Beim Neujahrsauftakt der Industriellenvereinigung (IV) Steiermark wurde die Dringlichkeit struktureller Reformen betont. Mehr als 250 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, bei der die Notwendigkeit klarer Entscheidungen und deren konsequente Umsetzung hervorgehoben wurde. Der Tenor war unmissverständlich: Ohne Reformen gefährdet Österreich seine Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.
STEIERMARK/GRAZ. Bei der Neujahrsansprache der IV Steiermark präsentierte Präsident Kurt Maier ein nüchternes Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Die Probleme wie Rezession, hohe Budgetdefizite und die tiefgreifende industrielle Transformation stellen Wirtschaft und Gesellschaft vor immense Herausforderungen. Maier betonte jedoch, dass es wichtiger sei, die Probleme zu adressieren und konkrete Handlungen zu initiieren, anstatt nur zu diagnostizieren.
Im Gespräch mit Moderatorin Claudia Reiterer stellte Maier klar, dass erfolgreiche Regionen aktiv handeln, anstatt abzuwarten. „Transformation ist kein Zufall – sie muss gestaltet werden. Erfolgreiche Regionen haben nicht gewartet, sie haben koordiniert, spezialisiert und diversifiziert. Die Steiermark hat diese Stärken – die Frage ist, ob wir den Mut haben, neue Pfade zu gehen“, äußerte sich der IV-Steiermark-Präsident.
Was es braucht, um „gute Zukunft“ zu gestalten
Die IV Steiermark sieht sich als gesellschaftspolitisch verantwortlicher Think-Tank und verfolgt das Ziel, die Wirtschafts- und Lebensräume aktiv mitzugestalten. Inmitten globaler Umbrüche ist ein neuer Denkansatz sowie politischer Wille zur Umsetzung essenziell. Der Neujahrsauftakt widmete sich insbesondere der Frage, welche Weichenstellungen nötig sind, um ab 2026 eine „gute Zukunft“ zu ermöglichen.
Thomas Scherngell vom Austrian Institute of Technology hob aus wissenschaftlicher Perspektive die Chancen des industriellen Wandels hervor. Innovation könne bestehende industrielle Stärken in zukunftsfähige Technologien überführen, die zentrale gesellschaftliche Herausforderungen adressieren, etwa in der Elektromobilität oder digitaler Produktion. Internationale Beispiele zeigen zudem, dass regionale Resilienz dort entsteht, wo Akteure koordiniert zusammenarbeiten.
Budgetpolitik als Standortfrage
Eindeutig kritisch fiel die wirtschaftspolitische Analyse von Franz Schellhorn, Direktor der Agenda Austria, aus. Er wies auf internationale Vergleiche hin, die belegten, dass hohe Staatsausgaben allein kein nachhaltiges Wachstum sichern können. „Österreich steckt in einer veritablen Krise, und die Konjunktur allein wird das nicht richten“, so Schellhorn. Er plädierte für strukturelle Reformen und eine Ausgabenbremse nach Schweizer Vorbild.
Auch Maier warnte davor, sich auf eine konjunkturelle Erholung zu verlassen. Selbst ein leichtes Wachstum könne bestehende strukturelle Defizite nicht beheben. Die Industrie habe bereits Maßnahmen zur Kostensenkung und Restrukturierung ergriffen; nun sei der öffentliche Sektor gefragt. „Wir brauchen 2026 einen positiven Reformschock – ohne Tabus und mit klaren Entscheidungen“, postulierte der Präsident an die Entscheidungsträger.
Darüber berichtet Welt Stimme.


