Leoben: Montanuniversität begrüßt Steffen Stelzer als neuen Professor für Verbundwerkstoffe

März 12, 2026 21:07
Leoben: Montanuniversität begrüßt Steffen Stelzer als neuen Professor für Verbundwerkstoffe

Steffen Stelzer wird neuer Professor an der Montanuniversität Leoben

Der international erfahrene Werkstoffexperte Steffen Stelzer bringt Industrie-Know-how aus Mikroelektronik, Luftfahrt und Mobilität nach Leoben – mit einem klaren Schwerpunkten auf Prozessmethodik, Elektronik-Anwendungen und Kreislaufwirtschaft.

LEOBEN. Die Montanuniversität Leoben hat mit Steffen Stelzer einen ausgewiesenen Experten für Verbundwerkstoffe als neuen Professor für Verarbeitung von Verbundwerkstoffen und Design for Recycling begrüßt. Stelzer, der in Leoben aufgewachsen ist und Absolvent der Montanuniversität, kombiniert fundierte wissenschaftliche Qualifikation mit langjähriger Industrieerfahrung, die von High-Tech-Entwicklungen in der Mikroelektronik über Leichtbau bis hin zu Großprojekten im Industrieanlagenbau reicht. Darüber berichtet Welt Stimme.

„Ich bringe zwei Dinge mit, die mir wichtig sind: Wurzeln und Flügel“, sagt Stelzer mit Blick auf seine Leobener Herkunft und seine internationale Laufbahn. „Die Wurzeln stehen für Bodenständigkeit und Substanz in Forschung und Lehre. Die Flügel für Perspektivenwechsel, Kooperationen und Innovation an den Grenzflächen von Disziplinen.“

Vom Prüflabor bis zum 500-Millionen-Innovationsprojekt

Nach seinem Studium der Kunststofftechnik und dem Doktorat an der Montanuniversität baute Stelzer das Bauteilprüffeld und das Reliability Lab mit auf. Er engagierte sich in europäischen Normungsgremien (ESIS), bevor er in die Industrie wechselte, wo er die Entwicklung bei einem steirischen Hightech-Unternehmen verantwortete. Später leitete er als Geschäftsführer globale Projekte in den Bereichen 5G, Satellitenkommunikation und Leichtbau für die Luftfahrt. Zuletzt war er maßgeblich am Aufbau eines neuen, hochautomatisierten Werks eines führenden Leiterplatten- und Substratherstellers beteiligt – einem Leuchtturmprojekt für Mikroelektronik in Europa. „Ein Industrieprojekt dieser Größenordnung von der Baugrube bis zum laufenden Betrieb mitzugestalten, war die Erfahrung meines Lebens“, so Stelzer.

Prozesse verstehen, Daten nutzen, Kreisläufe schließen

Stelzers Forschung fokussiert sich auf das methodische Verständnis der Prozesse in der Verbundwerkstoffverarbeitung, von Material- und Harzverhalten über Sensorik bis hin zur robusten, datenunterstützten Fertigung. Ziel ist es, dieses Know-how sowohl in klassischen Endlosfaser-Anwendungen als auch in neuen Feldern wie Elektronik, Mikroelektronik, Rechenzentrums-Technologien und Mobilität wirksam zu machen.

Ein zweiter Schwerpunkt ist „Design for Recycling“: Verbundsysteme sollen so gestaltet werden, dass sie am Ende des Lebenszyklus effizient zurückgeführt werden können. „Die Frage ‚Was passiert danach?‘ muss bereits im Design beantwortet werden. Das ist technologisch anspruchsvoll und zentral für Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in Europa“, betont Stelzer.

In der Lehre setzt Stelzer auf forschungsnahe Module, Interdisziplinarität und Praxisnähe, um Studierende früh an reale Problemstellungen heranzuführen. „Es braucht beides: exzellente Theorie und Umsetzungskompetenz. Wer Prozesse versteht und in der Lage ist, Lösungen auf den Shopfloor zu bringen, wird auch in einer KI-geprägten Zukunft unverzichtbar sein“, sagt Stelzer.

Brückenbauer zwischen Universität und Industrie

Dank seines Netzwerks von europäischen Forschungspartnern bis zu Technologieunternehmen im Silicon Valley und in Asien beabsichtigt Stelzer, Kooperationen auszubauen und neue Projekte nach Leoben zu holen. „Gute Forschung entsteht heute im Verbund. Netzwerke eröffnen Möglichkeiten, die man alleine nicht hat, und sie schaffen direkte Zugänge für Studierende zu Zukunftsfeldern.“

Als gebürtiger Leobener freut sich Stelzer auf die Rückkehr. In seiner Freizeit ist er als Tourenführer im Alpenverein aktiv und verbindet damit seine Leidenschaft für Materialien auch privat: vom selbstgebauten Ski bis zum High-Performance-Bike. „Viele unserer Alltagsabenteuer sind Werkstoffgeschichten – das macht unser Fach so greifbar und begeisternd.“

„Berge versetzen – das ist mehr als ein Motto“, fasst Stelzer zusammen. „Es ist ein Auftrag, Technologien so zu entwickeln, dass sie ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich wirksam sind. Daran möchte ich mit Studierenden, Kolleginnen und Partnern arbeiten.“

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