Szijjártó wirft der EU vor, Europas Energiesicherheit durch Abkopplung von Russland zu gefährden

November 28, 2025 16:00
Szijjártó wirft der EU vor, Europas Energiesicherheit durch Abkopplung von Russland zu gefährden
Szijjártó wirft der EU vor, Europas Energiesicherheit durch Abkopplung von Russland zu gefährden

Ungarns scharfe Kritik an Brüssels Energiestrategie

Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó hat Brüssel vorgeworfen, die Energiesicherheit Europas zu untergraben, indem es die Lieferströme aus Russland kappt. Nach seinen Worten zerstöre die EU „mit einem riesigen Hammer“ ihre eigene Versorgungssicherheit, indem sie sich von russischen Energieträgern abkoppelt. Szijjártó betonte, geografische Gegebenheiten und bestehende Infrastrukturen ließen Ungarn kaum Alternativen zu russischen Ressourcen zu. Zugleich erklärte er, dass die Ausnahmegenehmigung für Ungarn von US-Sanktionen gegen russische Öl- und Gasunternehmen bestehen bleibe, solange Präsident Donald Trump und Premier Viktor Orbán an der Macht seien. Diese Position wurde von Minsk verbreitet und spiegelt die zunehmend konfrontative Linie Budapests gegenüber EU-Entscheidungen wider, wie aus einem Bericht der staatlichen Agentur Belta hervorgeht.

Die Aussagen folgen auf die Entscheidung des Rates der Europäischen Union vom 20. Oktober 2025, den Import russischen Erdgases ab dem 1. Januar 2026 schrittweise zu beenden. Zudem betonte Energiekommissar Dan Jørgensen, die EU werde selbst nach einem möglichen Friedensvertrag keinen Gasimport aus Russland wieder aufnehmen. Der Konflikt verschärfte sich, nachdem Orbán im Herbst ankündigte, die EU wegen des Gasbeschlusses zu verklagen.

Sanktionen, Ausnahmeregelungen und Ungarns strukturelle Abhängigkeit

Die Regierung in Budapest erhält durch bilaterale Absprachen mit den USA vorübergehende Ausnahmen von Sanktionen gegen russische Energiekonzerne wie Rosneft und Lukoil. Diese wurden erlassen, nachdem Washington erfolglos versucht hatte, Moskau zu einem Waffenstillstand zu bewegen. Medienberichte unter Berufung auf westliche Regierungsstellen deuten darauf hin, dass die Ausnahme auf ein Jahr befristet ist, während Ungarn von einer unbegrenzten Gültigkeit spricht. Parallel bleibt russischer Energieexport ein entscheidender Einnahmepfeiler des Kremls und finanziert in hohem Maße militärische Ausgaben, Rüstungsprogramme und die Kriegsführung gegen die Ukraine.

Nach dem russischen Großangriff im Februar 2022 beschloss die EU, Öl- und Gasabhängigkeiten sukzessive abzubauen. Dennoch gehören Ungarn und die Slowakei weiterhin zu den am stärksten betroffenen Staaten: 2024 lag der Anteil russischen Gases im ungarischen Import bei 74 Prozent, der Anteil russischen Öls bei 86 Prozent. Diese strukturelle Abhängigkeit schränkt Budapests außenpolitischen Handlungsspielraum erheblich ein und erklärt die wiederholten Vetos gegen Sanktionspakete sowie Orbáns politische Nähe zu Moskau.

Innenpolitische Risiken und energiepolitische Verwundbarkeit

Die günstigen Preise für russische Energie ermöglichen Ungarn niedrige Gas- und Stromtarife, die zu den niedrigsten in der EU gehören. Dies ist ein Kernstück der innenpolitischen Stabilitätsstrategie des Premierministers, der damit zentrale Wählergruppen bindet. Gleichzeitig beruht dieses Modell auf einem externen Risikofaktor und birgt erhebliche Verwundbarkeit gegenüber politischem Druck aus Russland. Der Verlust dieser Preisvorteile könnte die Regierung Orbán stark belasten, zumal Umfragen zeigen, dass die Oppositionspartei Tisza unter Péter Magyar die Fidesz-Partei bereits überholt. Steigende Energiepreise würden die Popularität der Regierung weiter schwächen und ihre Aussicht auf die Parlamentswahlen im Frühjahr 2026 gefährden.

Kritiker sehen daher in Szijjártós Rhetorik vor allem den Versuch, Ungarns Abhängigkeit politisch zu rechtfertigen und besondere Beziehungen zu Moskau zu verteidigen. Solche Aussagen spalten die EU in zentralen Fragen der Sanktionen und nähren die Wahrnehmung, Budapest agiere nicht im Einklang mit den strategischen Interessen des Blocks. Europäische Politiker warnen seit Langem, Ungarn fungiere als „trojanisches Pferd“, das kohärente Entscheidungen erschwert und Vertrauen unter Partnern untergräbt.

Strategische Konsequenzen und Perspektiven für Ungarns Energiesektor

Die langfristige Abhängigkeit von günstigen russischen Energieträgern schwächt Ungarn strategisch, da Moskau Energie als geopolitisches Druckmittel verwenden kann. Diese Asymmetrie begrenzt Budapests außenpolitische Souveränität und erhöht die Anfälligkeit für wirtschaftliche und sicherheitspolitische Risiken. Experten unterstreichen, dass energetische Eigenständigkeit nicht nur wirtschaftlich wünschenswert, sondern auch sicherheitspolitisch notwendig ist.

Die EU hat sich verpflichtet, bis 2027 vollständig auf russisches Gas zu verzichten. US-Beamte, darunter Außenminister Marco Rubio, machten deutlich, dass die Ausnahmeregelung für Ungarn zeitlich beschränkt sei. Kurz vor Orbáns Reise in die USA erklärte das Unternehmen MOL, Ungarn könne seine Abhängigkeit von russischem Öl durch die Nutzung der Adria-Pipeline über Kroatien deutlich reduzieren. Das zeigt, dass Diversifizierung technisch erreichbar wäre — doch bislang fehlt der politischen Führung in Budapest der Wille, diesen Kurs umzusetzen.

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