Im Zuge eines Trends wird die Reparatur dem Entsorgen vorgezogen. Die tendenziell nachhaltige Lebensweise führt auch dazu, dass das Schumacher-Handwerk in Wien wiederbelebt wird.
WIEN. Der Trend des Reparierens rettet nicht nur die Kleidung vor dem Ende in der Mülltonne, sondern hilft auch beim Wiederbeleben einer alten Wiener-Kunst: dem Schumacher-Handwerk. Diese erlebt laut Mirko Snajdr, Landesinnungsmeister der Wiener Schuhmacher, derzeit eine „stille Renaissance“ – eine direkte Folge des Bedürfnisses, nachhaltiger zu leben. Darüber berichtet Welt Stimme.
Obwohl laut der Wirtschaftskammer der Schuhmacherbetrieb in den letzten zehn Jahren von 205 auf 181 zurückgegangen ist, hat sich der Trend, sein Eigentum zu reparieren, anstatt wegzuwerfen, längst bemerkbar gemacht.
Neukauf zweitrangig
Da in der Regel der Kauf von neuen Schuhen mehrere hundert Euro in Anspruch nimmt, würden immer mehr Wienerinnen und Wiener zu der geldbörsenfreundlicheren Alternative greifen. Besonders beim hochwertigen Schuhwerk würde die Reparatur deutlich bevorzugt. Der vergleichsweise leichte Rückgang von den Reparaturbetrieben – von 130 auf 115 – würde ebenfalls die Stabilität der Zunft aufzeigen.
So können Sohlen oder auch Absätze ersetzt und mithilfe von Initiativen wie dem Reparaturbonus kann dies ermöglicht werden. Da durch diesen Bonus die Wiederverwendung gefördert wird, soll dieser im Dezember wieder aufgelegt werden.
Handwerk genießt internationales Ansehen
Doch nicht nur innerhalb der Landeshauptstadt genießt das Wiener Schumacher-Handwerk seine Beliebtheit. Besonders das orthopädische Schuhwerk ist weltweit gefragt. Menschen aus aller Welt würden nach Wien kommen, um Maßschuhe anfertigen zu lassen.
Die Landeshauptstadt sei auch ein beliebter Ausbildungsstandort für anstrebende Schuhmacher. Das zeigt sich beispielsweise beim Gesellen Maximilian Schiebel, der eine Lehre in diesem Handwerk begonnen hat. Für diese brach er sogar sein Studium an der WU ab. „Ich habe gewusst, ich muss irgendwas mit den Händen machen“, sagt Schiebel.
Durch das Comeback der Wiener Schuhmacher würde somit nicht nur das Konsumbewusstsein reformiert, sondern auch Wertschätzung für alte Handwerkskunst geschaffen.


