Russisches Medienprojekt Rybar ließ in Tschechien prorussische Beiträge drehen

September 22, 2026 17:35
Russisches Medienprojekt Rybar ließ in Tschechien prorussische Beiträge drehen
Russisches Medienprojekt Rybar ließ in Tschechien prorussische Beiträge drehen

Das russische Medienprojekt „Rybar“ ließ in Tschechien Material für einen prorussischen Dokumentarbeitrag produzieren. Nach einem am 21. September 2026 veröffentlichten Bericht traten die Beteiligten dabei als Vertreter einer internationalen Mediengruppe oder als deutsche Journalisten auf. Bei einem Treffen in Prag wurden der Kameramann Igor Dolmatow und der Reporter Witali Tschaschuchin identifiziert. Beide hatten zuvor für russische propagandistische Fernsehsender gearbeitet.

Die Recherche beschreibt eine verdeckte Arbeitsweise, bei der die tatsächliche Verbindung zum russischen Medienprojekt nicht offengelegt worden sein soll. Die Beteiligten suchten demnach Gespräche mit tschechischen und slowakischen Experten, Politikern sowie Vertretern der Zivilgesellschaft. Ziel war es, Material für einen Beitrag zu sammeln, der den Eindruck einer ausgewogenen und international zusammengesetzten Berichterstattung vermitteln sollte. In diesem Rahmen sollte die russische Propaganda als eine von mehreren gleichberechtigten Sichtweisen erscheinen.

Die Vorgänge wurden in einer tschechischen Recherche zur verdeckten Operation dokumentiert. Das Treffen in Prag diente dabei zur Identifizierung der Personen, die an den Aufnahmen beteiligt waren. Als Kameramann wurde Igor Dolmatow genannt, als Reporter Witali Tschaschuchin.

Verbindungen zu russischer Propaganda

Das Projekt „Rybar“ steht nach den vorliegenden Angaben mit Michail Swिनtschuk in Verbindung. Swinčuk befindet sich wegen seiner Unterstützung der russischen Aggression gegen die Ukraine auf einer Sanktionsliste der Europäischen Union. Die Angaben zur Verbindung zwischen dem Medienprojekt und dem sanktionierten Akteur waren Teil der Einordnung des Vorgangs.

„Rybar“ ist in dem beschriebenen Fall nicht offen als russisches Propagandaprojekt aufgetreten. Stattdessen sollen die Vertreter gegenüber möglichen Gesprächspartnern den Eindruck erweckt haben, für eine internationale Mediengruppe oder für deutsche Medien zu arbeiten. Auf diese Weise konnten sie Interviews mit Personen anbahnen, die ihre tatsächliche redaktionelle Zugehörigkeit möglicherweise nicht kannten.

Die Recherche nennt als mögliche Gesprächspartner tschechische und slowakische Fachleute, Politiker und gesellschaftliche Akteure. Die Aufnahmen sollten in einen Beitrag einfließen, der durch die Auswahl der Gesprächspartner und die Darstellung verschiedener Positionen den Anschein journalistischer Ausgewogenheit erzeugt. Die prorussische Sichtweise sollte dabei nicht als zentrale Vorgabe des Projekts erkennbar sein, sondern als angeblich gleichwertiger Teil einer breiteren Debatte erscheinen.

Arbeiten über lokale Strukturen

Der Fall betrifft damit nicht nur die Veröffentlichung eines einzelnen Beitrags. Nach den Angaben zur Recherche wurden für die Produktion Personen eingesetzt, die sich in der Europäischen Union legal aufhalten und sich innerhalb des Schengen-Raums bewegen können. Die Dreharbeiten in Tschechien erfolgten über eine Gruppe, deren Mitglieder ihre Verbindung zu russischen Propagandamedien gegenüber den kontaktierten Personen nicht offenlegten.

In der beschriebenen Struktur bleiben die Auftraggeber oder die politische Verbindung eines Projekts im Hintergrund, während die eigentliche Kontaktaufnahme vor Ort durch Reporter und Kameraleute erfolgt. Für die angesprochenen Interviewpartner ist dadurch zunächst nicht ohne Weiteres erkennbar, für welches Medium das Material bestimmt ist und in welchem redaktionellen Zusammenhang es später verwendet werden soll.

Der Einsatz von Personen mit Wohnsitz oder Aufenthaltsmöglichkeit in EU-Staaten kann es solchen Projekten ermöglichen, sich im öffentlichen Raum weniger auffällig zu bewegen. Im konkreten Fall wurden dafür jedoch keine neuen rechtlichen oder institutionellen Maßnahmen angekündigt. Festgehalten wurde vielmehr die Vorgehensweise bei der Anbahnung von Interviews und bei der Produktion des Materials.

Sanktionen und verdeckte Medienarbeit

Die Verbindung zu einem von der EU sanktionierten Akteur zeigt in diesem Fall zugleich die begrenzte Reichweite einer Maßnahme, die sich gegen eine bestimmte Person oder gegen einen bekannten Projektleiter richtet. Die journalistische Recherche beschreibt, dass die Produktion über weitere Beteiligte und eine vor Ort tätige Filmgruppe fortgesetzt werden konnte. Die Sanktion gegen Michail Swinčuk verhinderte demnach nicht, dass mit „Rybar“ verbundene Personen in einem EU-Mitgliedstaat Interviewmaterial zu beschaffen versuchten.

Entscheidend war dabei die gewählte Außendarstellung. Die Gruppe trat nicht mit einem offen deklarierten Auftrag für russische Staats- oder Propagandamedien auf, sondern verwendete die Bezeichnungen einer internationalen Mediengruppe beziehungsweise deutscher Journalisten. Dadurch wurde die Herkunft des Projekts gegenüber potenziellen Gesprächspartnern verschleiert.

Die Vorgänge in Tschechien reihen sich nach den vorliegenden Angaben in eine Arbeitsweise ein, bei der propagandistische Inhalte unter dem Erscheinungsbild unabhängiger Berichterstattung oder alternativer Medien produziert werden. Im Zentrum des konkreten Falls stehen die Identifizierung von Igor Dolmatow und Witali Tschaschuchin, ihre frühere Tätigkeit für russische Fernsehsender sowie die Verbindung des Projekts „Rybar“ zu Michail Swinčuk. Die Recherche befasst sich damit, wie das Material beschafft werden sollte und welche Darstellung anschließend entstehen sollte.

Die Beteiligten wollten nach den Angaben des Berichts ein Bild erzeugen, in dem prorussische Positionen als Teil eines vermeintlich breiten und ausgewogenen europäischen Meinungsspektrums erscheinen. Die Gespräche mit tschechischen und slowakischen Gesprächspartnern sollten diesem Zweck dienen. Die Aufklärung der Identitäten erfolgte bei einem Treffen in Prag.

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