Die Tourismusbranche steht vor enormen Herausforderungen durch die Klimakrise, Fachkräftemangel und geopolitische Unsicherheiten. Auf dem Kongress „Resilienter Tourismus und Digitalisierung – Betriebe und Organisationen stärken!“ an der FH Salzburg wurde erörtert, wie die Branche zukunftsfähiger gestaltet werden kann. Darüber berichtet Welt Stimme.
PUCH/SALZBURG. Der Genetiker und Autor Markus Hengstschläger eröffnete die Veranstaltung mit einem eindringlichen Appell: „Man muss sich auf die Dinge vorbereiten, auch ohne zu wissen, wann und woher Krisen kommen.“ Er unterstrich die Bedeutung aktiver Lösungsfindung, auch wenn direkt sichtbare Lösungen fehlen. „Wer sich bewegt, erhöht seine Resilienz – und findet manchmal Lösungen, die er gar nicht gesucht hat.“ Diese Gedanken prägten die Tagesordnung und stellten Resilienz als Schlüsselkompetenz dar, um aus Unsicherheiten Stärke zu gewinnen.
Der Kongress war Teil des INTERREG-Forschungsprojekts „Resilienter Tourismus“, initiiert von der FH Salzburg, der FH Kufstein Tirol sowie dem Chiemgau Tourismus e.V. Ziel des Projekts ist es, den Tourismus im Alpenraum widerstandsfähiger zu gestalten. Martina Sageder, Departmentleiterin für Business & Tourism an der FH Salzburg, erklärte: „Wir wollen Impulse setzen, die direkt in die Praxis wirken – in Betriebe, Regionen und in die Köpfe der Menschen.“
Resilienz messbar machen
Ein zentrales Ergebnis des Kongresses war die Entwicklung eines neuen Resilienz-Index, der drei Bereiche untersucht:
- Ökonomisch: z. B. Saisonalität und Aufenthaltsdauer,
- Ökologisch: etwa Anteil nachhaltiger Betriebe und Tourismusdichte,
- Gesellschaftlich: unter anderem Tourismusintensität und Bezahlung.
Eine Präsentation zur Resilienz-Analyse zeigte, dass Salzburg im oberen Mittelfeld liegt, während Regionen wie der Chiemgau und Innsbruck besonders hohe Werte aufwiesen. Helena Gey von der FH Kufstein Tirol betonte: „Resilienz ist komplex und schwer zu greifen. Darum ist Austausch so wichtig – Wissen muss geteilt, Innovationen gefördert werden.“
Ein weiteres Resultat des Projekts ist ein Resilienz-Tool für Tourismusunternehmen. Es kombiniert Finanzkennzahlen, Soft Facts und den Resilienz-Index, um Dienstleistungen für Betriebe zu optimieren. Der zugehörige Maßnahmenkatalog bietet Handlungsempfehlungen von strategischer Planung bis hin zu Mitarbeiterführung. Hierbei wird Forschung in praktische Unterstützung für Unternehmen umgesetzt, die sich auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten wollen.
„Verantwortung übernehmen“
Die Notwendigkeit zur Übernahme von Verantwortung war ein zentrales Thema der Keynote von Alexander Aisenbrey, Geschäftsführer der Vorreiter AG und „Hotelier des Jahres“. Er erklärte: „Krisen sind keine Ausnahme mehr, sie sind die neue Normalität. Wer bestehen will, muss Verantwortung übernehmen – für seine Mitarbeitenden, für die Umwelt und für sich selbst.“
Neue Technologien bieten Lösungen, um diese Verantwortung zu unterstützen. In den Impulsvorträgen präsentierten Anja Kirig vom Zukunftsinstitut und Marco Maier von Tawny.AI, wie Künstliche Intelligenz und Vision AI den Tourismus nachhaltiger und effizienter gestalten können. „Digitalisierung und Resilienz gehören zusammen“, war eine der zentralen Erkenntnisse. „Wer digitale Werkzeuge versteht und sinnvoll einsetzt, kann Krisen nicht nur bewältigen, sondern daraus wachsen.“


