Energieexperten fordern klare Gesetze für die Energiewende bei Tagung in Kufstein

Oktober 15, 2025 14:32
Energieexperten fordern klare Gesetze für die Energiewende bei Tagung in Kufstein

Experten warnen: Gesetzgeber müssen endlich handeln, um die Energiewende voranzutreiben. Stakeholder sind gefordert, an einem Tisch zusammenzukommen. Der Ausbau der Netzinfrastruktur ist entscheidend.

KUFSTEIN, TIROL. Um den Übergang zur Energiewende erfolgreich zu bewältigen, sind klare rechtliche Rahmenbedingungen erforderlich, und zwar so schnell wie möglich. Diese zentrale Botschaft haben die Energieexperten bei einer Tagung in Kufstein unterstrichen. Darüber berichtet Welt Stimme.

Gesetze für neues Energiesystem

Der OVE (Österreichischer Verband für Elektrotechnik) veranstaltet am 15. und 16. Oktober 2025 die 62. Fachtagung der Energietechnik-Branche. Dabei treffen sich Fachleute aus Wirtschaft und Forschung im Stadtsaal Kufstein, um relevante Themen der Energietechnik zu erörtern. In einer vorhergehenden Pressekonferenz verdeutlichten die Experten die Dringlichkeit der Schaffung von Gesetzen und Rahmenbedingungen, um das Energiesystem umzubauen. Der Entwurf für das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) befindet sich noch in der Begutachtung, während das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) nach Jahren der Vorbereitung nun zur Abstimmung im Nationalrat steht.

Ganzheitlich denken

„Wir müssen es schaffen, den wirtschaftlichen Umbau sicherzustellen“, äußerte Alexander Speckle, Vorstandsdirektor der TIWAG. Bei massiven Investitionen in den Energieausbau müsse auch darauf geachtet werden, die Energiepreise und Netztarife wettbewerbsfähig zu halten. Es sei wichtig, das gesamte System in den Blick zu nehmen. Speckle nannte den aktuellen, intensiven Ausbau von Photovoltaikanlagen (PV) als Beispiel, bei dem die Systembetrachtung vernachlässigt wurde. „Wir brauchen den Ausbau der Erneuerbaren – wie PV, Wind, Wasserkraft und Biomasse“, so Speckle. Gleichzeitig sei es notwendig, Speicher und den Ausbau der Netze voranzutreiben.

„Zwillinge“ für Entscheidungen

Sonja Wogrin, Leiterin des Instituts für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation an der TU Graz, betonte, dass es ein positives Ziel sei, die CO₂-Emissionen im gesamten Energiesektor zu reduzieren. Sie fügte jedoch hinzu, dass die Herausforderungen bei der Energiewirtschaft nicht zu unterschätzen seien: „Die Energiewirtschaft – und besonders die Energieinfrastruktur – ist sehr langlebig und sehr teuer.“ Ihr zufolge dauere der Bau eines Wasserkraftwerks Jahrzehnte. Um den großen Umbau effizient zu gestalten, sei eine ganzheitliche Denkweise erforderlich und eine Koordination über verschiedene Sektoren hinweg notwendig. Hierbei setze die Forschung auf neue Analysetools und entwickle digitale Zwillinge, die das Energiesystem abbilden. Diese könnten als Grundlage für strategische Entscheidungen in der Zukunft dienen. Wogrin betonte die Notwendigkeit, alle Stakeholder an einen Tisch zu bringen und die Politik einzubeziehen, damit die daraus resultierenden konkreten Ergebnisse akzeptiert werden könnten.

Bessere Nutzung und Fachkräfte

Die Energiewende nimmt rasant Fahrt auf – ein Prozess, der auch ein Umdenken verlangt. Diese Entwicklung bietet auch große Chancen für Österreich und Europa, merkte Aleš Prešern, Geschäftsführer von Siemens Energy Austria, an. Der Ausbau der Netze erfolgt jedoch langsamer als der der erneuerbaren Energien. Eine Lösung könnte laut Prešern die bessere Nutzung bestehender Infrastrukturen durch Digitalisierung und datenbasierte Analysen sein. Darüber hinaus ist ausreichend Fachpersonal entscheidend: „Die Energiewende und der Ausbau von Energiesystemen können nur gelingen, wenn wir ausreichend Fachkräfte haben“, erklärte Prešern.

Finanzierung muss geregelt sein

Gerhard Fida, Geschäftsführer der Wiener Netze und Präsident des OVE, teilte diese Meinung. Es sei wichtig, mehr junge Menschen für technische Berufe zu gewinnen, insbesondere Frauen. Fida forderte zudem eine gerechte Verteilung der Netztarife, um den zügigen Ausbau der Netzinfrastruktur zu gewährleisten. „Bis 2040 müssen rund 44 Milliarden Euro in die Netze investiert werden, damit sie den Anforderungen der Energiewende gerecht werden und unsere Versorgungssicherheit gewährleisten können. Das ElWG muss hier Klarheit in Sachen Finanzierung schaffen“, so Fida und fügte hinzu, dass die Kosten fair auf alle Beteiligten verteilt werden müssten.

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