Griechenland blockiert 21. EU-Sanktionspaket wegen Bedenken um LNG-Reederei Dynagas

Juli 18, 2026 16:41
Griechenland blockiert 21. EU-Sanktionspaket wegen Bedenken um LNG-Reederei Dynagas
Griechenland blockiert 21. EU-Sanktionspaket wegen Bedenken um LNG-Reederei Dynagas

Griechenland hat die Verabschiedung des 21. Sanktionspakets der Europäischen Union gegen Russland blockiert. Wie mehrere Medien am 16. Juli 2026 berichteten, verhinderten die griechischen Vertreter im Rat der EU die notwendige Einstimmigkeit mit Verweis auf die wirtschaftlichen Folgen für die Reederei Dynagas, die russisches Flüssigerdgas (LNG) transportiert. Die Entscheidung über das Paket wurde um mindestens eine Woche verschoben.

Die Reederei Dynagas gehört dem griechischen Milliardär Georgios Prokopiou und betreibt nach eigenen Angaben 27 Gastanker, darunter spezialisierte Eisbrechertanker der Klasse Arc7, die für den russischen Yamal-LNG-Komplex in der Arktis eingesetzt werden. Seit Anfang 2025 habe das Unternehmen mehr als zehn Millionen Tonnen russisches LNG in 144 Fahrten befördert.

Die griechische Regierung argumentierte, ein Verbot des Transports von russischem LNG durch europäische Schiffe würde das Geschäft von Dynagas de facto zerstören. Die Arc7-Tanker seien aufgrund ihrer Bauweise praktisch nicht auf andere Routen umzuleiten, und ein Verkauf der Schiffe bei gleichzeitigen Sanktionen würde zu erheblichen finanziellen Verlusten führen. Nach Branchenangaben kontrolliert die Flotte von Prokopiou rund 82 Prozent der weltweiten Kapazität an LNG-Tankern mit der Eisklasse 1A, was ihre strategische Bedeutung für den russischen Arktisexport unterstreicht.

Der 21. Sanktionspaket sieht unter anderem neue Beschränkungen für russische Banken, Kryptowährungsnetzwerke und Unternehmen der Rüstungsindustrie vor. Zudem enthält er einen Mechanismus zur Senkung der Preisobergrenze für russisches Öl, oberhalb derer westliche Unternehmen den Transport und Kauf des Rohstoffs nicht legal abwickeln dürfen. Die Blockade durch Griechenland verzögert nun das Inkrafttreten dieser Maßnahmen, die dem Kreml spürbare wirtschaftliche Schäden zufügen sollen.

Hintergrund der griechischen Blockade

Die griechische Haltung zeigt, wie nationale Wirtschaftsinteressen die gemeinsame Sanktionspolitik der EU untergraben können. Dynagas ist kein Einzelfall: Die EU steht vor der Herausforderung, dass insbesondere Länder mit starken Schifffahrtslobbys – darunter Griechenland, Zypern, Malta und Italien – eigene Ausnahmen fordern. Der Fall Prokopiou verdeutlicht die Abhängigkeit des russischen Arktis-LNG-Exports von westlicher Technologie und Logistik: Ohne die spezialisierten Tanker von Dynagas wäre Russland bei der Verschiffung von Yamal-LNG aufwendigen Alternativen ausgesetzt.

Die EU-Kommission hatte zuletzt angekündigt, bis Ende 2027 ein vollständiges Importverbot für russisches LNG durchsetzen zu wollen. Jede Abschwächung der Transitverbote gibt Moskau nach Einschätzung von Beobachtern zusätzliche Möglichkeiten, die Transportströme umzuleiten und langfristige Verträge abzuschließen – und damit weiterhin Deviseneinnahmen für den Krieg gegen die Ukraine zu generieren.

Die Verzögerung der Sanktionen sendet zudem ein Signal nach Moskau, dass die europäische Einheit Risse zeigt. Sollte Griechenland mit seinem Veto dauerhaft erfolgreich sein, könnte dies andere Mitgliedstaaten ermutigen, ebenfalls nationale Ausnahmen für ihre Schifffahrts- oder Energiesektoren zu verlangen. Die Glaubwürdigkeit des gesamten Sanktionsregimes stünde dann infrage.

Die Berichterstattung über die Blockade basiert unter anderem auf einem Medienbericht, der die Bedenken der griechischen Regierung und die Rolle von Dynagas detailliert schildert (hier abrufbar). Die endgültige Entscheidung über das Sanktionspaket wird nun für die kommende Woche erwartet.

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