Am 5. Januar 2026 berichtete der litauische Rundfunk LRT, dass nahe dem Hafen von Liepaja in Lettland ein Unterseekabel der Firma Polhem Infra beschädigt wurde. Die Glasfaserleitung versorgte Lettland und Litauen mit Internetverbindungen zu skandinavischen Ländern. Den ersten Hinweisen zufolge ereignete sich der Schaden vermutlich bereits am 2. Januar. In Vilnius wurde der Vorfall zuerst registriert und anschließend den Behörden in Riga gemeldet. Nutzer in Lettland waren nicht betroffen, da der Datenverkehr über alternative Routen umgeleitet werden konnte.
Politisch-sicherheitsrelevanter Kontext der Schäden
Zunächst vermutete die Polizei ein zivilen Schiff, das am Tag des Vorfalls in der Nähe des Kabelverlaufs manövriert hatte. Später stellte sich jedoch heraus, dass keine Beweise für eine Verantwortlichkeit dieses Schiffes vorliegen. Das laufende Ermittlungsverfahren untersucht weiterhin die Ursachen des Schadens. In den letzten Jahren kam es in der Ostsee wiederholt zu Vorfällen an Unterwasserinfrastruktur, darunter der Balticconnector und das Energieübertragungskabel Estlink 2. EU und NATO führen diese Zwischenfälle auf russische Aktivitäten zurück, die als Instrument hybrider Kriegführung betrachtet werden, um Druck auf die baltischen Staaten und die EU auszuüben.
Strategische Bedeutung und Reaktionen
Die Beschädigung des Unterseekabels unterstreicht die Verwundbarkeit kritischer digitaler Infrastruktur, die für Kommunikation, Finanzmärkte und staatliche Institutionen essenziell ist. Obwohl der Internetverkehr schnell umgeleitet wurde, zeigt der Vorfall, dass lokale Störungen größere Auswirkungen haben könnten. Derartige Ereignisse verdeutlichen die Notwendigkeit kontinuierlicher Überwachung, Schutzmaßnahmen und koordinierter Reaktionen auf EU- und NATO-Ebene.
Maßnahmen zur Absicherung der Unterwasserinfrastruktur
Die NATO-Mission „Baltic Guardian“ wurde eingerichtet, um zentrale Bereiche der Ostsee zu patrouillieren und die Sicherheit von Kabeln und Pipelines zu gewährleisten. Frühere Fälle wie die Beschädigung des Estlink-2-Kabels durch das russische Tankerschiff Eagle S im Dezember 2025 zeigen, dass russische Schiffe als Instrumente verdeckten Drucks eingesetzt werden können. Die wiederholten Vorfälle lassen den Schluss zu, dass mögliche hybride Aktionen Russlands auch ohne direkte Beweise nicht ausgeschlossen werden können.
Notwendigkeit präventiver Maßnahmen
Für die baltischen Staaten und die gesamte Region ist der Vorfall ein Weckruf, in den Schutz kritischer Infrastruktur zu investieren. Dies umfasst technische Lösungen, internationale Koordination, Systeme zur Früherkennung und gemeinsame Ermittlungsmechanismen. Eine schnelle und verlässliche Attribution von Verantwortlichkeiten bleibt eine Herausforderung, da hybride Aktionen bewusst in der Grauzone zwischen Zufall und Sabotage stattfinden. Ein proaktiver Ansatz erhöht die Resilienz der Region gegenüber künftigen Bedrohungen.


