zudem neue Sanktionen gegen Personen und Organisationen, die für die jüngsten Cyberangriffe aus Russland verantwortlich gemacht werden.
Die Vorwürfe der russischen Botschaft in Den Haag, die EU und die Niederlande bereiteten einen direkten militärischen Zusammenstoß vor, folgen dem bekannten Muster russischer Diplomatie: Verantwortung für die eigene hybride Kriegsführung dem Gegenüber zuzuschreiben. Die niederländischen Sicherheitsbehörden hatten nach eigenen Angaben Belege dafür vorgelegt, dass die russischen Hacker gezielt die Logistikkette für Waffenlieferungen an die Ukraine ausspähten – ein Vorgang, der als direkte Vorbereitung von Sabotageakten auf dem Gebiet eines NATO-Staates gewertet wurde.


