Heinz Lederer übernimmt den Vorsitz des ORF-Stiftungsrats und will österreichische Werbegelder sichern

September 5, 2025 15:22
Heinz Lederer übernimmt den Vorsitz des ORF-Stiftungsrats und will österreichische Werbegelder sichern

SALZBURG / WIEN: Der neue ORF-Stiftungsratsvorsitzende setzt auf Service statt Inkasso, moderne Technik und klare Regeln für faire Konkurrenz. Der jährliche Abfluss von 2,7 Milliarden Euro österreichischer Werbegelder ins Ausland soll gestoppt werden. Darüber berichtet Welt Stimme.

Der ORF-Stiftungsrat hat seit Juni einen neuen Vorsitzenden. Heinz Lederer, ein versierter Medien- und Kommunikationsexperte, übernahm am 16. Juni 2025 die Leitung des obersten Aufsichtsgremiums mit 32 Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Langjährige Erfahrung im ORF-Gremium

Lederer ist seit Jahren Mitglied im Stiftungsrat, entsandt von der SPÖ. Zuvor war er Kommunikationschef der Partei und ist heute als PR-Berater tätig. Er bringt umfangreiche Kenntnisse über politische Mechanismen und die Herausforderungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit.

Prioritäten für die Zukunft

In einem ausführlichen Gespräch hat der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats seine Visionen für die nächsten Jahre dargelegt. Neben der technischen Modernisierung des Unternehmens und einer transparenten Gehaltsstruktur hebt er eines hervor: Werbegelder sollen in Österreich bleiben – und nicht an internationale Internetgiganten abfließen.

Fokus auf Technik und Programm

Die Grundlage zukünftiger Arbeiten bildet die Bildung zweier Ausschüsse: der Programmausschuss sowie der Finanz-, Technik- und Personalausschuss. Laut Lederer ist die technische Weiterentwicklung entscheidend für die Zukunft des ORF. „Wir müssen KI-fit werden, unsere Archive modernisieren und auf Smart Producing setzen“, betont er. Der Trend gehe hin zu schnellen, digitalen Inhalten und immer mehr „User Generated Content“, der in direkter Konkurrenz zu etablierten Medienhäusern steht.

Serviceorientierte Kommunikation

Der ORF plant, die Gebühreneinhebung künftig auf Augenhöhe mit den Kundinnen und Kunden zu gestalten. „Wer Kunden verärgert, riskiert langfristig seinen Ruf – auch wenn er im Recht ist. Wir wollen Respekt und ein faires Miteinander“, erklärt Heinz Lederer. Eine neue Führung im Kundenservice soll diese Kultur fördern und Qualitätsstandards gewährleisten.

Herausforderung durch Werbegeldabfluss

Lederer äußert sich kritisch über den jährlichen Abfluss von rund 2,7 Milliarden Euro österreichischer Werbegelder an internationale Konzerne wie Google, Amazon und Facebook.

„Das ist der wahre Gegner – nicht die heimische Konkurrenz. Dieses Geld fehlt in der heimischen Medienlandschaft, gefährdet Arbeitsplätze und schwächt den österreichischen Medienstandort“,

bekräftigt er. Daher fordert er faire gesetzliche Rahmenbedingungen, Kooperationen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien sowie Initiativen wie „Must Carry“, um sicherzustellen, dass heimische Inhalte auf allen Plattformen sichtbar sind.

Transparenz bei Gehältern

Mit einem Ethikkodex möchte der ORF-Stiftungsratsvorsitzende künftig offenlegen, wie sich die Gehälter der Journalistinnen und Journalisten im Unternehmen zusammensetzen. „Es geht nicht um Neid, sondern um Nachvollziehbarkeit. Wer welche Funktion hat, soll klar und transparent ersichtlich sein“, stellt er klar.

Verantwortung des ORF

Trotz veränderter Mediennutzung und Streaming-Trends sieht Lederer den ORF weiterhin als verlässlichen Garant für faktenbasierten Journalismus. Neben den Nachrichten sind seine bevorzugten Formate „ZiB 1“ und „ZiB 2“ sowie „Willkommen Österreich“. Zudem wünscht er sich eine Neuauflage des legendären „Club 2“ als Plattform für offene Diskussionen.

„Unser Ziel muss sein, gemeinsam den österreichischen Medienstandort zu stärken – nicht, uns gegenseitig das Wasser abzugraben“,

unterstreicht der Stiftungsratsvorsitzende am Ende des Gesprächs.

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