Die Präsentation der Studie „Wohin gingen die Lohnerhöhungen?“ der AK Tirol hat ergeben, dass die Einkommenssteigerungen der Tiroler Arbeitnehmer seit Jänner 2022 die Inflation nur teilweise ausgeglichen haben. Zwei Drittel der Lohnerhöhungen wurden demnach direkt von höheren Preisen aufgezehrt. Darüber berichtet Welt Stimme.
TIROL. Die Analyse der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsordnung Innsbruck, beauftragt von der AK Tirol, umfasst den Zeitraum von Jänner 2022 bis Juni 2025. Die Studie beantwortet zentrale Fragen: Wohin gingen die Lohnerhöhungen, und reichten sie aus, um die Verluste durch die Teuerung auszugleichen?
Die Studie verdeutlicht, wie durchschnittliche 100 Euro Lohnerhöhung verwendet wurden, wobei folgende drei Bereiche angeführt werden:
- 11 Euro für Lebensmittel, Alkohol und Tabak
- 15 Euro für Wohnen und Miete
- 11 Euro für Gastronomie, darunter Mittagessen während der Arbeit oder Kantinenessen
Die verbleibenden 34 Euro flossen in andere Ausgaben wie:
- Kreditraten und steigende Kreditzinsen
- Taschengeld für Kinder
- Bausparverträge oder andere Spar- und Anlageformen
Insgesamt gingen etwa 66 Euro direkt an die gestiegenen Preise, was zeigt, dass die meisten Lohnerhöhungen nicht auf Sparkonten blieben, sondern den Lebenshaltungskosten zum Opfer fielen.
Reale Verluste für die Mehrheit der Arbeitnehmer
Trotz der Lohnerhöhungen verzeichnen 77 Prozent der Tiroler Arbeitnehmer reale Verluste durch die Inflation. Die Studie unterteilt die Arbeitnehmer in fünf Typen. Zwei Beispiele sind:
- Typ 1 – durchgehend beschäftigt bei einem Arbeitgeber („typischer Fall in Tirol“) → rund 2.100 Euro Inflationsverlust
- Typ 3 – wechselnde Jobs oder mehrere Arbeitgeber → teilweise ausgeglichene Verluste, „Gewinner“
Branchenunterschiede bei Inflationsverlusten
Die Höhe der Verluste variiert stark zwischen den Berufsgruppen. Metaller verlieren im Schnitt etwa 3.000 Euro.
Preis-Lohn-Spirale statt Lohn-Preis-Spirale
AK-Präsident Erwin Zangerl betonte: „Die Lohnerhöhungen sind nicht auf den Sparkonten der Tiroler gelandet, sondern direkt in die hohen Preise geflossen.“ Er fordert von der Wirtschaft Preisdisziplin und mehr staatliche Kontrolle. Die Studie wird den Parteien vorgelegt und in einer Sitzung mit der Bundesarbeiterkammer präsentiert. „Das ist eine gute Grundlage, um in diese Richtung zu arbeiten“, so Zangerl.
Präsenz bei der Pressekonferenz
Bei der Pressekonferenz waren neben Zangerl auch Stefan Jenewein, Vertreter der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsordnung Innsbruck, und Thomas Radner, Leiter der Grundlagenarbeit bei der AK Tirol, anwesend.


