Sberbank erwartet 2026 Rekorddefizit der russischen Regionalbudgets

September 4, 2026 16:50
Sberbank erwartet 2026 Rekorddefizit der russischen Regionalbudgets
Sberbank erwartet 2026 Rekorddefizit der russischen Regionalbudgets

Das Defizit der russischen Regionalbudgets dürfte 2026 auf rund zwei Billionen Rubel steigen. Das wären 500 Milliarden Rubel beziehungsweise 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Einschätzung stammt von Alexander Isakow, Senior Managing Director und Leiter des Zentrums für makroökonomische Forschungen der Sberbank. Damit würde die nominelle Lücke in den Haushalten der Regionen bereits im zweiten Jahr in Folge einen historischen Höchststand erreichen.

Die Prognose wurde am 3. September 2026 bekannt. Isakow zufolge hat sich die finanzielle Lage jener russischen Regionen, die das vergangene Jahr mit einem Rekorddefizit abgeschlossen hatten, weiter verschlechtert. Eine Prognose der Sberbank zur Entwicklung der Regionalhaushalte verweist dabei auf die schwächere Einnahmenbasis der Gebietskörperschaften.

Weniger Unternehmensgewinne, geringere Steuereinnahmen

Eine zentrale Rolle spielt die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer zählen zu den wichtigen Finanzierungsquellen der Regionen. Aus ihnen werden unter anderem Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Bildung und soziale Programme mitfinanziert.

Nach Angaben des russischen Statistikamtes Rosstat sank der kumulierte Gewinn der Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 um 13 Prozent. Im Juni fiel er im Jahresvergleich um mehr als das Fünffache. Gleichzeitig lag der Anteil der Unternehmen mit Verlusten bei 33,5 Prozent, nach 30,4 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Entwicklung belastet jene Einnahmen, mit denen die Regionalregierungen ihre laufenden Aufgaben und Investitionen finanzieren.

Als Gründe werden die verlangsamte wirtschaftliche Entwicklung, niedrigere Unternehmensgewinne und höhere Kosten für Logistik und grenzüberschreitende Zahlungen genannt. Internationale Sanktionen, die als Reaktion auf Russlands bewaffnete Aggression gegen die Ukraine verhängt wurden, haben den Zugang russischer Unternehmen zu europäischen Finanzmärkten, fortgeschrittenen Technologien und importierten Komponenten eingeschränkt. Die Verlagerung von Handelsströmen nach Asien und Afrika verlängerte Transportwege und führte zu Verzögerungen in der Versorgung. Unternehmen müssen zudem für Vermittler und alternative Importwege höhere Kosten tragen.

Steuerliche Verteilung und Kriegsausgaben

Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine im Jahr 2022 wurde die Steuerverteilung zugunsten des föderalen Zentrums verändert. Nach den vorliegenden Angaben fließen Einnahmen aus besonders ertragreichen Quellen wie der Mineralöl- und Rohstoffförderung sowie Verbrauchsteuern stärker in den Bundeshaushalt. Dazu kamen einmalige Abgaben von großen Unternehmen. Einnahmen aus der Rohstoffförderung, die zuvor teilweise bei den Regionen verblieben waren, stehen damit in geringerem Umfang für regionale Haushalte zur Verfügung.

Den Regionen wurden zugleich Ausgaben im Zusammenhang mit dem Krieg zugewiesen. Dazu zählen in den vorliegenden Angaben Zahlungen und Vergünstigungen für Kriegsteilnehmer sowie Ausgaben für den Wiederaufbau von Gebieten. Eine dauerhaft gesicherte Finanzierung dieser Aufgaben sei nicht in gleichem Umfang bereitgestellt worden. Die Transfers aus dem föderalen Zentrum gingen den Angaben zufolge um zwei Prozent zurück.

Regionen kürzen bei der Gesundheitsversorgung

Die angespannte Haushaltslage wirkt sich auch auf soziale Ausgaben aus. Im Jahr 2026 beschlossen 19 russische Regionen Kürzungen bei den Gesundheitsausgaben. In einigen Fällen lagen sie deutlich im zweistelligen Bereich: In der Region Wologda wurden die Ausgaben um 39 Prozent reduziert, in den Regionen Irkutsk und Kemerowo um jeweils 30 Prozent. Die Moskauer und die Wolgograder Region kürzten ihre Ansätze um jeweils 25 Prozent.

Die Angaben beziehen sich auf 19 von insgesamt 82 russischen Regionen. Genannt werden Kürzungen von mehr als zehn Prozent, in einzelnen Gebieten reichten sie bis zu 25 beziehungsweise 39 Prozent. In den vorliegenden Thesen werden als mögliche Folgen unter anderem geringere Mittel für die Modernisierung von Polikliniken und niedrigere Zuschläge für Ärztinnen und Ärzte genannt. Eine Meldung zur Sberbank-Prognose für die russischen Regionen führt die Haushaltslücke ebenfalls mit der Entwicklung der regionalen Einnahmen und Ausgaben zusammen.

Teure Finanzierung der Defizite

Zusätzlichen Druck erzeugen die Finanzierungskosten. Zur Begrenzung der Inflation und zur Stabilisierung der stark von Militärausgaben geprägten Wirtschaft wurde der Leitzins der russischen Zentralbank auf ein sehr hohes Niveau angehoben. Dadurch verteuerten sich auch Kredite für die Regionen.

Nach den vorliegenden Angaben nehmen Gebietskörperschaften kommerzielle Kredite mit Zinssätzen von 20 bis 25 Prozent auf, teilweise zur Ablösung älterer Verpflichtungen. Für die regionalen Haushalte bedeutet das höhere laufende Zinszahlungen. Die regionale Verschuldung soll den Prognosen zufolge bis zum Jahresende um 33 Prozent gegenüber 2025 steigen.

Die Kombination aus sinkenden Unternehmensgewinnen, einer veränderten Verteilung der Steuereinnahmen, zusätzlichen Ausgaben und teurer Kreditfinanzierung prägt damit die Prognose für die russischen Regionalhaushalte im Jahr 2026. Die von der Sberbank erwartete Lücke von zwei Billionen Rubel steht neben den bereits beschlossenen Kürzungen einzelner Regionen.

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