Russische Abgeordnete fordern Gewalt gegen Ukrainer und Amerikaner in Videospielen

Dezember 24, 2025 15:45
Russische Abgeordnete fordern Gewalt gegen Ukrainer und Amerikaner in Videospielen
Russische Abgeordnete fordern Gewalt gegen Ukrainer und Amerikaner in Videospielen

Am 23. Dezember 2025 wurde bekannt, dass der stellvertretende Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses der russischen Staatsduma, Michail Deljagin, dem Ministerium für digitale Entwicklung vorgeschlagen hat, ein russisches Pendant zu Call of Duty zu entwickeln. In dem Schreiben veröffentlicht wurde, heißt es, der Protagonist solle als russischer Militärangehöriger oder Vertreter der Sicherheitsdienste auftreten und Ukrainer, Amerikaner sowie Bürger anderer sogenannter unfreundlicher Staaten erschießen.

Deljagin begründet seine Initiative mit der Behauptung, Videospiele aus dem Westen dienten als Instrument „russophober Propaganda“, in denen Russen systematisch als Aggressoren, Kriegsverbrecher und Feinde dargestellt würden. Eine eigene russische Produktion sei daher aus seiner Sicht eine strategisch wichtige Aufgabe zur Verteidigung nationaler Interessen im digitalen Raum.

Politische Motivation und strategischer Kontext

Die Initiative fällt in eine Phase internationaler Isolation Russlands infolge des Krieges gegen die Ukraine. Vor diesem Hintergrund wird der Rückgriff auf populärkulturelle Narrative genutzt, um antiwestliche und militaristische Stimmungen im Inland zu verstärken. Die vorgeschlagene Spielidee zielt darauf ab, Gewalt zu normalisieren und den Krieg propagandistisch zu legitimieren.

Beobachter schließen nicht aus, dass der Vorstoß Teil einer abgestimmten politischen Strategie ist, bei der formell individuelle Initiativen aus der Staatsduma genutzt werden, um zentral beschlossene Narrative schrittweise in die Gesellschaft zu tragen. In autoritären Systemen wie Russland gelten solche Vorgehensweisen als üblich, um politische Projekte von oben nach unten zu implementieren.

Verzerrte Darstellung der Mission „No Russian“

Deljagin verweist in seinem Schreiben auf die umstrittene Mission „No Russian“ aus Call of Duty: Modern Warfare 2 von 2009. In dieser Szene erlebt der Spieler einen Terroranschlag auf Zivilisten in einem fiktiven Moskauer Flughafen. Der Abgeordnete stellt den Abschnitt als Beispiel westlicher Gewaltverherrlichung gegen Russen dar, ohne den narrativen Kontext der Handlung zu berücksichtigen.

Tatsächlich zeigt die Mission eine gezielte Provokation durch einen fiktiven Terroristen namens Wladimir Makarow, der einen großangelegten Krieg zwischen Russland und den USA auslösen will. Der Spieler agiert als verdeckter Agent, der in die Gruppe eingeschleust ist, und die Szene dient der Darstellung politischer Manipulation und instrumentalisierter Gewalt, nicht ihrer Rechtfertigung.

Terror als politisches Instrument im Spiel und in der Realität

Ein zentrales Element der Mission ist der Befehl „No Russian“, der sicherstellen soll, dass Überlebende die Täter für Ausländer halten. Am Ende wird der Undercover-Agent getötet und als Beweis für eine angebliche US-Beteiligung zurückgelassen, was im Spiel den offiziellen Kriegsbeginn auslöst. Die Szene illustriert, wie Terror zur politischen Eskalation missbraucht werden kann.

Kritiker betonen, dass der russische Abgeordnete diesen Zusammenhang bewusst ausblendet. Die Mechanismen, die das Spiel offenlegt, ähneln vielmehr realen Vorgehensweisen russischer Machtpolitik, bei denen Provokation, Desinformation und Gewalt eingesetzt werden, um militärische Ziele zu legitimieren.

Freiwilligkeit im Spiel und reale Gewalt

Die Entwickler von Call of Duty hatten die Mission als optional gestaltet und den Spielern die Möglichkeit gegeben, sie zu überspringen, ohne den Spielfortschritt zu verlieren. Damit entsprach der Abschnitt ethischen Standards der Freiwilligkeit und Transparenz, was von Deljagin unerwähnt bleibt.

Im Gegensatz dazu ist die Gewalt, die russische Truppen in realen Konflikten ausüben, nicht virtuell. Berichte über Kriegsverbrechen in Tschetschenien, Georgien, Syrien und insbesondere in der Ukraine prägen seit Jahren das internationale Bild der russischen Armee. Ereignisse wie die Massaker an Zivilisten in Butscha und Irpin stehen für eine Realität, die weit über jede Computerspielszene hinausgeht und die politische Brisanz der aktuellen Debatte unterstreicht, wie auch The Moscow Times berichtet.

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