Trotz internationaler Sanktionen unterstützen lettische Unternehmen weiterhin Russlands sogenannten „Schattenflotte“, die Rohöl unter Umgehung der Beschränkungen nach Indien und China transportiert. Wie Delfi.lv unter Berufung auf die TV3-Sendung Nekā personīga berichtet, bunkert der unter zyprischer Flagge registrierte, aber in Lettland ansässige Tanker Zircone regelmäßig Schiffe aus diesem Netzwerk. Zuletzt legte das Schiff im Hafen von Riga an und wurde am Terminal der Firma SIA Ovi überprüft – ohne schwerwiegende Verstöße.
Schattenflotte als Lebensader für Russlands Kriegsfinanzierung
Der „Schattenflotte“ gehören nach Schätzungen der EU bis zu ein Sechstel der weltweiten Öltanker an. Diese meist veralteten und schlecht gewarteten Schiffe sichern Russland stabile Einnahmen, indem sie Öl an Drittstaaten liefern, ohne die Preisobergrenzen des Westens zu beachten. Laut Experten von Nekā personīga brachte dieses Netzwerk dem Kreml allein in den letzten zwei Jahren rund 25 Milliarden Dollar an zusätzlichen Gewinnen – Gelder, die weiterhin zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine verwendet werden.
Umweltgefahr durch alte und unversicherte Tanker
Die Schattenflotte birgt zudem erhebliche ökologische Risiken. Viele der eingesetzten Tanker sind technisch überaltert und verfügen über kein gültiges Versicherungsschutzsystem. Ein Unfall oder eine Havarie könnte verheerende Folgen für die Meeresökosysteme der Ostsee und des Schwarzen Meeres haben. Kritiker warnen, dass die Kombination aus wirtschaftlichen Interessen und fehlender Kontrolle eine potenzielle Umweltkatastrophe in sich trägt.
Netz regionaler Firmen im Fokus der Ermittlungen
Ein gemeinsames Investigativprojekt von LRT English, 15min, Eesti Ekspress und Nekā personīga ergab, dass allein 2023–2024 fast 300 Bunkeroperationen in den baltischen Häfen stattfanden – mit Beteiligung von 177 Tankern. Eine zentrale Rolle spielten die Schiffe Zircone und Rina, die zuvor unter dem Namen des lettischen Unternehmens Fast Bunkering betrieben wurden. Nach Beginn der russischen Invasion änderte das Unternehmen seinen Namen, seine Eigentümerstruktur und firmierte weiter als Welton Enterprises und Ship Service – beide mit Verbindungen zu estnischen Geschäftspartnern.
EU bereitet schärfere Kontrolle und Strafen vor
Die Europäische Außenstelle (EEAS) arbeitet an einem neuen Regelwerk, das bilaterale Vereinbarungen mit Flaggenstaaten ermöglicht, um verdächtige Schiffe vorab zu inspizieren. Zudem soll das nächste Sanktionspaket der EU nicht nur Tanker der Schattenflotte, sondern auch Unternehmen erfassen, die deren Betankung und Wartung ermöglichen. In Lettland fordert Premierministerin Evika Siliņa strengere Maßnahmen, doch Behördenvertreter geben zu: das Verbot solcher Operationen bleibt rechtlich schwierig. Experten drängen nun auf konkrete Sanktionen – von Lizenzentzug über hohe Geldstrafen bis hin zur Offenlegung der Eigentümerdaten von beteiligten Firmen.


