RIA Nowosti veröffentlichte und löschte Beitrag mit atomaren Drohungen gegen Litauen

September 26, 2026 15:15
RIA Nowosti veröffentlichte und löschte Beitrag mit atomaren Drohungen gegen Litauen
RIA Nowosti veröffentlichte und löschte Beitrag mit atomaren Drohungen gegen Litauen

Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti veröffentlichte am 25. September 2026 einen Beitrag über einen möglichen Krieg zwischen Russland und Litauen. Der Beitrag trug die Überschrift „Russland erwartet eine weitere militärische Sonderoperation. Sie wird sehr kurz sein“ und wurde später entfernt.

Als Anlass nannte der Autor eine Entscheidung des litauischen Seimas, das verfassungsrechtliche Verbot der Stationierung von Atomwaffen im Land aufzuheben. Nach Darstellung des Beitrags habe Europa Russland zuvor die Ukraine „verkauft“, indem es dort eine Sicherheitsbedrohung geschaffen habe. Sollte Litauen nukleare Sprengköpfe stationieren, müsse Russland demnach ebenfalls handeln.

Der Autor Alexander Nosowitsch schrieb außerdem, Russland habe die Wahl, „wie es kämpfen“ wolle. Ein militärischer Konflikt werde kurz ausfallen; der Kreml könne auf den Einsatz von Bodentruppen verzichten und stattdessen mit Atomschlägen auf die Stationierung entsprechender Raketen reagieren. Diese Aussagen sind Behauptungen und Einschätzungen des Autors, keine bestätigten staatlichen Beschlüsse.

Nach einiger Zeit wurde der Beitrag gelöscht. Als Begründung hieß es, das Material entspreche nicht der Auffassung der Redaktion, der redaktionellen Politik und der Staatspolitik der Russischen Föderation.

Quelle des Berichts

Einordnung der vorliegenden Angaben

In der bereitgestellten Einordnung wird die Veröffentlichung als Versuch hybriden Drucks und nuklearer Erpressung bewertet. Demnach sollte die Darstellung europäische Zielgruppen einschüchtern und die Verantwortung für eine mögliche Eskalation von Moskau auf die NATO verlagern. Diese Bewertung stammt aus der Quelle und ist nicht unabhängig belegt.

Als möglicher Grund für die Auswahl Litauens wird dessen geografische Lage genannt. Der Suwalki-Korridor und die Grenze zur russischen Region Kaliningrad machten das Land zu einem empfindlichen Punkt an der Ostflanke der NATO. Die Darstellung eines kurzen Konflikts ohne Bodentruppen wird in der Quelle als Hinweis auf eine mögliche Konzentration auf asymmetrische und besonders zerstörerische Angriffe interpretiert.

Die schnelle Löschung des Beitrags wird dort außerdem als mögliches Testen der öffentlichen und politischen Reaktionen beschrieben. Dabei könnten radikale Aussagen zunächst über ein staatliches Medium verbreitet und anschließend entfernt werden, um diplomatische Risiken zu begrenzen. Ob die Veröffentlichung einem solchen Zweck diente, lässt sich anhand der vorliegenden Angaben nicht feststellen.

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