Der serbische Präsident Aleksandar Vučić erklärte am 11. Oktober 2025 in einem Interview mit dem Blatt Informer, dass er enttäuscht sei über Moskaus Entscheidung, Belgrad nach monatelangen Verhandlungen nur einen kurzfristigen Vertrag über Erdgaslieferungen bis Ende 2025 anzubieten. Die serbische Regierung hatte einen Dreijahresvertrag mit dem russischen Konzern „Gazprom“ angestrebt. Vučić betonte, er habe sich in diesem Jahr bereits zweimal mit Wladimir Putin getroffen, um eine langfristige Versorgung zu sichern. Dennoch enden die derzeitigen Liefergarantien am 31. Dezember 2025.
US-Sanktionen gegen NIS verschärfen die Lage
Vučić vermutet, dass Moskaus restriktive Haltung mit den von den USA verhängten Sanktionen gegen das serbische Energieunternehmen NIS zusammenhängt, an dem der Kreml über „Gazprom Neft“ 44,9 Prozent der Anteile hält. Die Sanktionen wurden zwar bereits im Januar 2025 beschlossen, ihr Inkrafttreten jedoch mehrmals verschoben, während Belgrad und Washington über mögliche Ausnahmen verhandelten. Seit dem 1. Oktober 2025 gelten die Maßnahmen nun endgültig.
Der serbische Präsident erklärte, Washington habe Druck auf Belgrad ausgeübt, die Nationalisierung von NIS einzuleiten – eine Option, die Vučić ablehnte, da er „kein fremdes Eigentum stehlen“ wolle. Die kurze Vertragslaufzeit für die Gaslieferungen wertete er als Signal Russlands, dass Serbien im Falle einer solchen Nationalisierung riskieren würde, bereits zum Jahresende 2025 von der Gasversorgung abgeschnitten zu werden.
Wachsende Spannungen zwischen Belgrad und Moskau
Die Episode zeigt erneut, wie stark Moskau Energie als geopolitisches Druckmittel einsetzt. Serbien, das weiterhin Kandidat für einen EU-Beitritt ist, steht vor einem strategischen Dilemma. Während die Beziehungen zu Russland auf historischen und kulturellen Bindungen beruhen, hat die Abhängigkeit von russischer Energiepolitik für Belgrad zunehmend politische Kosten.
Mehrere Vertreter der EU, darunter der Hohe Vertreter Josep Borrell, haben Serbien aufgefordert, seine Außenpolitik mit der des Blocks abzustimmen, insbesondere im Hinblick auf Russland und China. Vučićs Teilnahme an einer Militärparade in Moskau hatte bereits zuvor Kritik in Brüssel ausgelöst, da sie den Eindruck einer Annäherung an den Kreml verstärkte.
Europas Geduld mit Serbien schwindet
Seit drei Jahrzehnten versucht Serbien, zwischen seiner historischen Bindung an Russland und seinem Wunsch nach EU-Integration zu balancieren. Doch Brüssel sendet zunehmend klare Signale: Wenn Belgrad Teil der Europäischen Union werden will, muss es sich strategisch entscheiden.
Analysten weisen darauf hin, dass Russland in erster Linie seine eigenen geopolitischen Interessen verfolgt. Das Engagement Moskaus auf dem Balkan ist Teil seiner breiteren Strategie eines „multipolaren Weltordnungsmodells“, in dem es gemeinsam mit China versucht, westlichen Einflusssphären entgegenzutreten.
Serbien hingegen erhält vom Westen konkrete wirtschaftliche und sicherheitspolitische Perspektiven, während Russland nur symbolische Rhetorik von „slawischer Brüderlichkeit“ anbietet. Immer mehr Stimmen in Belgrad erkennen, dass die Unterstützung einer aggressiven Macht langfristig zur Isolation führt – und dass eine klare Entscheidung zugunsten Europas überfällig ist.


