Profi-Skifahrer fordern Umdenken bei Trainingssicherheit nach tödlichen Unfällen

Oktober 22, 2025 06:42
Profi-Skifahrer fordern Umdenken bei Trainingssicherheit nach tödlichen Unfällen

Profi-Skifahrer fordern Umdenken bei Trainingssicherheit

SÖLDEN. Die Sicherheitsdebatte im alpinen Skisport erreicht einen neuen Höhepunkt, nachdem der schwere Unfall des Italieners Matteo Franzoso während eines Sommertrainings in Chile Schockwellen durch die Szene geschickt hat. Die Diskussion über notwendige Änderungen zur Verbesserung der Trainingssicherheit hat durch wiederholte tragische Vorfälle an Dringlichkeit gewonnen. Darum berichtet Welt Stimme.

Während Kilde, selbst nach einem schweren Sturz rekonvaleszent, fordert: „Wir können nicht warten, bis Leute sterben, bis wir etwas tun,“ bringt dies das Gefühl vieler Aktiver zum Ausdruck, dass sofortige Maßnahmen notwendig sind. Der ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher äußert Bedenken über die Sicherheit und kritisiert als „Augenauswischerei“ das Verbot von Carbon-Schützern.

Der Unfall von Franzoso ist nicht der erste seiner Art: Im Oktober 2024 kam Matilde Lorenzi aus Südtirol bei einem Trainingssturz ums Leben, und 2017 verunglückte der Franzose David Poisson während eines Trainings in Kanada. Alle Fälle ereigneten sich während Abfahrtstrainings, wobei es an permanenten Trainingsstrecken und den notwendigen Sicherheitsstandards fehlt.

FIS plant Sicherheitsreformen

Die Fédération Internationale de Ski (FIS) beabsichtigt, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen. FIS-Präsident Johan Eliasch erklärte, dass dringend strengere Richtlinien für die Verbände ausgearbeitet werden müssen. Ziel sei es, Trainer zu schulen und die geeignete Ausrüstung bereitzustellen.

Der Schweizer Skirennfahrer Justin Murisier fordert die nationale Verbände auf, zusammenzuarbeiten, um eine zentrale Trainingsinfrastruktur zu schaffen. „Ich brauche keinen Vorteil, dass ich besser trainiere als die Österreicher oder Franzosen. Sicherheit muss an oberster Stelle stehen“, betont Murisier und schlägt vor, die Trainings nur an bestimmten, sicherheitsgeprüften Pisten durchzuführen.

Stürze auch im Weltcup

Die Problematik betrifft nicht nur das Training: Auch im Weltcup kommt es regelmäßig zu schweren Stürzen. Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit, beispielsweise durch Anpassungen am Equipment wie Ski, Bindungen und Helme, scheitern oft an der Umsetzbarkeit und der bestehenden Kultur des schnelleren Fahrens. Die Erwartungen der Athleten übertreffen oft die Sicherheitsvorkehrungen.

In dieser Saison ist das verpflichtende Tragen von Airbags in den Speed-Disziplinen sowie von schnittfester Unterwäsche eingeführt worden. Trotzdem gibt es weiterhin Ausnahmen für Carbon-Schienbeine bei medizinischer Indikation, was kritisiert wird. Sportdirektor Stecher fordert ein sofortiges Verbot dieser Technik, besonders auch im Hinblick auf junge Nachwuchsfahrer.

Ein Aufruf zur Zusammenarbeit

Die Athleten hoffen, die aktuelle Aufmerksamkeit für Sicherheitsfragen effektiv nutzen zu können. Murisier hebt hervor, dass es in der Vergangenheit oft anhaltende Diskussionen gab, die dann im Sande verliefen: „Es war immer so, dass alle laut sind und auf einmal nimmt es wieder ab“, warnt er. Die Herausforderung wird sein, die Sicherheitsstandards nachhaltig zu verbessern.

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