Bauernvertreter aus Rohrbach kritisieren Mercosur-Abkommen: Ungleiche Wettbewerbsbedingungen gefährden heimische Landwirtschaft

Jänner 13, 2026 10:27
Bauernvertreter aus Rohrbach kritisieren Mercosur-Abkommen: Ungleiche Wettbewerbsbedingungen gefährden heimische Landwirtschaft

EU genehmigt Freihandelsabkommen mit Mercosur: Kontroversen in der Landwirtschaft

Am 9. Jänner stimmten die 27 EU-Mitgliedsstaaten mehrheitlich für das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Während die Wirtschaftskammer (WKO) die Entscheidung als bedeutenden Schritt für Europa feiert, äußern die Bauernvertreter ernsthafte Bedenken. Darüber berichtet Welt Stimme.

Die WKO-Präsidentin Doris Hummer bezeichnete das Freihandelsabkommen als „Meilenstein für Europa“, der auch große Chancen für Oberösterreich mit sich bringe. Sie betont, dass die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt mit über 700 Millionen Menschen einen riesigen Chancenmarkt darstellt.

Andreas Höllinger, Obmann der WKO Rohrbach, sieht das Handelsabkommen als essenziell für den langfristigen Erfolg als Exportnation: „Die Debatte und die daraus entstandenen Anpassungen des Abkommens waren erforderlich. Ein solches Abkommen trägt zukünftig zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand bei.“

Landwirtschaftskammer warnt vor Nachteilen für heimische Bauern

Die Vertreter der Landwirtschaft reagieren jedoch vehement auf das Abkommen. Bezirksbauernkammer-Obmann Martin Mairhofer äußert scharfe Kritik und erklärt, dass das Abkommen aus seiner Sicht nicht zustimmungsfähig sei: „Meine Aufgabe als Vertreter der Bauern ist es, diese zu schützen. Das ist mit Mercosur jedoch nicht möglich.“ Er betont die Wettbewerbsungleichheit, die durch die unterschiedlichen Produktionsstandards zwischen der EU und den Mercosur-Staaten entsteht.

Mairhofer hebt hervor, dass europäische Landwirte hohe Standards einhalten, während in Südamerika Pestizide verwendet werden, die in Europa längst verboten sind. „Viele Bäuerinnen und Bauern in Oberösterreich stehen ohnehin schon mit dem Rücken zur Wand. Der sinkende Milchpreis und die geopolitische Lage sind schwierig. Sie dürfen durch weitere internationale Einflüsse nicht zusätzlich belastet werden,“ fügt er hinzu.

Dennoch bekennt sich Mairhofer klar zum Handel: „Österreich ist ein Exportland, definitiv. Wir müssen exportieren, aber nur unter fairen Rahmenbedingungen.“ Er kritisiert die Verhandlungen als unzureichend und fordert, dass die Landwirtschaft als Teil der Versorgungssicherheit stärker berücksichtigt wird.

UBV fordert Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrung

Karl Keplinger, Landesobmann des Unabhängigen Bauernverbandes (UBV), zeigt sich ebenfalls unzufrieden und erklärt: „Es ist so gekommen, wie wir es vor Monaten angekündigt haben.“ Er beklagt, dass das Abkommen bereits seit 2020 vorbereitet gewesen sei und fordert eine Reduzierung der Auflagen für heimische Landwirte und eine klare Kennzeichnung von Importprodukten, die unter niedrigeren Standards hergestellt wurden.

Keplinger weist darauf hin, dass die Wettbewerbsverzerrung ausgeglichen werden müsse und auch eine CO2-Steuer für den Transport von Importprodukten notwendig sei. „Nur mit echter Transparenz und fairen Rahmenbedingungen kann die heimische Landwirtschaft geschützt werden,“ fordert er abschließend.

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