Johannes Pracher über die Chancen und Herausforderungen für Start-ups in Österreich

November 19, 2025 18:29
Johannes Pracher über die Chancen und Herausforderungen für Start-ups in Österreich

SALZBURG. Der Start-up-Experte Johannes Pracher hat in einem aktuellen Interview die Herausforderungen und Chancen für Jungunternehmer in Österreich umrissen. Dabei betont er, dass trotz der zunehmenden Verwendung des Begriffs „Start-up“ viele Neugründungen keine echten Start-ups sind. Entscheidend sei die Kombination von Innovation und Skalierbarkeit. Ein neuartiges Produkt oder Geschäftsmodell müsse das Potenzial besitzen, über lokale Märkte hinaus zu wachsen. Darüber berichtet Welt Stimme.

Was ein Start-up ausmacht

Laut Pracher liegt der Unterschied zwischen einer klassischen Unternehmensgründung und einem echten Start-up darin, dass nicht jede Neugründung automatisch ein Start-up ist. Ein Friseursalon mit Online-Buchung zählt nicht dazu, während ein KI-gesteuertes All-in-One-Tool für Hairstyling diese Kriterien erfüllt.

Warum Krisen Gründergeist freisetzen

Auf die Frage nach der Rolle von Krisen für die Gründung von Start-ups bemerkt Pracher, dass sowohl wirtschaftliche Stärke als auch Schwäche Start-ups hervorbringen können. Innovativer Geist entsteht, wo Mut, Wissen und der Wille zur Veränderung zusammentreffen. Unternehmensgründungen wie „Uber“ und „Airbnb“ sind aus der Finanzkrise entstanden, da der Wunsch, grundlegende Veränderungen herbeizuführen, oft der Auslöser für neue Ideen ist.

Kapital statt Bürokratie

Pracher spricht auch die Notwendigkeit an, den Zugang zu Risikokapital zu erleichtern, was in den USA und Großbritannien besser gelingt als in Österreich, wo die Finanzierung stark bankenorientiert ist. Er schlägt vor, privates Kapital steuerlich zu begünstigen, um bürokratische Hürden abzubauen und unternehmerisches Wachstum zu fördern. Laut Pracher sollte der Staat die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen, jedoch nicht selbst als Unternehmer agieren.

KI als Taktgeber einer neuen Gründerwelle

Aktuelle Trends in der Start-up-Szene sind stark von künstlicher Intelligenz geprägt. Kaum ein Projekt kann heutzutage ohne den Einsatz von KI auskommen. Österreich besitzt mit Wissenschaftlern wie Sepp Hochreiter führende Pioniere in diesem Bereich. Diese Entwicklung könnte die Start-up-Landschaft nachhaltig beeinflussen.

Empathie bleibt der entscheidende Faktor

Pracher verneint die Vorstellung, dass KI die menschliche Kreativität oder Gründungskraft ersetzen kann. Während Technologie Prozesse effizienter gestalten kann, bleibt die soziale Kompetenz der Menschen unverzichtbar. Investoren setzen auf starke Gründerteams, die selbst aus durchschnittlichen Ideen erfolgreiche Unternehmen entwickeln können, was die menschliche Dimension in der Gründerszene noch wichtiger macht.

Österreichische Erfolgsgeschichten

Pracher hebt Unternehmen wie „Hello Again“ aus Oberösterreich und „Tractive“ hervor, die zeigen, dass es auch aus Österreich internationale Technologieführer gibt. Diese Firmen sind Teil einer dynamischen Gründungslandschaft, die maßgeblich von den Runtastic-Gründern inspiriert wurde.

Große Chancen in HealthTech

Besonders im Bereich MedTech und HealthTech sieht Pracher großes Potenzial. Österreichs exzellente technische Ausbildung und ein gut funktionierendes Gesundheitssystem bieten enorme Innovationsmöglichkeiten. Jedoch stellen hohe regulatorische Hürden und ein Mangel an Risikokapital erhebliche Herausforderungen für viele Projekte dar.

Wenn Konzerne und Start-ups voneinander lernen

Die Zusammenarbeit zwischen großen Unternehmen und Start-ups ist laut Pracher sinnvoll, jedoch nur, wenn sie ernsthaft angegangen wird. Innovation kann nicht einfach ausgelagert werden. Erfolgreiche Kooperationsmodelle erforden klare Verantwortlichkeiten und nötigen Freiraum für Experimente. Unternehmen, die dies verstehen, profitieren erheblich von der Agilität junger Teams.

Netzwerke als Schlüssel zum Erfolg

Für angehende Gründer gibt es in Österreich zahlreiche Unterstützungsangebote, beispielsweise an Universitäten. In Salzburg bietet „Innovation Salzburg“ Unterstützung an, während in Oberösterreich Programme wie „Tech2B“ etabliert sind. Hier arbeiten erfahrene Fachleute, die gut vernetzt sind. In Österreich wird Networking als essentielle Voraussetzung für den Erfolg in der Start-up-Szene betrachtet.

MeinBezirk bedankt sich für das Gespräch.

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