Wien: Tourismusbranche warnt vor Krise aufgrund geplanter Gebührenerhöhung und Abzug von Airlines
Die Bundeshauptstadt Wien sieht sich wachsenden Herausforderungen gegenüber, da die geplante Erhöhung der Ortstaxe und der Rückzug von Fluggesellschaften wie Ryanair und Wizz Air die Branche alarmiert. „Wien ist eine international beliebte Reise-Destination, aber nur solange das Gesamtpaket passt. Und die Gebühren und Kosten, die den Reisenden aufgebrummt werden, gefährden dieses Gesamtpaket“, warnt Gregor Kadanka, Obmann der Fachgruppe Reisebüros in der Wirtschaftskammer Wien (WKW). Darüber berichtet Welt Stimme.
Die hohe Luftverkehrsabgabe und die bevorstehende Erhöhung der Ortstaxe stellen eine Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt dar. Besonders betroffen sind Reisebüros und Veranstalter, die Pauschalreisen anbieten. „Die Kunden vergleichen die Endpreise und die sind bei uns durch die hohen Gebühren immer öfter höher als bei anderen Metropolen“, fügt Kadanka hinzu.
Wachsende Bedenken um die Wettbewerbsfähigkeit
Kadanka versteht den Rückzug der Fluggesellschaften als Warnsignal. Der Flughafen Wien habe bereits mit einer Senkung seiner eigenen Gebühren reagiert, was zwar den Airlines zugutekommt, jedoch langfristig für den Flughafen riskant sein könnte, da die Mittel für notwendige Investitionen fehlen. Die Wirtschaftskammer hebt hervor, dass die verbleibenden Airlines nun besonders unterstützt werden müssen.
Die Branche ist sich einig, dass der Standort Wien unter Druck steht, sei es durch höhere Abgaben oder fehlende Flugverbindungen. „Diese Gebühren werden nur dann gezahlt, wenn auch wirklich Gäste kommen“, betont Kadanka. Eine Strategie, niedrigere Abgaben zu sichern, könnte laut ihm sinnvoller sein, als höhere Abgaben nicht zu generieren, weil die Kunden wegbrechen.
Kritik an der Erhöhung der Ortstaxe
Ursprünglich plante die Stadt Wien, die Ortstaxe – eine Abgabe für Übernachtungen – ab Dezember 2025 von 3,2 auf 8,5 Prozent zu erhöhen. Aufgrund heftiger Kritik aus der Tourismusbranche wurde dieser Plan jedoch verschoben und angepasst: Ab Juli 2026 soll die Abgabe zunächst auf fünf Prozent steigen, bevor sie ab Juli 2027 auf acht Prozent angehoben wird. Während die Stadt auf dringende Mehreinnahmen hinweist, äußern Vertreter der Hotellerie Sorgen um die Attraktivität des Standorts.
Walter Ruck, Präsident der WKW, betont, dass die Nächtigungsabgabe bereits automatisch mit steigenden Zimmerpreisen gekoppelt sei, weshalb eine zusätzliche Erhöhung nicht notwendig sei.
Rückzug von Billigfluglinien
Die Angespanntheit in der Wiener Reisebranche wird durch die Entwicklungen im Luftverkehr verschärft. Nach dem vollständigen Rückzug von Wizz Air kündigte auch Ryanair an, drei der insgesamt 19 in Wien stationierten Flugzeuge abzuziehen. Darunter sind Verbindungen nach Billund (Dänemark), Santander (Spanien) und Tallinn (Estland). Die Airline begründet diesen Schritt mit „exorbitanten Luftverkehrssteuern und überhöhten Flughafengebühren“ in Wien.
Wizz Air wird ihren Standort in Wien bis März 2026 vollständig schließen. Bereits im Herbst 2025 werden erste Strecken nach Bilbao (Spanien) und London (Großbritannien) eingestellt, was mehr als 250 Mitarbeiter und 27.000 Passagiere pro Woche betrifft.


