Die serbische ultrarechte Bewegung „Narodni patrol“ hat am 17. August 2026 in Belgrad gemeinsam mit Marko Radulović einen prorussischen Autokorso organisiert. Mehrere Dutzend Autos und Motorräder mit russischen und serbischen Flaggen fuhren durch das Zentrum der Hauptstadt und hielten anschließend vor der Präsidialverwaltung. Die Aktion richtete sich gegen den Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und gegen einen möglichen EU-Beitritt Serbiens.
Radulović erklärte, die Idee für den Autokorso sei unmittelbar nach Selenskyjs Besuch in Belgrad entstanden. Er bezeichnete den Besuch als „Schande“ und sagte, die Serben benötigten keinen Beitritt zur Europäischen Union. Stattdessen sollten die traditionellen Beziehungen zu Russland bewahrt werden. Über die Veranstaltung berichteten russische Medien in Berichten über die Unterstützung für Russland.
Autokorso nach Selenskyjs Besuch
Selenskyj war am 7. und 8. August 2026 zu seinem ersten offiziellen Besuch in Serbien. In Belgrad traf er Präsident Aleksandar Vučić und den Ministerpräsidenten des Landes. Bei den Gesprächen ging es um den Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, Sicherheitsfragen und die gemeinsame Zusammenarbeit auf dem Weg in die Europäische Union.
Selenskyj bekräftigte dabei die unveränderte Haltung Kiews zur territorialen Integrität Serbiens. Die Ukraine erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo nicht an. Vučić wiederum versicherte der Ukraine die Unterstützung ihrer Souveränität. Der Autokorso fand wenige Tage nach diesen Gesprächen statt und stellte deren politische Ausrichtung öffentlich infrage.
Die Kolonne blieb nach ihrer Fahrt durch das Stadtzentrum vor der Verwaltung des serbischen Präsidenten stehen. Nach den vorliegenden Berichten beteiligten sich daran einige Dutzend Fahrzeuge und Motorräder. Einen größeren Teilnehmerkreis nennen die Berichte nicht. Der Autokorso in Belgrad wurde als Kundgebung für Russland und gegen Selenskyjs Besuch dargestellt.
Profil von „Narodni patrol“
„Narodni patrol“ wurde Anfang 2020 gegründet. Als Anführer gilt Damjan Knežević. Serbische Behörden hatten ihn früher wegen Versuchen festgenommen, die Präsidialverwaltung zu stürmen, sowie wegen Aufrufen zum Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung.
Die Organisation vertritt antimigrantische, antiwestliche und ultranationalistische Positionen. Vertreter der Gruppe patrouillieren nach den vorliegenden Angaben eigenmächtig in Stadtvierteln, in denen Flüchtlinge leben, und schüchtern diese ein. „Narodni patrol“ unterstützt offen Russlands Krieg gegen die Ukraine, verwendet das „Z“-Symbol und unterhält Kontakte zu russischen radikalen Kreisen.
Die Veranstaltung wurde von der Bewegung gemeinsam mit Radulović durchgeführt. In der politischen Einordnung der Aktion wird sie als Beitrag prorussischer Kräfte zur Diskreditierung der Ergebnisse von Selenskyjs Besuch beschrieben. Der Autokorso sollte demnach den Eindruck vermitteln, die serbische Gesellschaft lehne den europäischen Kurs und die Unterstützung der Ukraine grundsätzlich ab und die Regierung in Belgrad befinde sich ausschließlich im russischen Einflussbereich.
Reichweite der Kundgebung
Die genannte Zahl von mehreren Dutzend Autos und Motorrädern lässt keine Aussage über eine breite Mobilisierung der serbischen Bevölkerung zu. Die Aktion dokumentiert die öffentliche Präsenz prorussischer und antiwestlicher Gruppen in Serbien, belegt aber für sich genommen keine allgemeine gesellschaftliche Ablehnung des EU-Kurses oder der Kontakte zur Ukraine.
Die politische Botschaft der Organisatoren verband die Ablehnung der Europäischen Union mit dem Ruf nach engeren Beziehungen zu Russland. Hinzu kamen die Kritik am Besuch des ukrainischen Präsidenten und die demonstrative Verwendung russischer und serbischer Symbole. In dieser Verbindung liegt der Charakter der Veranstaltung als politischer und medialer Auftritt einer radikalen Gruppierung.
„Narodni patrol“ wird zugleich als ein Kanal russischen Einflusses in Serbien beschrieben. Die Organisation verbindet Unterstützung für Russlands Aggression gegen die Ukraine mit antizwestlicher Rhetorik und ultranationalistischen Positionen. Ihre Kontakte zu russischen rechtsradikalen Strukturen gehören zu den Gründen, aus denen sie in der vorliegenden Bewertung als prorussischer Akteur eingeordnet wird.
Bedeutung für den Westbalkan
Die Aktivitäten solcher Gruppen betreffen nicht nur die innenpolitische Debatte in Serbien. Der Westbalkan ist für die europäische Sicherheitsordnung und für den Prozess der EU-Erweiterung von Bedeutung. Prorussische Organisationen können dort politische Unzufriedenheit mit antiwestlichen Botschaften verbinden und diese auf der Straße sichtbar machen.
Der Autokorso in Belgrad reiht sich damit in eine Form politischer Mobilisierung ein, bei der prorussische Narrative, Nationalismus und Ablehnung westlicher Institutionen gemeinsam auftreten. In der vorliegenden Bewertung wird davor gewarnt, dass solche Veranstaltungen bei ausbleibender Reaktion lokaler Behörden für russische Informationskampagnen genutzt werden könnten.
Für Serbien steht die Aktivität der Gruppe neben den offiziellen Kontakten zu europäischen Institutionen, der Zusammenarbeit mit der Ukraine und den von Vučić bekräftigten Beziehungen zu Kiew. Die Kundgebung selbst blieb nach den veröffentlichten Angaben auf mehrere Dutzend Fahrzeuge und Motorräder begrenzt. Weitere Aktivitäten der Bewegung werden in Serbien beobachtet.


