Jeder dritte Beschäftigte in Österreich fordert mehr Homeoffice-Möglichkeiten

September 26, 2026 10:23
Jeder dritte Beschäftigte in Österreich fordert mehr Homeoffice-Möglichkeiten

Studie zeigt Divergenz zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen bei Homeoffice

Eine aktuelle Studie von Deloitte Österreich und der Universität Graz zeigt, dass Homeoffice für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag gehört, jedoch die Erwartungen an flexible Arbeitsmodelle zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen auseinandergehen.

Für die Untersuchung wurden rund 500 Personen befragt. In sieben von zehn Unternehmen ist Homeoffice für mindestens die Hälfte der Mitarbeitenden möglich; vor allem in großen Organisationen hat sich das Arbeiten von zu Hause etabliert. Zwei bis drei Homeoffice-Tage pro Woche sind dort mittlerweile die gängigsten Modelle.

Die Auswirkungen der Coronapandemie seit 2020 haben die Verbreitung von Homeoffice enorm gesteigert. Isabella Schleifer, Director im Bereich Human Capital bei Deloitte Österreich, erklärt: „Nach einem ersten leichten Rückgang 2024 zeigt sich nun: Die Entwicklung hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Homeoffice ist damit vom Krisenmodell zum festen Bestandteil des österreichischen Arbeitsalltags geworden.“ Trotz überwiegender Zufriedenheit mit den bestehenden Optionen möchte jede dritte befragte Person häufiger im Homeoffice arbeiten. Im Bewerbungsprozess hat das Thema zudem an Bedeutung gewonnen; die Hälfte der Unternehmen registriert gestiegene Erwartungen an Homeoffice. Führungskräfte zeigen sich jedoch zurückhaltend gegenüber einer weiteren Ausweitung.

Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Graz, stellt fest, dass insbesondere der informelle Austausch und persönliche Kontakte unter der neuen Art der Zusammenarbeit leiden. „Die Befragung zeigt ein klares Spannungsfeld: Einerseits werden die Effekte von Homeoffice auf Arbeitgeberattraktivität sowie Gesundheit und Produktivität überwiegend positiv bewertet. Andererseits gibt es deutliche Herausforderungen auf sozialer Ebene.“

Neben Homeoffice hat sich auch Gleitzeit etabliert, jedoch sind Modelle wie Sabbaticals, Job Rotation oder teilautonome Teams weniger verbreitet. Neun von zehn Unternehmen bewerten flexible Arbeitsformen als Vorteil für ihre Mitarbeitenden. Katrin Hintermeier, Senior Managerin bei Deloitte Österreich, betont, dass Unternehmen Flexibilität nicht nur als Instrument zur Mitarbeiterbindung nutzen sollten. „Wer Flexibilität strategisch nutzt, kann Talentpools erschließen und den Fachkräftemangel besser bewältigen.“

Deloitte sieht Künstliche Intelligenz als einen Faktor, der flexible Arbeitsformen verändern wird. Zukünftig könnten Aufgaben zwischen Menschen und KI aufgeteilt werden, Arbeitsabläufe autonomer organisiert und Ergebnisse mehr als Anwesenheit bewertet werden. Isabella Schleifer fordert Unternehmen auf, gezielt in Technologien zu investieren und Mitarbeitende auf Veränderungen vorzubereiten.

Einordnung

Die Studie verdeutlicht die Herausforderungen und Chancen von Homeoffice in Österreich. Die unterschiedlichen Erwartungen zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen erfordern ein Umdenken, um die Vorteile flexibler Arbeitsmodelle zu maximieren.

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