Ein neuer Kristallfund aus Madagaskar wird zu Ehren des Wiener Wissenschaftlers Andreas Ertl „Ertlit“ genannt und zeigt vielversprechendes Potenzial.
WIEN. Ein neu entdeckter rosa Kristall aus Madagaskar hat das Interesse von Wissenschaftlern geweckt. Dieser Kristall wird als neues Mitglied der Turmalin-Familie anerkannt und verstärkt die Anzahl von weltweit 6161 empfohlene Mineralarten.
Turmaline sind eine Gruppe von Mineralien, die sich durch ähnliche Kristallstrukturen, jedoch unterschiedliche chemische Zusammensetzungen auszeichnen. Aufgrund ihrer Härte und Farbvielfalt sind sie als Schmucksteine gefragt und finden auch in technologischen Anwendungen, beispielsweise in Mikroskopen und Sensoren, Verwendung.
Einmalige Ehre
Ein internationales Forscherteam hat die außergewöhnliche chemische Zusammensetzung des Kristalls näher untersucht. Der hohe Gehalt an Bor, einem chemischen Element, wurde bereits von Andreas Ertl, einem Experten für Turmalin am Naturhistorischen Museum und der Universität Wien, vorhergesagt. Seit vier Jahrzehnten beschäftigt sich Ertl mit diesem Thema und hat mit der Erstbeschreibung und Entdeckung zahlreicher Mineralien internationale Aufmerksamkeit gewonnen.
Das Team entschied sich, den rosa Kristall zu Ehren von Andreas Ertl „Ertlit“ zu benennen. Ertl äußerte hierzu: „Es ist eine ganz einmalige Ehre, wenn so etwas Seltenes passiert wie die Benennung einer Art nach dir. Noch dazu ist es unglaublich, wie sehr dieses Mineral zu meinem Lebenswerk passt.“
Alpen auch Fundort geworden
Zusätzlich zu Madagaskar wurden auch Kristalle aus Myanmar identifiziert, die ebenfalls als „Ertlit“ gelten. Ertl hat auch einen weiteren Fundort in den österreichischen Alpen aufgezeigt. Analysen belegen, dass Kristalle von der Koralpe ebenfalls zu dieser neuen Mineralart gehören.
Große Kristalle, größeres Potenzial
Die Entdeckung von „Ertlit“ über drei Kontinente hinweg lässt auf deren ungeahnte Verbreitung schließen. Zudem überrascht die Größe der gefundenen Exemplare, insbesondere die aus den Koralpen, die eine unerwartete Dimension aufweisen. Solche Dimensionen sind bei neu entdeckten Kristallen heutzutage eher selten.
Die besonderen Eigenschaften der „Ertlite“ werfen ein neues Licht auf die Entstehung von Gebirgen und in der Erdgeschichte. Darüber hinaus könnten sie als Grundlage für die künstliche Herstellung von Turmalinen dienen. Ihre speziellen Eigenschaften machen sie potenziell nutzbar für technische Anwendungen, insbesondere als Druck- und Temperaturfühler.


