Neue Erkenntnisse der Tiroler Umit zur schonenden Behandlung von Stimmproblemen

September 27, 2026 09:33
Neue Erkenntnisse der Tiroler Umit zur schonenden Behandlung von Stimmproblemen

Forschung an Stimmlippen könnte neue Therapieansätze ermöglichen

HALL. Forscherinnen und Forscher der Umit Tirol und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) analysieren den inneren Aufbau von Stimmlippen. Ziel des Projektes „Structure2Sound“ ist es, herauszufinden, wie die Gewebestruktur die Schwingung der Stimmlippen beeinflusst.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der österreichische Wissenschaftsfonds FWF unterstützen das Vorhaben mit insgesamt rund 674.000 Euro. Im Zentrum der Untersuchung steht die extrazelluläre Matrix, ein Netzwerk aus Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure. Nach Operationen, Bestrahlungen oder im Alter kann es in diesem Bereich zu Narbenbildungen kommen, die die Stimmschwingung beeinträchtigen.

Für die Experimente verwenden die Wissenschaftler Kehlköpfe von Schweinen, da diese in Aufbau und Schwingungsverhalten den menschlichen Stimmlippen ähneln. Durch den gezielten Abbau von Gewebebestandteilen mithilfe von Enzymen untersuchen sie die Auswirkungen. Ein Kompressor simuliert die Lunge, während Hochgeschwindigkeitskameras und Drucksensoren die Ergebnisse erfassen. Parallel entwickelt das Team an der Umit Tirol eine neue Messmethode, bei der Gewebe in eine Pipette gesaugt und optisch analysiert wird. Projektleiter Raphael Lamprecht beschreibt dies als Möglichkeit, tiefere Einblicke in das Verhalten der Stimmlippen zu gewinnen.

Die Ergebnisse könnten langfristig Menschen mit vernarbten Stimmlippen zugutekommen. Narbengewebe, das oft ungeordnetes Kollagen enthält, kann die natürliche Schwingungsfähigkeit der Stimmlippen beeinträchtigen. Eine gezielte Abbaustrategie könnte ein geordnetes Wiederwachstum der Gewebestrukturen fördern. Auch für altersbedingte Stimmveränderungen oder Stimmlippenlähmungen bieten die Erkenntnisse potenzielle Therapieansätze. Marion Semmler, Projektleiterin vom Universitätsklinikum Erlangen, betont, dass ein besseres Verständnis der Gewebestruktur zu schonenderen Behandlungsmethoden führen könnte.

Einordnung

Die Forschung an den Stimmlippen könnte grundlegende Veränderungen in der Behandlung von Stimmstörungen ermöglichen. Durch ein besseres Verständnis der Gewebestrukturen ergeben sich neue, gezielte Therapieansätze, die möglicherweise weniger invasiv sind und die Lebensqualität von Betroffenen verbessern können.

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