Ölpreisschock könnte EZB zu Zinserhöhung bewegen
Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt eine Anhebung des Leitzinses als Reaktion auf den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs zwischen den USA und Israel. EZB-Direktorin Isabel Schnabel äußerte in einem Interview, dass aus ihrer Sicht eine Zinserhöhung im Juni notwendig sei.
Der Schock habe bereits spürbare Auswirkungen auf die Wirtschaft und treibe die Inflation für einen längeren Zeitraum vom angestrebten Zielwert der EZB von 2,0 Prozent weg. Die Energiekosten sind seit Beginn des Konflikts Ende Februar im Euroraum stark angestiegen. Schnabel warnte, dass selbst eine sofortige Beendigung des Konflikts nicht die bereits verursachten Schäden an der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten rückgängig machen könne.
Die Inflationsrate im Euroraum betrug im April 3,0 Prozent, einen Prozentpunkt über dem mittelfristigen Ziel der EZB. Experten gehen davon aus, dass die Rate sogar die 4,0 Prozent-Marke überschreiten könnte. Joachim Nagel, Präsident der deutschen Bundesbank, sieht die EZB vor der Herausforderung, auf diese Situation zu reagieren.
Der EZB-Rat wird am 11. Juni über den Leitzins entscheiden, wobei die meisten Experten mit einer ersten Zinserhöhung in diesem Jahr rechnen. Schnabel betonte, dass die gegenwärtige Situation ein Dilemma für Zentralbanken darstellt: Eine strafende Geldpolitik könnte die negativen Auswirkungen des Schocks auf die Wirtschaft verstärken.
Die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone sind bereits gedämpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März nur um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft aufgrund der Ölpreissituation auf 0,6 Prozent halbiert.
Einordnung
Die EZB steht vor der Herausforderung, auf die erhöhte Inflation und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölpreisschocks zu reagieren. Eine Zinserhöhung könnte versuchen, die Inflation zu bekämpfen, jedoch auch das Wirtschaftswachstum belasten.


