Michalitsch: 2026 bietet Chancen für Arbeitnehmer in Österreich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen

Jänner 14, 2026 07:28
Michalitsch: 2026 bietet Chancen für Arbeitnehmer in Österreich trotz wirtschaftlicher Herausforderungen

Gerhard Michalitsch über die aktuelle Wirtschaftslage im Burgenland und die Herausforderungen für die Arbeitswelt

Arbeiterkammer Burgenland-Präsident Gerhard Michalitsch äußert sich zur gegenwärtigen Wirtschaftslage, der Lehrstellenlücke und der Notwendigkeit für neun Arbeiterkammern in Österreich. Darüber berichtet Welt Stimme.

Wie ist die Stimmung in den Betrieben des Burgenlands angesichts der aktuellen Wirtschaftslage?
GERHARD MICHALITSCH: Die Stimmung ist sehr unterschiedlich und hängt stark von der Branche ab. Während der Handel in den letzten Monaten, nicht nur zur Weihnachtszeit, positive Entwicklungen verzeichnete, sieht es im produzierenden Sektor und im Gastgewerbe anders aus. Ein einheitliches Bild lässt sich daher nicht zeichnen, jedoch scheinen alle Branchen leichte Verbesserungen zu zeigen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Wirtschaftslage persönlich ein?
Ich bin vorsichtig optimistisch und empfinde eine leicht positivere Stimmung, als sie von den Wirtschaftsforschern prognostiziert wird. Dieses Gefühl resultiert aus zahlreichen Gesprächen mit Beschäftigten, Betriebsräten, Inhabern und Geschäftsführern.

Über 12.000 Menschen im Burgenland sind derzeit arbeitslos. Wie lassen sich in dieser Situation Optimismus und Fortschritt fördern?
Die Unternehmen müssen das umsetzen, was sie signalisieren. Sinkt die Nachfrage nach Fachkräften, werden auch weniger Auszubildende eingestellt. Dieses Vorgehen ist problematisch, da die Ausbildung von Lehrlingen drei Jahre in Anspruch nimmt. Die Wirtschaft ist in der jetzigen Zeit gefordert, genug Lehrstellen anzubieten, um ausreichend Fachkräfte für die Zukunft zu sichern, wenn die wirtschaftliche Erholung einsetzt. Andernfalls wird erneut über einen Fachkräftemangel geklagt.

Die Wirtschaftskammer hat im vergangenen Herbst eine Vertrauenskrise durchlebt. Welche Auswirkungen hat das auf die Arbeiterkammer?
Sie haben Recht, dass es eine Vertrauenskrise innerhalb der Wirtschaftskammer gibt. Wir profitieren jedoch von dem hohen Vertrauen, das unsere Mitarbeiter genießen. Vor 30 Jahren hatten wir ähnliche Probleme, und die Wirtschaftskammer muss nun überlegen, wie sie das Vertrauen ihrer Mitglieder zurückgewinnen kann. Nur so kann sie ein starker Partner in der Sozialpartnerschaft werden, wo essentielle Themen wie Löhne und Arbeitsbedingungen verhandelt werden. Effektives Arbeiten benötigt zwei starke Partner für ein robustes Sicherungssystem in Österreich. Daher ist es notwendig, dass die Wirtschaftskammer an Reformen und dem Wiederaufbau von Vertrauen arbeitet, was ich ihr zutraue.

Ist die Anzahl der Arbeiterkammern in Österreich auf neun gerechtfertigt?
Das ist eine grundlegende Systemfrage. Die derzeitige Struktur macht neun Arbeiterkammern notwendig. Bei Überlegungen zu einem alternativen System muss hinterfragt werden, was dabei besser und effizienter wird. Wir arbeiten seit Jahren daran, unseren Service und unsere Leistungen zu verbessern. Mit der Regionalisierung in den neun Bundesländern können wir besser auf regionale Fragestellungen eingehen, wie zum Beispiel bei der Umsetzung neuer Pflegeregionen im Burgenland. Es ist wichtig, dass die betroffenen Arbeitnehmer, die von einem Träger zum anderen wechseln, keine Nachteile erleiden. Sollte es nur eine bundesweite Arbeiterkammer geben, müsste dennoch irgendeine Struktur vorhanden sein, um regionale Belange zu berücksichtigen. Wenn eine strukturelle Diskussion dazu führt, diese Aspekte nicht mehr zu beachten, lehne ich diese ab.

Welche Neuigkeiten erwarten uns im Jahr 2026, die für Arbeitnehmer relevant sind?
Es gibt Bewegungen in vielen Rechtsbereichen; besonders interessant ist das Thema Pension, einschließlich Teilpension und der Anpassung des Frauenpensionsalters. Im Burgenland werden die neuen Pflegeregionen rund 400 Beschäftigte betreffen. Ein weiteres wichtiges Thema wird der Lohnraub und das Sozialdumping sein; hierzu planen wir im März einen Kontrollgipfel mit allen relevanten Behörden. Darüber hinaus werden wir uns mit den Themen leistbare Mieten und steigende Lebenshaltungskosten auseinandersetzen. Auf Bundesebene gibt es hierfür noch viel zu tun, und wir werden beobachten, ob die aktuellen Maßnahmen ausreichen oder ob Anpassungen nötig sind. Das kommende Jahr 2026 hält viel Arbeit bereit, aber es bietet auch Chancen, da es kein Wahljahr ist. Diese Zeit sollte von Politikern auf Bundes- und Landesebene genutzt werden, um aktuelle Herausforderungen anzugehen und den Populisten durch gute Sachpolitik den Nährboden zu entziehen.

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