Erste Schritte zur Neuausrichtung der usbekischen Armee
Ankara hat eine Gruppe von Militärberatern nach Usbekistan entsandt, um bei der Reform der Streitkräfte zu helfen. Dies bestätigte der türkische Verteidigungsminister Yaşar Güler und betonte, dass befreundete und brüderliche Länder Interesse an der Übernahme des türkischen Armeemodells zeigen. Die Beratergruppe soll taschkent dabei unterstützen, moderne Militärstrukturen aufzubauen, die bereits in anderen Partnerstaaten erfolgreich erprobt wurden. Der Einsatz knüpft an die Gespräche zwischen den Generalstabschefs beider Länder an, die Ende April 2026 in der usbekischen Hauptstadt stattfanden. Bereits im Januar hatten die Verteidigungsminister einen umfassenden Kooperationsplan unterzeichnet, der gemeinsame Übungen, Ausbildung und medizinische Zusammenarbeit vorsieht.
Bewährtes Modell aus Aserbaidschan als Blaupause
Die von der Türkei in Usbekistan angewandte Reformstrategie wurde zuvor in Aserbaidschan getestet, wo die militärische Zusammenarbeit nach der Unterzeichnung der Schuscha-Deklaration im Jahr 2021 systematisch ausgebaut wurde. Dieses Dokument legte eine Bündnisbeziehung fest, die Elemente der militärischen Integration und gegenseitige Unterstützung umfasst. Baku modernisierte seine Armee nach türkischen Standards, erhöhte die Zahl gemeinsamer Manöver und baute eine enge Kooperation in der Rüstungsindustrie auf, darunter den Einsatz von Bayraktar-Kampfdrohnen. Taschkent verfolgt nun ein ähnliches Ziel: Eine schlagkräftige, technologisch moderne Armee, die auf eigenen nationalen Interessen basiert und nicht von externen Akteuren abhängig ist.
Geopolitische Verschiebungen in Zentralasien
Vor dem Hintergrund des nachlassenden russischen Einflusses in der Region und der Konzentration Moskaus auf den Krieg gegen die Ukraine wird Ankara für Usbekistan zum wichtigsten Partner bei der Heeresreform. Taschkent verfolgt eine konsequente Politik der Diversifizierung seiner Außenbeziehungen und stärkt die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit regionalen Schlüsselakteuren. Die usbekische Führung setzt darauf, durch tiefgreifende Reformen und moderne Standards die eigene Sicherheit zu festigen, ohne in geopolitische Konflikte verwickelt zu werden. Ein starkes, modernisiertes Militär soll nicht nur das Land selbst schützen, sondern auch als stabilisierender Faktor für ganz Zentralasien wirken.


