Rund 68 Prozent der Wienerinnen und Wiener nutzen regelmäßig Online-Shopping, wobei viele durch soziale Medien auf asiatische Billig-Anbieter wie Temu und Shein aufmerksam gemacht werden. Die Wirtschaftskammer Wien (WKW) warnt davor, dass vermeintliche Schnäppchen langfristig erhebliche Probleme verursachen können.
WIEN. Online-Shopping ist inzwischen ein fester Bestandteil des Einkaufsverhaltens in Wien. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft, im Auftrag der WKW, kaufen sieben von zehn Wienern regelmäßig im Internet ein.
Besorgniserregend ist die wachsende Dominanz asiatischer Online-Plattformen, die von einem Drittel der Wiener Verbraucher regelmäßig genutzt werden, insbesondere der Billiganbieter Temu.
Laut Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der WKW, wurden im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Euro online ausgegeben, wovon 65 Prozent an ausländische Anbieter flossen.
Preisverfall als gefährlicher Köder
Gumprecht hebt hervor, dass die aggressive Werbung dieser Billig-Plattformen über soziale Medien ein zentrales Problem darstellt. „Junge Menschen werden mit vermeintlichen Schnäppchen gelockt, dabei entsprechen viele dieser Produkte nicht den europäischen Sicherheitsanforderungen“, warnt sie. Die niedrigeren Preise täuschten, da die Unternehmen häufig gesetzliche Vorschriften umgehen würden. Viele Produkte sind unzureichend gekennzeichnet und könnten gesundheitliche Risiken bergen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die komplizierte Rückabwicklung. Auf vielen dieser Plattformen sind Rücksendungen entweder gar nicht möglich oder mit hohen Kosten verbunden, sodass viele Käufer unpassende Produkte eher wegwerfen, als sie zurückzugeben. Das führt jährlich zu tausenden Tonnen zusätzlichen Mülls in Österreich. „Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass billig automatisch günstig ist“, betont Gumprecht weiter.
Strenge Regulierung als Lösung
Um diesen Problemen entgegenzuwirken, plädiert Gumprecht für die Förderung regionaler Anbieter. „Der heimische Handel steht für Qualität, Transparenz, faire Arbeitsbedingungen und steuerliche Beiträge vor Ort“, erläutert sie. Zudem fordert sie eine verstärkte Marktüberwachung, einheitliche Produktsicherheitsstandards sowie Berichtspflichten für ausländische Online-Marktplätze. „Die Sicherheit der Konsumenten darf nicht an nationalen Grenzen enden. Wer in Europa verkaufen will, muss sich auch an europäische Regeln halten“, so Gumprecht.
Besonders beliebt sind Modeartikel unter den Billig-Anbietern. Etwa die Hälfte aller Wienerinnen und Wiener kauft ihre Bekleidung online. Temu plant außerdem, künftig Lebensmittel nach Europa zu liefern. „Wenn Plattformen, die bereits durch gefährliche Chemikalien bei Textilien in der Kritik stehen, auch in den Lebensmittelmarkt vordringen, dann ist das ein eindeutiges Alarmsignal“, resümiert Gumprecht, die dringend wirksame Regulierungen fordert.


