Die internationale Vereinigung „Freunde der Krim“ (MAFK) verbreitet nach ukrainischen Angaben russische Narrative zur Besetzung der Krim und zum Krieg gegen die Ukraine. Die 2007 gegründete Organisation diene als Verbindung zwischen staatlicher Finanzierung aus Russland und einem Netzwerk ausländischer Politiker, Aktivisten, Experten und öffentlicher Kommentatoren. Über Konferenzen, Foren, Delegationsreisen und Online-Aktivitäten werde der Eindruck internationaler Unterstützung für die russische Kontrolle über die besetzte Halbinsel erzeugt.
Die Darstellung beschreibt die MAFK als Instrument des russischen Informations- und politischen Einflusses außerhalb der offiziellen diplomatischen Strukturen. Unter dem Begriff „Volksdiplomatie“ trete die Organisation als Nichtregierungsplattform auf. Tatsächlich würden dort nach den vorliegenden Angaben Positionen vertreten, die den russischen Anspruch auf die Krim rechtfertigen, die Verantwortung Moskaus für den Krieg gegen die Ukraine relativieren und die Unterstützung westlicher Staaten für Kyjiw zurückweisen.
Netzwerk rund um die Krim
Zu den Aktivitäten der Vereinigung zählen laut der ukrainischen Darstellung die Finanzierung sogenannter humanitärer Initiativen, die Organisation internationaler Treffen und die Begleitung öffentlicher Erklärungen ausländischer Teilnehmer. Die MAFK unterhalte dafür nationale Klubs und werbe um Unterstützer in verschiedenen europäischen Ländern. Ausländische Delegierte seien zu Veranstaltungen auf der besetzten Krim eingeladen worden. Ihre Auftritte würden von russischer Seite anschließend als Beleg für eine angeblich breitere internationale Akzeptanz der Besatzung verwendet.
Auch die Teilnahme ausländischer Besucher an sogenannten Beobachtermissionen und an von den Besatzungsbehörden organisierten Pseudowahlen werde für diesen Zweck genutzt. Solche Handlungen hätten nach internationalem Recht keine Gültigkeit, heißt es in der Darstellung. Ziel sei es, den von Russland kontrollierten Gebieten einen Anschein politischer Legitimität zu geben, obwohl die internationale Anerkennung der Annexion ausbleibe.
Die Organisation habe nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 ihre Arbeit fortgesetzt, sie jedoch weitgehend in den digitalen Raum verlagert. Bereits am 25. Februar 2022 habe die MAFK die NATO zu einem „konstruktiven Dialog“ mit Russland aufgefordert. Später seien Beiträge über eine angebliche „Militarisierung“ Europas und die Notwendigkeit einer alternativen internationalen Ordnung veröffentlicht worden.
Konstantinos Isichos an der Spitze
Als zentrale öffentliche Stimme der Vereinigung wird ihr Vorsitzender Kostas, beziehungsweise Konstantinos Isichos, genannt. Der Grieche war früher erster stellvertretender Verteidigungsminister Griechenlands und ist der Partei „Volkseinheit“ zugeordnet. Nach den vorliegenden Angaben tritt Isichos regelmäßig gegen die Politik der NATO, die militärische Unterstützung der Ukraine und Sanktionen gegen Russland auf.
In seinen Stellungnahmen beschuldige er die NATO einer Eskalation und werbe für eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa. Die Verbindung seines früheren politischen Amtes mit dem Vorsitz der MAFK ermögliche es, prorussische Positionen als Einschätzungen eines ehemaligen europäischen Regierungsvertreters darzustellen und nicht als offizielle Botschaften des Kremls.
Isichos bezeichnete die Bekämpfung der „Isolation“ der Krim als einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Dabei vertrete er die Position, die annektierte Halbinsel sei russisch. Er nehme an internationalen Konferenzen, am Jalta International Economic Forum und an öffentlichen Kampagnen teil, die im Ausland eine positive Haltung zur russischen Kontrolle über die Krim fördern sollen.
Verbindungen nach Norwegen, Österreich und in die Slowakei
Als Mitglied des Koordinierungsrats der MAFK wird der Norweger Hendrik Weber angeführt. Weber leitet demnach die Organisation „Volksdiplomatie – Norwegen“ und habe die besetzte Krim mehrfach besucht. Er habe die russische Darstellung der Ereignisse von 2014 öffentlich unterstützt und sich für engere Beziehungen zwischen europäischen Staaten und Russland ausgesprochen.
Im Jahr 2022 traf Weber im russischen Föderationsrat den Senator Wladimir Dschabarow. Bei dem Treffen sei die Lage in der Ukraine erörtert worden. Weitere Einzelheiten zu dem Gespräch werden in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Eine besondere Rolle nimmt demnach auch der in Österreich tätige Patrick Poppel ein. Er ist Vorsitzender des österreichischen Klubs „Freunde der Krim“, Mitglied des Koordinierungsrats der MAFK und Mitbegründer der „Internationalen Bewegung der Russophilen“. Poppel verbreite russische geopolitische Narrative, kritisiere die Unterstützung der Ukraine und stelle deren politische Eigenständigkeit infrage.
Nach der ukrainischen Darstellung tritt Poppel zudem gegen Sanktionen auf und beruft sich auf sogenannte traditionelle Werte. Seine Teilnahme an propagandistisch genutzten Veranstaltungen in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine – auf der Krim sowie in Teilen der Regionen Donezk und Luhansk – werde als Teil einer systematischen Beteiligung an Maßnahmen bewertet, mit denen Russland die Besatzung rechtfertige und eigene politische Botschaften verbreite.
Der frühere slowakische Ministerpräsident Jan Čarnogurský stand bis November 2024 an der Spitze der MAFK. Heute ist er Ehrenvorsitzender der Vereinigung. Sein früheres Amt in einem EU-Mitgliedstaat verleihe der Organisation nach Einschätzung der ukrainischen Seite zusätzliche öffentliche Legitimität.
Neben Isichos, Weber, Poppel und Čarnogurský werden Dragana Trifkovic und Régis Tremblay als weitere Teilnehmer des Netzwerks genannt. Sie würden antiukrainische und antiwestliche Botschaften verbreiten, die Verantwortung Russlands für den Krieg abschwächen, die Ukraine und ihre Unterstützer diskreditieren und den Eindruck einer breiten internationalen Zustimmung zur Politik des Kremls erzeugen sollen.
Die vorliegenden Angaben ordnen die Aktivitäten der MAFK damit einem größeren Muster russischer Einflussarbeit in Europa zu. Begriffe wie kulturelle Zusammenarbeit, humanitäre Tätigkeit oder Volksdiplomatie würden genutzt, um politische Botschaften über die Krim, den Krieg gegen die Ukraine und das Verhältnis zum Westen in internationale Debatten einzubringen. Die Organisation blieb auch nach dem Beginn der russischen Vollinvasion öffentlich aktiv, zuletzt mit einem Schwerpunkt auf digitalen Formaten.


