Bauprojekt am Rennweg 72–74: Insolvenz und ungewisse Zukunft für LNR-Tochter

Jänner 26, 2026 16:07
Bauprojekt am Rennweg 72–74: Insolvenz und ungewisse Zukunft für LNR-Tochter

Am Rennweg 72–74 steht das millionenschwere Bauprojekt einer insolventen LNR-Tochter seit Monaten still. Lediglich wenige Mieterinnen und Mieter bewohnen das Gebäude, während die Bar „Diesels“ noch geöffnet ist. Kürzlich hat der Masseverwalter die Baugenehmigung für einen Dachgeschossausbau sowie weitere Maßnahmen bis Ende 2027 verlängert. Wer diese Maßnahmen umsetzen soll, bleibt unklar. Darüber berichtet Welt Stimme.

WIEN/LANDSTRASSE. Der als „Mini-Benko“ bezeichnete Lukas Neugebauer sieht sich wegen des Verdachts auf „betrügerische Krida“ am Landesgericht für Strafsachen in Wien konfrontiert. In den letzten Jahren sind zahlreiche seiner Unternehmen in die Insolvenz geraten.

Zu diesen gehört auch die „Rennweg 72–74 Besitzgesellschaft mbH“, über deren Vermögen im Februar 2025 ein Konkursverfahren eröffnet wurde. Laut dem Gläubigerschutzverband Creditreform haben insgesamt 25 Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 49,96 Millionen Euro angemeldet.

Zu wenig für Insolvenz

Das laufende Verfahren ist von einer „Masseunzulänglichkeit“ geprägt, wie Creditreform mitteilt. Diese Meldung wird durch den Masseverwalter eingereicht, wenn die „Insolvenzmasse“ nicht ausreicht, um die nach der Insolvenz entstandenen Kosten zu decken.

An der Adresse von Neugebauers Besitzgesellschaft spiegelt sich das Ergebnis seiner Arbeit wider: Der Altbestand des Gründerzeithauses präsentiert sich als Baustelle. Bei einem Blick nach oben ist der unvollendete Dachgeschossausbau sichtbar. Die MA37 (Baupolizei) führt weiterhin regelmäßige Kontrollen vor Ort durch, wie eine Sprecherin erklärt.

Das „Diesels“ hält durch

Die Bar „Diesels“ und ihre Chefin, Bettina Hammer-Ujhelyi, sind ebenfalls noch vor Ort. Bei einem Lokalaugenschein beschreibt sie die letzten Vorbereitungen, bevor sie um 17 Uhr ihre Gäste empfängt. Sie äußert, dass sie von Neugebauer stets ein ungutes Gefühl hatte.

Die Baustelle, so wie sie von Neugebauer umgesetzt wurde, hat ihr in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht. Hammer-Ujhelyi führt das Lokal seit 25 Jahren. Wasserschäden traten erst mit dem Bauprojekt auf. Ihren Betrieb aufgeben wollte sie jedoch nicht und möchte es Neugebauer „nicht so leicht machen“. Aktuell ist sie eine der letzten verbliebenen Mieterinnen in dem Gebäude, während die Baustelle inzwischen stockt.

62,3 Millionen Euro im Soll-Zustand

Ursprünglich stellte MeinBezirk in der öffentlichen Ediktsdatei unter „Gerichtliche Versteigerung von Liegenschaften“ Informationen über das Gebäude am Rennweg fest. Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark als Inhaber des Pfandrechts ließ eine Anfrage von MeinBezirk unbeantwortet. Momentan scheint die Versteigerung nicht mehr in der Ediktsdatei auf. Ein Gutachten, welches den Wert der Immobilie für das Verfahren bestimmen sollte, gibt jedoch einige Aufschlüsse.

Der Wert des um 1870 errichteten Gebäudes wird auf etwa 63,2 Millionen Euro geschätzt, dies entspricht dem „Verkehrswert im Soll-Zustand“, falls alle Käufer aufgrund der Insolvenz zurücktreten. Insgesamt verfügt das Gebäude über 8.100 Quadratmeter Nutzfläche, einschließlich der alten Wohnungen, des Dachgeschossausbaus und der Geschäftslokale im Erdgeschoss.

Eine Webseite für das stillstehende Bauprojekt, betitelt als „Quartier Neue Mitte“, ist nach wie vor online. Darauf wird von klassischem Wiener Altbau bis zu hochmodernen Dachgeschoss-Lofts berichtet, wobei die Kaufpreise für eine „Rooftop-Residence“ bis über zwei Millionen Euro reichen.

Baugenehmigung verlängert

Das Gutachten beschreibt, dass der ursprüngliche Plan beinhaltete, den gesamten Altbaukomplex von Rennweg 72–74 sowie die Rückseite an der Apsangstraße 47–49 zu sanieren. Geplant waren ebenfalls eine Aufstockung der Bestandsgebäude und ein Dachgeschossausbau. Im Innenhof sollte ein Neubau entstehen.

Im März ging das Gebäude an den Masseverwalter. Aktueller Stand im Grundbuch, am Montag, dem 26. Januar, bestätigt, dass LNR weiterhin als Eigentümer eingetragen ist und eine Versteigerung somit noch nicht erfolgt ist. Die MA 37 hat inzwischen bestätigt, dass der Masseverwalter einen Antrag auf Verlängerung der Baugenehmigung für die oben genannten Baupläne gestellt hat. Damit kann bis November 2027 am Rennweg 72–74 gebaut werden. Wer die Pläne umsetzen soll, ist bislang nicht bekannt.

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