Gewerkschaft vida fordert höhere Löhne in der Herbstlohnrunde
Roman Hebenstreit, der Chef der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, hat erklärt, dass bei der bevorstehenden Herbstlohnrunde „anständige“ kollektivvertragliche Abschlüsse angestrebt werden. Der Rückgang der Reallöhne um 0,8 Prozent zwischen Juli 2019 und Juli 2026 sowie die höheren Verluste von 2,7 Prozent in der Gastronomie und 1,8 Prozent in der Warenherstellung kritisierte er scharf.
Die Gewerkschaft vida verhandelt im Oktober mit der Wirtschaftskammer (WKÖ) über Löhne in mehreren Branchen, darunter Bus, Eisenbahn und Handel. Hebenstreit betont, dass die Belastung in diesen Bereichen hoch sei und daher ein spürbarer Lohnanstieg erforderlich sei. Zudem wird in diesem Jahr ohne die Metaller verhandelt, da sich die Sozialpartner im Vorjahr auf einen zweijährigen Krisenabschluss geeinigt hatten. Die aktuelle Inflation liegt wegen steigender Dienstleistungs- und Energiepreise bei über drei Prozent, wodurch die letzten Lohnabschlüsse im Handel unter dieser Rate lagen.
Hebenstreit fordert einen positiven Blick auf die heimische Wirtschaft und sieht höhere Löhne als notwendig an, um den Wirtschaftsmotor anzukurbeln. Die Nationalbank hat für 2023 ein reales Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent und eine Inflationsrate von 3,0 Prozent prognostiziert. Er kritisiert die negative Erzählung von Wirtschaftsvertretern und sieht Potenzial in prosperierenden Sektoren wie dem Tourismus.
Im Bereich Ausbildung sieht Hebenstreit großen Handlungsbedarf. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) gibt es aktuell 11.600 Lehrstellensuchende, jedoch nur etwa 6.300 offene Lehrstellen. Er moniert den Ausbildungsstau in der Wirtschaft und kritisiert die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften statt der Ausbildung eigener Fachkräfte.
Hebenstreit hat Bedenken hinsichtlich der Meldung von 46 Millionen Überstunden ohne angemessene Vergütung geäußert. Er sieht darin eine Benachteiligung der Beschäftigten und fordert ein Arbeitsstrafrecht, um dies zu ahnden. Durch nicht abgegoltene Überstunden entgehen den Arbeitnehmern und dem Staat erhebliche Beträge.
Einordnung
Die Forderungen der Gewerkschaft vida zielen darauf ab, die Lebenshaltungskosten der Beschäftigten in den betroffenen Branchen zu kompensieren. Eine Umsetzung höherer Löhne könnte die Kaufkraft stärken und die wirtschaftliche Situation der Arbeitnehmer verbessern. Gleichzeitig wird der Druck auf Unternehmen steigen, ausreichend Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen.


