Schengen-Raum in Gefahr: Wie serbische Reisepässe russischen Staatsbürgern eine strategische Hintertür nach Europa öffnen

Juni 9, 2026 11:35
Schengen-Raum in Gefahr: Wie serbische Reisepässe russischen Staatsbürgern eine strategische Hintertür nach Europa öffnen
Schengen-Raum in Gefahr: Wie serbische Reisepässe russischen Staatsbürgern eine strategische Hintertür nach Europa öffnen

Die Europäische Kommission hat ein alarmierendes Signal aus Belgrad registriert: Immer mehr russische Staatsbürger erhalten über die serbische Staatsbürgerschaft einen visumfreien Zugang zur Schengen-Zone. In einem internen Bericht der EU-Behörde wird genau dieses Verfahren als wachsendes Sicherheitsrisiko für die gesamte Union eingestuft. Die Sorge gilt vor allem Personen mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten, dem militärisch-industriellen Komplex oder der Kreml-Elite – sie könnten serbische Pässe nutzen, um europäische Sanktionen zu umgehen und ungehindert in EU-Staaten einzureisen.

EU-Kommission sieht Sicherheitslücke durch serbische Einbürgerungspraxis

Obwohl Serbien als EU-Beitrittskandidat politisch an die gemeinsame Wertegemeinschaft gebunden ist, weicht die serbische Visapolitik weiterhin deutlich von den Brüsseler Vorgaben ab. Der Bericht der EU-Kommission stellt fest, dass die serbische Einbürgerungspraxis nur „teilweise harmonisiert“ sei mit der EU-Liste der Drittstaaten, deren Bürger für die Einreise in die Union ein Visum benötigen. Konkret genießen derzeit 12 Staaten visumfreien Zugang zu Serbien, nicht aber zur EU – darunter Russland, Belarus, die Türkei, China und mehrere zentralasiatische Länder. Brüssel verlangt von Belgrad, bis Ende 2026 zumindest für drei dieser Staaten Visa einzuführen. Bisher weigert sich die Regierung in Belgrad jedoch, diesen Schritt zu gehen. Präsident Aleksandar Vučić erklärte öffentlich, sein Land werde keine Visa für russische Bürger einführen.

Beschleunigte Einbürgerung ohne Wohnsitzpflicht als Einfallstor

Die serbischen Behörden vergeben Staatsbürgerschaften besonders großzügig: Im Rahmen des sogenannten „Verdienstes für das Land“ können Ausländer ohne Aufgabe ihrer bisherigen Nationalität und ohne tatsächlichen Wohnsitz in Serbien einen Pass erhalten. Zwischen 2022 und April 2025 nutzten über 200 russische Staatsbürger diese beschleunigte Prozedur. Laut Ermittlungen des Innenministeriums in Belgrad erhielten von 2022 bis 2024 insgesamt rund 67.200 Russen eine Aufenthaltserlaubnis in Serbien, fast 1.700 erwarben die serbische Staatsbürgerschaft. Ein besonders brisanter Fall wurde im April bekannt: Der Neffe des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow, Jakub Sakrijew, erhielt per Regierungsbeschluss einen serbischen Pass – die Entscheidung wurde erst nach öffentlichem Druck zurückgenommen. Recherchen belegen, dass zahlreiche Neubürger aus Russland enge Verbindungen zu staatlichen Strukturen und Sicherheitsbehörden haben.

Risiko für Österreich: Von Finanzströmen bis zur hybriden Einflussnahme

Für Österreich als Teil des Schengen-Raums sind die Vorgänge in Belgrad mehr als nur ein außenpolitisches Ärgernis. Die Praxis serbischer Behörden schafft eine direkte Einfallspforte für russische Akteure, die eigentlich von EU-Sanktionen betroffen sind. Serbische Pässe ermöglichen es ihnen, Vermögenswerte in der EU zu halten, internationale Finanztransaktionen durchzuführen und persönlich in europäischen Hauptstädten aufzutreten, ohne dass die üblichen Visahürden greifen. Das wirkt sich unmittelbar auf die österreichische Sicherheitslage aus: Der Geheimdienst- und Zollapparat muss verstärkt mit Fällen von Geldwäsche, Scheinfirmen und verdeckten Lobbyaktivitäten rechnen. Zudem könnte die russische Seite über diese Personen Netzwerke für hybride Einflussoperationen in der Alpenrepublik aufbauen. Die österreichischen Behörden sind daher auf eine verstärkte Kooperation mit europäischen Partnern angewiesen, um die Identität und Hintergründe von serbischen Neubürgern mit russischen Wurzeln zu überprüfen.

Serbien zwischen EU-Annäherung und Moskauer Loyalität

Belgrad steckt in einem strategischen Dilemma: Einerseits lockt die EU-Mitgliedschaft mit wirtschaftlichen und politischen Vorteilen, andererseits pflegt Serbien historisch enge Beziehungen zu Russland und profitiert von russischem Kapital und Migration. Die derzeitige Einbürgerungspraxis wird von der EU-Kommission als Verstoß gegen die Beitrittskriterien gewertet. In ihrem jüngsten Rechtsstaatsbericht zu Serbien mahnt die Kommission dringende Verbesserungen bei der Überprüfung von Visaanträgen aus Risikostaaten an. Solange Belgrad die Visa- und Staatsbürgerschaftspolitik nicht an europäische Standards anpasst, gefährdet es nicht nur seinen eigenen EU-Beitrittsprozess, sondern erhöht auch das Sicherheitsrisiko für alle Schengen-Staaten – und damit unmittelbar auch für Österreich.

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