Vier EU-Länder zahlten Russland mehr für Gas als sie der Ukraine halfen

Oktober 1, 2025 16:00
Vier EU-Länder zahlten Russland mehr für Gas als sie der Ukraine halfen
Vier EU-Länder zahlten Russland mehr für Gas als sie der Ukraine halfen

Vier Mitgliedstaaten der Europäischen Union – Frankreich, Belgien, Spanien und die Niederlande – haben zwischen 2022 und 2025 deutlich mehr Geld für russisches Flüssigerdgas (LNG) ausgegeben, als sie an Unterstützung für die Ukraine bereitstellten. Laut einer von Greenpeace veröffentlichten Analyse, auf die sich eine Untersuchung von Deutsche Wellebezieht, beliefen sich die Ausgaben dieser vier Länder für russisches LNG auf 34,3 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum stellten sie der Ukraine zusammengenommen 21,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

Wachsende Abhängigkeit vom russischen LNG

Trotz der Bemühungen, den Energieimport aus Russland zu reduzieren, steigen die LNG-Lieferungen seit Jahren. Da die Gasflüsse über Pipelines stark eingeschränkt wurden, hat sich der Transport auf dem Seeweg erheblich ausgeweitet. Hauptlieferant ist das Unternehmen „Jamal LNG“, dessen Verkäufe nach Europa von 2022 bis 2024 rund 40 Milliarden Dollar einbrachten. Davon flossen nach Schätzungen von Greenpeace etwa 9,5 Milliarden Dollar in Form von Steuern in den russischen Staatshaushalt – Gelder, die nach Angaben der Organisation theoretisch in die Produktion von Artilleriegeschossen, Drohnen oder Panzern hätten fließen können.

2024 erreichten die EU-Importe von russischem LNG mit 22 Milliarden Kubikmetern ein Rekordniveau – 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg der Marktanteil Russlands am europäischen LNG-Handel auf über 20 Prozent.

Politischer Druck und neue Sanktionen

Im September 2025 verabschiedete die Europäische Kommission ein 19. Sanktionspaket gegen Russland. Es sieht ein Einfuhrverbot für russisches LNG ab Januar 2027 vor. Ursprünglich sollte dieses Verbot erst Ende 2027 greifen, doch der Zeitplan wurde unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump vorgezogen. Trump warf europäischen Staaten vor, die russische Kriegsführung in der Ukraine indirekt mitzufinanzieren. Das Sanktionspaket wird Anfang Oktober endgültig beschlossen.

Greenpeace und andere Organisationen weisen darauf hin, dass die Wirkung der Sanktionen deutlich erhöht würde, wenn die EU auch Transporte von LNG per Tankschiff ins Visier nähme. Eine weitere Option wäre ein Embargo gegen „Novatek“, den wichtigsten russischen LNG-Anbieter in der EU.

Streit über Abhängigkeit von US-Lieferungen

Während Greenpeace vor einer wachsenden Abhängigkeit der EU von US-amerikanischem LNG warnt, verweisen Energieexperten auf zentrale Unterschiede: Norwegen bleibt der wichtigste Gaslieferant Europas und gilt als verlässlicher Partner, der Energie nie als Druckmittel eingesetzt hat. Auch die USA sind ein Verbündeter der EU, nicht ein geopolitischer Gegner. Zudem arbeitet Brüssel aktiv daran, die Lieferketten weiter zu diversifizieren, um nicht in eine neue Monopolabhängigkeit zu geraten.

Im ersten Halbjahr 2025 importierte die EU bereits 52,7 Milliarden Kubikmeter LNG aus den USA. Parallel dazu investiert die Union in Infrastruktur für Gasimporte aus Katar und Australien, was die Bezugsquellen zusätzlich verbreitert.

Perspektiven für den globalen LNG-Markt

Die kommenden Jahre werden voraussichtlich tiefgreifende Veränderungen auf dem weltweiten LNG-Markt bringen. 2026 und 2027 sollen in den USA, Katar und Australien zahlreiche neue Produktions- und Exportkapazitäten ans Netz gehen. Dies dürfte zu einem Überangebot führen und Europa weitere Spielräume bei der Diversifizierung eröffnen. Besonders Katar könnte sich dabei als wichtiger zusätzlicher Lieferant für den europäischen Markt etablieren.

Ein weiterer Faktor: China dürfte seinen LNG-Import aus den USA und Australien schrittweise reduzieren, da es deren Politik zunehmend als feindlich einstuft. Diese Umverlagerung könnte zusätzliche Gasmengen nach Europa lenken und den Wettbewerb auf dem Markt verschärfen.

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