Rusal plant vorübergehende Stilllegung von vier Werken und bittet Moskau um Unterstützung

August 31, 2026 16:10
Rusal plant vorübergehende Stilllegung von vier Werken und bittet Moskau um Unterstützung
Rusal plant vorübergehende Stilllegung von vier Werken und bittet Moskau um Unterstützung

Der russische Aluminiumkonzern Rusal plant, vier defizitäre Rohstoffbetriebe in Russland vorübergehend stillzulegen, und hat sich deshalb an Ministerpräsident Michail Mischustin gewandt. Betroffen sind das Pikaleowo-Aluminiumoxidwerk in der Region Leningrad, das Nordural-Bauxitbergwerk sowie die Aluminiumoxidwerke Bogoslowsk und Ural im Gebiet Swerdlowsk. Nach Angaben des Unternehmens verursachen die Anlagen zusammen jährlich rund 800 Millionen US-Dollar Verlust.

Rusal ersuchte die russische Regierung zugleich, eine staatliche Unterstützung der betroffenen Regionen und Gemeinden zu prüfen. Der Konzern erklärte, die sozioökonomischen Folgen einer Konservierung der Kapazitäten möglichst begrenzen zu wollen. In den Städten, in denen die Werke liegen, zählen die Betriebe zu den wichtigsten Arbeitgebern. Besonders genannt werden Krasnoturjinsk, Norduralsk und Kamensk-Uralski.

Vier Betriebe im Rohstoffbereich

Bei den geplanten Maßnahmen geht es nicht um Aluminiumhütten, sondern um vorgelagerte Produktionsstufen. Das Pikaleowo-Aluminiumoxidwerk verarbeitet Rohstoffe für die Aluminiumproduktion. Das Nordural-Bauxitbergwerk liefert Bauxit, während die Werke Bogoslowsk und Ural Aluminiumoxid herstellen. Die vier Anlagen bilden damit einen Teil der Rohstoffbasis, auf die Rusal für seine industrielle Produktion in Russland angewiesen ist.

Das Unternehmen beziffert die notwendigen Investitionen zur Wiederherstellung des Rohstoffblocks auf 1,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig weist Rusal für die vier Betriebe einen jährlichen Verlust von 800 Millionen US-Dollar aus. Die Zahlen wurden in Medienberichten über den an die Regierung gerichteten Plan genannt. Eine Darstellung des Rusal-Plans und der finanziellen Belastung bezieht sich auf die Angaben zum Antrag des Konzerns.

Die geplante Konservierung steht nach den vorliegenden Angaben im Zusammenhang mit den Folgen der westlichen Sanktionen gegen Russland nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Sanktionen haben den Zugang russischer Unternehmen zu internationalen Märkten und Technologien eingeschränkt. Für Rusal veränderten sich dadurch auch Beschaffung und Logistik.

Sanktionen und höhere Produktionskosten

Als weitere Belastungen werden steigende Kosten für Ersatzteile, Anlagen, Dienstleistungen von Auftragnehmern und Bahntransporte genannt. Hinzu kommen höhere Inlandstarife für Strom sowie eine hohe industrielle Inflation. Nach den Angaben zum Rusal-Fall muss der Konzern außerdem asiatischen Abnehmern Preisnachlässe gewähren, was die Gewinnspanne zusätzlich verringert.

Rusal verlor zudem die Kontrolle über wichtige ausländische Vermögenswerte. Genannt wird insbesondere das Aluminiumoxidwerk in Mykolajiw in der Ukraine. Auch Lieferungen von Rohstoffen aus Australien stehen dem Konzern nicht mehr wie zuvor zur Verfügung. Damit wurde die frühere Liefer- und Produktionsstruktur des Unternehmens unterbrochen.

Die Kostenentwicklung trifft auf ältere Bergwerke und Industrieanlagen, die nach den Angaben des Unternehmens erhebliche Investitionen benötigen. Für die Wiederherstellung des gesamten Rohstoffbereichs veranschlagt Rusal 1,8 Milliarden US-Dollar. Die geplante vorübergehende Stilllegung betrifft daher nicht nur einzelne Produktionsstandorte, sondern mehrere Betriebe innerhalb der russischen Rohstoffkette des Konzerns.

Risiken für Industriestädte

Die unmittelbaren sozialen Risiken liegen in den sogenannten Monostädten, deren Arbeitsmarkt stark von einzelnen Industriebetrieben geprägt ist. Eine Konservierung der Rusal-Kapazitäten könnte dort Arbeitsplätze gefährden. Betroffen wären nach den vorliegenden Angaben vor allem Beschäftigte der Werke und die von ihnen abhängigen Familien. Als mögliche Folgen werden sinkende Haushaltseinkommen und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit genannt.

Auch für die Kommunen und Regionen könnte die Entwicklung finanzielle Auswirkungen haben. Im Gebiet Swerdlowsk liegen drei der betroffenen Unternehmen, ein weiterer Betrieb befindet sich in der Region Leningrad. Sollten Gewinne und Beschäftigung zurückgehen, könnten den regionalen Haushalten Einnahmen aus Unternehmenssteuern und der Einkommensteuer entgehen. Die Angaben beschreiben dies als Risiko für die Finanzierung von Infrastruktur, kommunalen Dienstleistungen und öffentlichem Verkehr.

Die Aufmerksamkeit für den Standort Pikaleowo ist zusätzlich durch frühere Proteste geprägt. Im Jahr 2009 kam es dort zu Demonstrationen im Zusammenhang mit der Schließung stadtprägender Unternehmen. Die aktuelle Debatte über eine mögliche Konservierung des Aluminiumoxidwerks knüpft an diese regionale Erfahrung an, ohne dass damit bereits eine konkrete Entscheidung über die endgültige Schließung des Betriebs verbunden wäre. Darüber berichtete auch eine Meldung zur geplanten Konservierung und zur Vorgeschichte in Pikaleowo.

Bitte an die Regierung

Rusal fordert nach den vorliegenden Informationen nicht nur eine Prüfung regionaler Hilfen. Im Raum stehen demnach auch staatliche Unterstützung, günstigere Stromtarife und steuerliche Erleichterungen. Der Konzern verbindet den Antrag mit dem Hinweis auf die Verluste der betroffenen Anlagen und auf die sozialen Folgen, die eine Stilllegung in den Industriestädten haben könnte.

Damit liegt die Entscheidung über die Zukunft der vier Betriebe nicht allein beim Unternehmen. Die russische Regierung müsste bei einer Unterstützung auch die Auswirkungen auf Regionen und Gemeinden berücksichtigen. Zugleich würde eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln die Kosten der wirtschaftlich defizitären Anlagen teilweise auf den Staat verlagern. Ob und in welcher Form Moskau auf das Schreiben reagiert, war in den vorliegenden Berichten zunächst nicht angegeben.

Rusal steht damit vor der Frage, ob die veralteten Rohstoffkapazitäten mit hohen Investitionen weiterbetrieben oder vorübergehend konserviert werden sollen. Für die betroffenen Beschäftigten und Kommunen bleibt zunächst entscheidend, wie die Regierung den Antrag des Konzerns bewertet.

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