Umfrage zeigt: 99 Prozent der Handelsangestellten in der Steiermark lehnen Sonntagsarbeit ab

November 9, 2025 07:42
Umfrage zeigt: 99 Prozent der Handelsangestellten in der Steiermark lehnen Sonntagsarbeit ab

In der Steiermark gibt es erneut heftige Diskussionen über die Frage, ob der Einzelhandel am Sonntag öffnen darf. Eine aktuelle Umfrage der Gewerkschaft GPA zeigt, dass 99 Prozent der Beschäftigten sonntags nicht arbeiten möchten. Währenddessen sieht die Wirtschaftskammer (WKO) keinen Bedarf für Handlungsbedarf.

STEIERMARK. Die GPA führte eine Umfrage in zwölf Einkaufszentren der Steiermark durch, an der 1.493 Handelsangestellte teilnahmen. Von diesen lehnten 98,6 Prozent die Sonntagsarbeit ab. Norbert Schunko, Landesgeschäftsführer der GPA Steiermark, fordert, dass der Sonntag ein Tag für Familie und Erholung bleiben sollte. „Die steirischen Handelsbeschäftigten brauchen planbare Freizeit und verlässliche Erholungszeiten. Sonntagsarbeit würde die Belastung erhöhen, ohne echten Nutzen zu bringen. Wir sagen klar: Der Sonntag bleibt frei“, betont Schunko.

Die Gewerkschaft warnt, dass eine Liberalisierung der Öffnungszeiten den Druck im bereits anspruchsvollen Arbeitsalltag erhöhen und die Planbarkeit von Freizeit und Familienzeit gefährden würde. Zudem gebe es keine Beweise dafür, dass längere Öffnungszeiten zu zusätzlichen Umsätzen führen würden. „Weniger Planbarkeit der Arbeitszeiten, fehlende Kinderbetreuungsangebote sowie zusätzliche Kosten für Unternehmen – ohne Aussicht auf gesicherte Mehreinnahmen“, so die GPA.

WKO: „Unternehmen haben andere Sorgen“

Die Wirtschaftskammer Steiermark zeigt sich gelassen in dieser Debatte. Laut Gerhard Wohlmuth, Obmann der Sparte Handel der WKO Steiermark, steht eine generelle Änderung der Ladenöffnungszeiten momentan nicht zur Diskussion. „Es gibt laufende Evaluierungen, wir richten uns da aber nach den Unternehmen“, sagt Wohlmuth und verweist auf die bestehenden Ausnahmeregelungen, die als ausreichend erachtet werden. Zudem betont er, dass Unternehmen derzeit andere Herausforderungen zu bewältigen haben.

Zur Sonntagsöffnung in der Steiermark

In Österreich gilt laut Öffnungszeitengesetz der Sonntag grundsätzlich als gesetzlicher Ruhetag. Verkaufsstellen müssen an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben, sofern keine besondere Ausnahme vorliegt.

In der Steiermark regelt zusätzlich die Öffnungszeitenverordnung, in welchen Fällen Sonntagsöffnungen erlaubt sind. Diese betreffen vor allem bestimmte Branchen und touristisch geprägte Regionen:

  • Tourismus- und Wallfahrtsorte: In Orten wie Mariazell, Schladming oder Bad Aussee dürfen Geschäfte an bestimmten Zeiten auch an Sonn- und Feiertagen öffnen.
  • Bäckereien und Lebensmittelverkaufsstellen: dürfen sonntags und feiertags vormittags offenhalten, etwa für den Verkauf von Backwaren, Milchprodukten und Getränken des täglichen Bedarfs.
  • Tankstellen und Bahnhöfe: dürfen ganzjährig geöffnet sein.

Für den Großteil der Handelsbetriebe, wie Mode-, Elektro- oder Möbelgeschäfte, ist die Sonntagsöffnung in der Steiermark untersagt.

Generation Z zeigt Interesse an Sonntagseinkauf

Eine Studie des Instituts für Handel an der Universität Linz zeigt, dass das Einkaufsverhalten der jüngeren Generation im Wandel ist. Besonders bei der Generation Z, also jenen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden, ist die Bereitschaft zum Sonntagskauf groß. Über 70 Prozent dieser Generation würden gerne auch sonntags einkaufen. In Wien sagten mehr als 60 Prozent, dass sie zumindest gelegentlich sonntags Einkäufe tätigen möchten.

Ob die Diskussion um die Sonntagsöffnung in der Steiermark erneut an Fahrt aufnimmt, wird letztlich von den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen und dem wirtschaftlichen Druck auf die Branche abhängen. Derzeit bleibt es jedoch bei der bestehenden Regelung: Der Sonntag ist Ruhetag – für Beschäftigte wie für Kundinnen und Kunden. Darüber berichtet Welt Stimme.

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